Montag, 29. Oktober 2018 23:09 Uhr

Filmkritik „25km/h“: Roadmovie im Schneckentempo mit Lars Eidinger

Wo der Weg das Ziel ist: In „25 km/h“ knattern Lars Eidinger und Bjarne Mädel auf Mofas an die Ostsee. Los geht der Roadmovie am 1. November.

Filmkritik "25km/h": Roadmovie im Schneckentempo mit dem großen Lars Eidinger

Foto: Gordon Timpen/Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH/Sunny Side Up GmbH

Umwege erhöhen ja bekanntlich die Ortskenntnis und so verhält es sich eigentlich auch mit den Brüdern Georg (Bjarne Mädel, 50, „Tatortreiniger“, „Mord mit Aussicht“) und Christian (Lars Eidinger, 42, „Alle anderen“, „Richard III.“). Die beiden haben sich für sehr verschiedene Leben entschieden, die gemeinsame Kindheit scheint Äonen her zu sein. Der eine, Georg, Tischler, hat sich fürs Dableiben entschieden – für die Heimat, das Kuhdorf, die Enge und die Pflege des Vaters. Der andere ist ein Großmaul in einem gut geschneidertem Anzug.

Christian ist ein global Player geworden – er kriecht Leuten mit Geld in den Hintern. Heute in Sidney, morgen Hongkong – so was in der Art. Nach der Schule habt das Bruderpaar sich getrennt und offensichtlich auch nicht viel Wert auf die Pflege von Rivalität und Gemeinsamkeiten gelegt. Der Tod des Vaters bringt beide wieder zusammen.

Und an diesem kleinen Ort im Schwäbischen treffen sie sich wieder: einer hat die Welt gesehen, der andere kennt das Dorf. Wütend steht Georg da am offenen Grab und der Snob aus der Ferne kriegt erst mal eine gegongt.

Filmkritik "25km/h": Roadmovie im Schneckentempo mit dem großen Lars Eidinger

Foto: Gordon Timpen/Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH/Sunny Side Up GmbH

Roadmovie im Schneckentempo

Ein schöner Auftakt für den Roadmovie im Schneckentempo. Georg ist immer noch auf Krawall gebürstet, auch noch, als Christian im Haus herum schlendert. Die Kindheit steigt mit dem Geruch der Räume wieder hoch, die alte Tischtennisplatte wird kurzerhand entstaubt und ein Match begonnen. Und wenn man jemanden so lange kennt, wie es nur Geschwister von sich sagen können, bleibt auch nicht aus, dass die Brüder nicht verlernt haben, wie der andere tickt.

Filmkritik "25km/h": Roadmovie im Schneckentempo mit dem großen Lars Eidinger

Foto: Gordon Timpen/Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH/Sunny Side Up GmbH

Auf ihren alten Mofas düsen die Angetüterten durchs Dorf und schwupp ist eine Reise, die immer nur geplant, aber nie gemacht wurde, wieder auf dem Tablett. Nach einigem Hin und Her ist die Sache geritzt. Es geht an die Ostsee anhand einer To-do-Liste, die mit 15 Jahren geschrieben wurde.

Zwei Brüder auf großer Fahrt

Diese Liste wird nach und nach abgehakt. Und wer hätte es vermutet, die beiden Dickschädel entdecken sich, das Leben und den Sinn von dem ganzen Schlamassel.

Filmkritik "25km/h": Roadmovie im Schneckentempo mit dem großen Lars Eidinger

Foto: Gordon Timpen/Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH/Sunny Side Up GmbH

Mit von der Partie sind auf den Stationen zum Meer: ein Weinfest, ein Hippie-Treffen in der Pampa, schicke Landhotels, viel Regen, zwei humorlose Polizisten, Tischtennis mit hohem Einsatz und zwei Brüder, die sich abwechselnd streiten und sich gehörig auf den Keks gehen, aber tapfer und mit Bravour nicht ihre tolle Liste aus Kinderzeit aus den Augen verlieren und sich wieder zu schätzen lernen.

Filmkritik "25km/h": Roadmovie im Schneckentempo mit dem großen Lars Eidinger

Foto: Gordon Timpen/Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH/Sunny Side Up GmbH

Fazit: Na bitte, geht doch! „25 km/h“ ist ein sehr charmantes Roadmovie, wo Zeit kein Geld ist. Lars Eidinger und Bjarne Mädel haben alle Zeit der Welt und düsen mit max. 25 km/h durch Deutschland. Zu dem mega-tollen Duo Eidinger und Mädel gesellen sich zeitweilig u.a. Franka Potente, Jella Haase und – schön prollig – Wotan Wilke Möhring. (Kinotante Katrin)

 

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