Donnerstag, 19. April 2018 18:37 Uhr

Farid Bang und Kollegah: Lässt die Plattenfirma sie jetzt doch fallen?

Der Ärger nach der Echo-Verleihung setzt auch die Plattenfirma des umstrittenen Rap-Albums unter Druck. Jetzt will die Bertelsmann-Tochter handeln.

Farid Bang und Kollegah: Lässt die Plattenfirma sie jetzt doch fallen?

Protzrapper Kollegah, Farid Bang haben letzte Woche noch viel gelacht. Foto: WENN.com

Nach dem Eklat um die Echo-Auszeichnung für ein als judenfeindlich kritisiertes Rap-Album will die Plattenfirma BMG eine Kampagne gegen Antisemitismus starten. Die Tochter-Firma des Medienunternehmens Bertelsmann schiebt das Projekt mit rund 100.000 Euro an, wie BMG heute in Berlin mitteilte. „Gemeinsam mit sachverständigen Organisationen sollen Projekte zur Bekämpfung der besorgniserregenden Entwicklung an Schulen ausgesucht werden“, heißt es in einer Pressemitteilung. Der Schwerpunkt soll in Berlin liegen.

„Wir nehmen künstlerische Freiheit ernst“

Die Bertelsmann Music Group (BMG) hatte in Kooperation mit den Musik-Labels der Rapper Farid Bang und Kollegah, Banger Musik und Alpha Music Empire, das umstrittene Album „Jung, Brutal, Gutaussehend 3“ veröffentlicht. Die Musiker waren in der vergangenen Woche für das Werk mit dem Musikpreis Echo ausgezeichnet worden. Textzeilen wie „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“ und „Mache wieder mal ’nen Holocaust, komm‘ an mit dem Molotow“ hatten heftige Kritik und eine Debatte um Antisemitismus ausgelöst.

In einer Stellungnahme hatte sich BMG hinter die Künstler gestellt. „Wir nehmen Künstler und künstlerische Freiheit ernst, und wir sagen unseren Künstlern nicht, was ihre Texte enthalten sollten und was nicht“, teilte die Tochter des Medienunternehmens Bertelsmann am Mittwoch auf Anfrage in Berlin mit. Und weiter: „Zweifellos haben einige Songtexte auf JBG3 viele Menschen zutiefst verletzt. Andererseits waren viele Menschen ganz klar nicht so sehr verletzt, insofern, dass es zu einem der meistverkauften Alben des vergangenen Jahres in Deutschland wurde.“

Christoph Heubner vom Internationalen Auschwitz Komitee warf den Verantwortlichen der Plattenfirma in einer Mitteilung „Zynismus“ vor. Dieser beschreibe „genau das Dilemma unserer Gesellschaft, in der ein rohes Wegrutschen junger Menschen aufgrund einer sinn- und werteentleerten Unternehmenspolitik und einer ausschließlich am Gewinnstreben orientierten Publikationsstrategie immer möglicher erscheint.“ Dies alles mit dem Anspruch zu verknüpfen, die künstlerische Freiheit zu verteidigen, sei „pure Heuchelei“.

„Aktivitäten“ sollen ruhen

Zu internen Diskussionen bei der BMG-Mutter Bertelsmann oder zu Reaktionen der Besitzerfamilie Mohn wollte sich ein Sprecher nicht äußern. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur hieß es dazu: „Bertelsmann behandelt das Thema auf allen Ebenen sehr ernsthaft.“ Und weiter: „Bertelsmann distanziert sich von jeder Form von Antisemitismus und Diskriminierung. Die Unternehmensgrundwerte sind eindeutig: Bertelsmann fördert die künstlerische und geistige Freiheit, den Schutz von Demokratien und Menschenrechten, den Respekt vor Traditionen und kulturellen Werten; deshalb spiegeln unsere Inhalte eine Vielfalt von Einstellungen und Meinungen wider.“

Farid Bang und Kollegah: Lässt die Plattenfirma sie jetzt doch fallen?

Kollegah (l) und Farid Bang bei der Echo-Verleihung. Foto: Jörg Carstensen

Doch BMG-Vorstandschef Hartwig Masuch äußerte sich nun aber gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ konkrteter: „Wir hatten den Vertrag über ein Album. Jetzt lassen wir die Aktivitäten ruhen, um die Haltung beider Parteien zu besprechen.“ Hintergrund: BMG und Banger Music haben das umstrittene Album mit dem Vertrieb Groove veröffentlicht.

„Damit wird nichts besser“

Die israelische Pianistin und fünffache Echo-Preisträgerin Yaara Tal will ihre Trophäen – im Gegensatz zu anderen Musikern – nicht zurückgeben. Sie finde dies wohlfeil und heuchlerisch, sagte sie der „Süddeutschen Zeitung“ von  heute. „Damit wird nichts besser, es trifft nicht die gesellschaftliche Problematik, mit der wir alle umgehen müssen.“

Der Skandal liege darin, dass die Gesellschaft „solche Texte überhaupt hinnimmt als Unterhaltungsmusik, dass Konzerte besucht und CDs verkauft werden“, sagte die 1955 als Tochter von Holocaust-Überlebenden geborene Pianistin. „Das Schlimmste ist, dass es junge Menschen sind, die solche Musik quasi widerstandslos schlucken.“ (dpa/KT)

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