Montag, 11. Februar 2019 23:43 Uhr

Filmkritik „Alita: Battle Angel“: Christoph Waltz als Cyborg-Vater

Foto: Twentieth Century Fox

Als Manga begeistert „Alita“ Fans des japanischen Comic. Die knallharte Kämpferin gegen das Böse kommt nun als 3D-Version in die Kinos. Christoph Waltz steht an der Seite des großäugigen Cyborg-Mädchens.

Filmkritik "Alita: Battle Angel": Christoph Waltz als Cyborg-Vater

Foto: Twentieth Century Fox

Der Übergang von Romantik zu Rache kann schmerzhaft kurz sein. Oscar-Preisträger Christoph Waltz muss das in der Manga-Verfilmung „Alita: Battle Angel“ als Cyborg-Vater Dr. Dyson Ido weitgehend hilflos beobachten. Die von ihm als Tochter-Ersatz zusammengeschraubte Alita lässt sich von Ido nicht aufhalten in ihrem furchterregenden Rachezug gegen das Böse.

In der Comic-Adaption bedeutet das: zwei Stunden lang sehr viel Action, ebenso hemmungslose wie fantasievolle Gewaltexzesse, aber immer wieder auch mal ein Tränchen emotionaler Verzweiflung in den übergroßen Manga-Augen.

Auge in Auge mit Robotermädchen

Irgendwann im 26. Jahrhundert, 300 Jahre nach einem fürchterlichen Krieg, leben Menschen und Cyborgs in der heruntergekommenen Schrottstadt Iron City unter der Gewaltherrschaft eines diktatorischen Systems. Über den Straßen voller Dreck, Kriminalität und Misstrauen schwebt die raumschiffartige Konstruktion Zalem. Im Lauf des Films wollen fast alle irgendwie dahin, aber die paradiesisch beschriebene Himmelstadt wehrt sich mit brutalsten Mitteln gegen Eindringlinge – und lässt die Reste zerstörter Cyborgs einfach auf einen gigantischen Schrotthaufen unter sich herabfallen.

Filmkritik "Alita: Battle Angel": Christoph Waltz als Cyborg-Vater

Foto: Twentieth Century Fox

Dort ist es auch, wo Ido auf der Suche nach Ersatzteilen für seine künstlichen Konstruktionen fündig wird: Er entdeckt die Reste eines weiblichen Cyborgs aus menschlichem Hirn und Kunstherz mit endloser Energie.

In der Eingangssequenz zeigen sich die Konstellationen, die der Film entwickeln wird: Ido hält die Schrottreste von Alita in die Höhe, Auge in Auge mit Robotermädchen, im Gegenlicht eines Hoffnung heischenden Sonnenuntergangs, umrahmt von der kalten Brutalität eines Schrottplatzes, über allem schwebend das Unheil verkündende Zalem.

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Foto: Twentieth Century Fox

Alita – der Killer-Cyborg

Alita (Rosa Salazar) wird sich rasch vom sorgenden Ido lösen, um auf eigene Faust im Dunkeln ihrer Vergangenheit nach ihrer wahren Identität zu suchen. Dann blitzen auch Momente der Erinnerung auf, die ihr schließlich die Gewissheit bringen: Sie wurde geschaffen als Kampfmaschine und Kriegsroboter. Ein Killer-Cyborg. Ido ahnt, dass Alita sich nicht mehr aufhalten lässt. Gegen ersten Widerstand verpasst er ihrem Herz und Hirn einen als unbezwingbar geltenden Cyborg-Körper, doch Alita ist längst ihrer Kämpfernatur verfallen.

Filmkritik "Alita: Battle Angel": Christoph Waltz als Cyborg-Vater

Foto: Twentieth Century Fox

Der ebenso smarte wie undurchsichtige Hugo (Keean Johnson) führt Alita durch den verwirrenden Alltag von Iron City. Dort entdeckt sie nicht nur die Liebe zu Hugo, sondern auch ihren Hang zum schnellen Spiel.

Was zwischen jungen Gangs auf verdreckten Straßen noch wie Quidditch mit Harry Potter auf Rollerblades daherkommt, entpuppt sich einige Filmminuten später im gigantesken Stadion als Motorball – eine in puncto Gewalt, Brutalität und Schnelligkeit schwer zu überbietende Version von „Rollerball“ aus dem gleichnamigen US-Film von 1975.

Filmkritik "Alita: Battle Angel": Christoph Waltz als Cyborg-Vater

Foto: Twentieth Century Fox

Weder auf der Straße noch im Stadion muss sich Alita ihre Gegner lang suchen: Ihre Stärke lässt die Herrschenden aufhorchen, ihr Drang nach Gerechtigkeit und Freiheit macht sie zur Feindin des Systems. Schnell haben andere Kampfroboter nur noch einen Auftrag: Kill Alita!

Prozent ist James Cameron

James Cameron („Titanic“) hatte sich die Filmrechte für den seit den 90er Jahren als Cyberpunk berühmt gewordenen Stoff des japanischen Zeichners Yukito Kishiro bereits vor fast 20 Jahren gesichert. Das Drehbuch schrieb er aus verschiedenen Teilen der mehrbändigen Vorlage zusammen. Wegen Überlastung durch seine „Avatar“-Projekte gab er die Regie aber schließlich an Robert Rodriguez („Sin City 2“, „From Dusk Till Dawn“) ab.

Filmkritik "Alita: Battle Angel": Christoph Waltz als Cyborg-Vater

ProduzentJames Cameron und Regisseur Robert Rodriguez am Set. Foto: Rico Torres.

Cameron und Rodriguez lassen in ihrer 3D-Umsetzung kaum Zweifel aufkommen, dass „Alita: Battle Angel“ ein verfilmter Manga ist. Für die Cyborgs werden die Schauspieler durch aufwendige Technik zu Computer-generierten Figuren – und bekommen so die Glaubwürdigkeit einer Manga-Zeichnung. Auch romantische Szenen zwischen Alita und Hugo sind ebenso überzeichnet wie die muskelpaket-artigen Metallkörper der Kampfmaschinen.

Filmkritik "Alita: Battle Angel": Christoph Waltz als Cyborg-Vater

Christoph Waltz und Rosa Salazar. Foto: Sebastian Gabsch

Gemetzel und Zerstörung kann den meisten Agierenden in dieser Comic-Welt ohnehin kaum etwas anhaben. Im Zweifel lassen sich die Cyborgs ja wieder zusammenbasteln. Vielleicht werden sie im nächsten Band – oder auch Film – noch benötigt. In der Adaption von Cameron und Rodriguez gibt es dann auch kaum Figuren, deren Ende endgültig zu sein scheint.

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Foto: Twentieth Century Fox

So steuert alles auf einen finalen Kampf Alitas gegen das versammelte Böse zu. Doch Cameron und Rodriguez basteln einen gigantischen Cliffhanger: Umjubelt von den Massen richtet Alita im Motorball-Stadion ihr Schwert Richtung Himmelstadt. Von dort blickt Oberschurke Amok durch seine blaue Telepathie-Brille zurück. Kein Finale, ein offenes Manga-Ende. Eine Fortsetzung könnte folgen. (Gerd Roth, dpa)

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