Montag, 15. Januar 2018 22:27 Uhr

Fehlanzeige: Die Einschaltquoten bleiben noch länger verschwunden

Ohne Zahlen läuft ja im Fernsehen gar nichts. An den Quoten misst sich der Erfolg oder Misserfolg der Sendungen. Wenn die Übermittlung der Einschaltdaten aber nicht funktioniert, ist die Branche ratlos. Und zwar komplett.

Fehlanzeige: Die Einschaltquoten bleiben noch länger verschwunden

Egal ob man hinguckt: Die Quoten werden (normalerweise) trotzdem gemessen. Foto: Tracy King

Die Einschaltquoten sind bedauerlicherweise das Maß aller Dinge im deutschen Fernsehen. Sie entscheiden darüber, welche Sendung erfolgreich oder ein Reinfall war oder wie teuer die Werbespots zu welchen Uhrzeiten sind. Doch seit letzten Donnerstagabend ist der Abruf der Daten gestört. Wann genau und in welchem Umfang sie wieder geliefert werden können, darauf wollte sich Willibald Müller, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung (AGF) in Frankfurt, heute noch nicht festlegen.

Störung noch bis Donnerstag

Müller gab aber die Hoffnung zum Ausdruck, dass am Dienstag nicht nur die Quoten vom Vorabend vorliegen sollten – sondern auch die, die in den vergangenen Tagen seit Donnerstag aufgelaufen sind. Ob alle Informationen auch lückenlos noch ermittelt werden könnten, ist noch offen. „Wir gehen nicht von einem Datenverlust aus“, sagte Müller. „Wir werden aber gründlich prüfen und nicht vorschnell irgendwelche Informationen in den Markt geben.“

Doch die nächste Hiobsbotschaft kam am frühen Abend via Pressemitteilung: „Bis mindestens einschließlich Donnerstag dieser Woche wird die Arbeitsgemeinschaft Videoforschung (AGF) keine tagesaktuellen TV-Leistungsdaten ausweisen. Der Grund ist ein Übertragungsproblem zwischen dem verantwortlichen Marktforschungsinstitut GfK und den Messhaushalten, die mit TC score-Messgeräten ausgestattet sind.“ Man arbeite unter Hochdruck daran, die Verbindung zu den Messhaushalten wieder herzustellen.

Messgeräte in 5000 Haushalten

Die Daten zur Fernsehnutzung ermittelt die GfK-Fernsehforschung in Nürnberg. Sie hat ihre Messgeräte in rund 5000 deutschen Haushalten mit insgesamt rund 10 000 Personen stehen. Betroffen von den derzeitigen Problemen sind die sogenannten TC-Score-Messgeräte. Mit ihnen wird die Nutzung über die klassischen Empfangswege Kabel (analog und digital), Terrestrik, Satellit sowie analoge Videorecorder ermittelt, ebenso das zeitversetzte Sehen über digitale Aufzeichnungsgeräte wie Festplatten- und DVD-Recorder.

Seit Beginn der Probleme gab es interessante TV-Übertragungen mit möglicherweise hohen Einschaltquoten: zum Beispiel am Donnerstag den dritten Teil des ZDF-Mehrteilers „Tannbach – Schicksal eines Dorfs“, der in direkter Konkurrenz zum ARD-Krimi „Nord bei Nordwest – Sandy“ mit Hinnerk Schönemann lief. Am Freitag folgte im ZDF der Bundesliga-Rückrundenauftakt mit dem Spiel Bayer Leverkusen gegen Bayern München, am Samstag Florian Silbereisens „Schlagerchampions“ im Ersten und am Sonntag der Wiener „Tatort: Die Faust“.

Beschweren sich schon die ersten TV-Anbieter, dass sie keine Einschaltquoten geliefert bekommen, deren tägliche Ermittlung sie schließlich mitfinanzieren? Müller: „Wir stehen in ständigem Kontakt zu den Sendern.“ (dpa/KT)

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