Mittwoch, 21. Januar 2015 20:45 Uhr

Filmkritik „3 Türken und ein Baby“: Eko Fresh großartig in seiner ersten Rolle

Öfter mal den Blickwinken wechseln: ein Baby wirbelt in der neuen deutschen Komödie ‚3 Türken und ein Baby‘ den Männerhaushalt von Kostja Ullmann, Eko Fresh und Kida Ramadan kräftig durcheinander! Kinostart ist am Donnerstag, 22. Januar.

Filmkritik "3 Türken und ein Baby": Eko Fresh großartig in seiner ersten Rolle

Die drei Brüder Celal (Kostja Ullmann), Sami (Kida Ramadan) und Mesut (Ekrem Bora alias Eko Fresh) stehen eindeutig auf der Verliererseite des Lebens. Celal (Klasse wie immer Kostja Ullmann) ist ein oberflächlicher Frauenheld, der seine Traumfrau eigentlich schon hatte und ihr hinterher trauert (was er natürlich NIE zugeben würde). Der „Möchter-gern-Courture-Schneider“ Sami ist unglaublich aggressiv, haut auf alles und jeden unkontrolliert ein und das leider nicht nur verbal. Sami hätte so gern eine Freundin, nur versemmelt er jede Verabredung, weil er einfach nicht gelernt hat, seine Affekte in den Griff zu kriegen.

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Filmkritik "3 Türken und ein Baby": Eko Fresh großartig in seiner ersten Rolle

Das Knuffelchen der Brüder ist eindeutig Mesut (hervorragend: Eko Fresh). Er ist eher ein Genießer und harmoniestiftend, aber auch er sucht in der falschen Ecke nach dem Sinn des Lebens: mit Sombrero in der langweiligsten aller Shopping-Malls. Sein Traum ist es, Musiker zu sein, er glaubt ganz fest an den Durchbruch. Bis dahin erduldet Mesut alle – garantiert geschmacklosen – Songs, die eigentlich gesungene Herrenwitze klingen. Alle sind sie über 30, die Eltern sind längst verstorben und das einzige was sie scheinbar zusammenhält, ist das Erbe der Eltern: eine Schneiderei für Brautkleider.

Ein Eckladen, dekoriert und hergerichtet wie aus der Zeit gefallen, ein Laden, in dem der traditionelle Geschmack der türkischen Braut und Familie hochgehalten wird.

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Mesut (Eko Fresh) muss in Ermangelung einer wirklich brauchbaren Schneiderpuppe öfter mal hinein in den Alptraum-Entwürfe aus Kunsteide und Rüschen, damit Brüderchen Maß nehmen kann. Was gibt es groß zu sagen: das Brautkleider-Business geht miserabel bis gar nicht.

Die Brüder stehen kurz vor der Zwangsräumung, aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Celal wird bevollmächtigt, den Familienschmuck zu verhökern; das macht er auch aber, dann kommt ihm da erst so eine Idee, dann läuft ihm die Ex-Freundin Anna (Jytte-Merle Böhrnsen) über den Weg – und, hey, wer glaubt schon Zufälle – dann hat Celal plötzlich Annas Baby an der Backe… Baby Loo bringt die drei Brüder auf Trab und wirbelt deren Alltag komplett durcheinander.

Filmkritik "3 Türken und ein Baby": Eko Fresh großartig in seiner ersten Rolle

‚3 Türken und ein Baby‘ erzählt die witzige Geschichte dreier Brüder, die lernen, das Verantwortung und Spaß sich nicht ausschließen, dass es sich lohnt, zweimal hinzusehen und Entspannung die wichtigste Voraussetzung dafür ist, das Leben und die Liebe zu genießen.

Rapper Eko Fresh ist mit seinem Comedy-Talent im fremden Schauspielfach die größte Überraschung des Films – was auch etwas über die Probleme des Werks aussagt. Das Ende des Plots ist für einigermaßen aufmerksame Zuschauer jedenfalls früh erahnbar. Bis dahin werden mehrere Konfliktlinien angerissen, aber wenige konsequent weitergeführt. Ein bisschen wird das Verhältnis der eher atheistischen Celal und Sami zu ihrem religiösen Bruder Mesut beleuchtet. Ein bisschen Samis Probleme mit seiner Aggressivität. Ein bisschen das Thema Integration.

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Stimmungsvoll ist allerdings der Soundtrack zum Film, der die Basslautsprecher in den Kinosälen mit deutschem Hip-Hop ausreizt. Auch die Gaststars überzeugen. Vor allem Christoph Maria Herbst («Stromberg») macht seine Sache wie fast immer gut, ist aber leider nur in einer längeren Szene zu sehen.

Hier und da treten auch einige Stars aus den sozialen Medien auf, etwa die YouTuber Joyce Ilg und Simon Desue. Oder der Kult-Ex-Fußballer Hans Sarpei. Der braucht noch nicht mal eine Windel, um für ein paar Lacher zu sorgen. (Katrin Wessel, Jonas-Erik Schmidt/ dpa)

Fotos: Egoli Tossell Film, Wild Bunch Germany, Vero Bielinski

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