08.06.2020 21:26 Uhr

Fake-Follower: Das passiert, wenn’s rauskommt, liebe Influencer!

Foto: Pathdoc/Shutterstock

30.000 Instagram-Follower für nur 250 Euro! Das ist der attraktive aktuelle Preis für Instagram-Influencer, denen es nicht schnell genug geht auf der Jagd nach Anhängern.

In den letzten Monaten wurden vermehrt die Promi-Accounts auf Echtheit geprüft. Comedian Oliver Pocher machte zuletzt Videos über andere Influencer, in denen er angebliche Belege von eingekauften Followern präsentierte. Ob diese Informationen der Wahrheit entsprachen, wird nun wohl ein Gericht klären müssen. In der letzten Woche gab es aber auch weltweite Schlagzeilen wie: „Kylie Jenner– sind ihre Millionen Follower nur fake?“

Fazit: In Online-Marketing-Kreisen gehen viele Experten davon aus, dass bis zu 70 Prozent aller Follower gekauft sind.

Fake-Follower bei Insta & Co.: Das passiert, wenn's rauskommt, liebe Influencer!

Oliver Pocher. Foto: imago images / Future Image

Schadensersatzansprüche

Somit wären laut Anwalt André Schenk bereits Milliarden an Werbegeldern geflossen, die Unternehmen nun zurückfordern können. Zeitgleich haben sich die Influencer in vielen Fällen strafbar gemacht. Denn: hier liegt eine Vertragsverletzung vor, wenn in den Werbeverträgen steht, dass der Instagram-Star zum Beispiel 500.000 Follower hat und das die Berechnungs-Grundlage für den Vertrag ist. Hier können nun Schadensersatzansprüche und außerordentliche Kündigungsansprüche geltend gemacht werden. Auch die bereits ausgezahlten Gelder können zum Teil oder ganz zurückgefordert werden.

Sollte der Influencer oder sein Management von den gekauften Followern gewusst haben, liegt hier ein sogenannter „Eingebungsbetrug“ vor. Da eine Produktwerbung ab 500.000 Followern schnell mal 30.000 Euro bringen kann ist es auch strafrechtlich schon kein Kavaliersdelikt mehr, sondern ein Fall für das Landgericht und folglich sehr interessant für die zuständige Staatsanwaltschaft.

Auftraggeber getäuscht

Laut André Schenk muss Instagram den Unternehmen die Möglichkeit geben, die Echtheit der jeweiligen Anhänger zu prüfen und viele Accounts sollten für die Ermittlungen beschlagnahmt und somit eingefroren werden.

Wir haben mit Rechtsanwalt Schenk, Fachanwalt für gewerblichen Rechtsschutz, bei SBS Legal Rechtsanwälte Schulenberg & Partner, gesprochen.

Warum kaufen „Influencer“ überhaupt Fake-Follower?
Influencer kaufen Fake-Follower, da sie durch die höhere Anzahl der Follower bzw. die gesteigerte Entwicklung ihrer Follower-Zahlen bessere Werbeverträge aushandeln können und hierdurch bessere Vergütungen erreichen können und auch allgemein, damit die Reputation der Influencer in erheblicher Weise erhöht. Dies geschieht insbesondere dann, wenn die Entwicklung der „ehrlichen“ Influencer-Zahl sich nicht wie gewünscht entwickelt.

Wie ist es überhaupt möglich, Fake-Follower zu hunderten, ja tausenden zu „installieren“? Wo sind die denn her?
Es ist sowohl technisch durch sogenannte Bot-Lösungen möglich, Fake-Follower in großem Umstand zu erreichen. Ebenso gibt es Agenturen, die Mitarbeiter etwa auf den Philippen oder in Indien haben, die solche Fake-Follower-Profile einrichten und pflegen.

Fake-Follower bei Insta & Co.: Das passiert, wenn's rauskommt, liebe Influencer!

Anwalt André Schenk. Foto: sbs-legal.de

Worin besteht die Strafbarkeit?
Ob eine Strafbarkeit bei der Manipulation solcher Follower-Zahlen besteht, ist eine Frage des Einzelfalls. Wenn aber etwa ein Vertrag als Vertragsgrundlage die Follower-Zahlen berücksichtigt und auf Basis dieser Follower-Zahlen die Vergütung des Influencers berechnet wird, so könnte einiges für einen Eingebungsbetrug sprechen, sofern diese als Vertragsgrundlage hinterlegten Follower-Zahlen unrichtig sind. Denn der Follower täuscht den Auftraggeber über den Umstand der Follower-Zahlen. Aufgrund dieser Täuschung erregt der Influencer bei dem Auftraggeber den Irrtum, dass jener ein besonders guter Werbeträger für seine Waren oder Dienstleistungen ist. Hierdurch veranlasst der Auftraggeber eine Verfügung über sein Vermögen, indem er eine entsprechend auf die Follower-Zahl ausgerichtete Vergütung ausspricht, die für den Fall einer niedrigeren tatsächlichen Follower-Zahl auch geringer ausfallen würde. Der Auftraggeber erleidet durch diese Verfügung auch einen Schaden, da er eine Vergütung jedenfalls in der konkreten Höhe zusagt, die er anderenfalls nicht ausgegeben hätte. Sofern der Influencer wissentlich handelte, so liegt auch Vorsatz vor. Eben diese Umstände würden zum Anfangsverdacht eines Eingehungsbetruges, der nach § 263 Abs. 1 StGB strafbar ist, führen.

Die Kontobesitzer werden immer behaupten, sie haben von nichts gewusst.
Es ist nicht auszuschließen, dass die Kontobesitzer behaupten, von nichts gewusst zu haben. Bei einer entsprechenden tiefgehenden Recherche insbesondere durch die Strafverfolgungsbehörden wird allerdings häufig offengelegt werden, dass hier mit Wissen der Influencer gehandelt wurde, zumal die häufig im Ausland sitzenden Agenturen für den Fall von Anfragen unter Umständen entsprechende Verträge vorlegen, in denen der Influencer eine entsprechende Beauftragung ausgesprochen hat.

Warum gibt es keine Klagen gegen die Firmen, die das anbieten?
Es gibt nicht wirklich viele Klage gegen Firmen, die solche Fake-Profile installieren, da diese Firmen in der Regel im Ausland sitzen und hier die Mühe gescheut wird, diese Verantwortlichen zu verfolgen. Dies gilt insbesondere umso mehr, als diese Firmen in Staaten ansässig sind, in denen eine Rechtsverfolgung oder Durchsetzung der Ansprüche nicht ganz einfach ist aus deutscher Sichtweise.

Was raten Sie Instagramern, die beschissen haben?
Instagramern, die sich solcher unlauteren Methoden zur Erhöhung ihrer Follower-Zahl bedient haben, ist anzuraten, sorgfältig zu prüfen, ob ihr Verhalten vertragswidrig und ggf. strafrechtlich relevant ist. Sofern sich herausstellen sollte, dass hier einige vertragliche Verstöße seitens der Influencer vorliegen, sollte sehr genau abgewogen werden, wie sich die Instagramer rechtlich verhalten. Dies ist allerdings stets eine Betrachtung des Einzelfalls und kann nicht verallgemeinert werden. Insgesamt ist allerdings darauf hinzuweisen, dass Instagramern von einem solchen Vorgehen hinsichtlich der Follower-Gewinnung abzuraten ist. Denn nicht nur können massive zivilrechtliche oder strafrechtliche Folgen drohen. Mindestens ebenso wird der mögliche Reputationsschaden die künftige Karriere der Influencer beeinflussen, da nicht auszuschließen ist, dass diese sich nicht lauter verhaltenden Influencer nach Erhalt eines Shitstorms künftig keine Aufträge mehr erhalten und somit ihre berufliche Tätigkeit als Influencer beendet ist.