Montag, 2. Dezember 2019 23:03 Uhr

Filmkritik „Auerhaus“ mit Damian Hardung: Düsteres Gefühlschaos

Warner Bros.

Was macht glücklich? Kann man Liebe teilen? Wo will ich hin? Vier Freunde auf der Schwelle zum Erwachsensein suchen den Sinn des Lebens. Die Romanverfilmung „Auerhaus“ zoomt in ein düsteres wie aufregendes Gefühlschaos.

Frieder (Max von der Groeben) ist schlau, witzig, aufgeweckt – und er hat gerade versucht, sich in der Scheune seines Vaters umzubringen. Damit wirbelt er das Leben von sich und drei Freunden in der schwäbischen Provinz gehörig durcheinander.

Filmkritik "Auerhaus" mit Damian Hardung: Düsteres Gefühlschaos

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Denn, um aus der geschlossenen Anstalt wieder herauszukommen, muss er „unter Aufsicht“ wohnen. „Ich mach‘ für dich Physik und du machst für mich den Aufpasser“, schlägt Frieder deshalb ganz pragmatisch seinem Kumpel Höppner (Damian Hardung) vor. In die neue Schüler-WG in einem alten, düsteren Haus im Dorf ziehen zudem Höppners freiheitsliebende Freundin Vera (Luna Wedler) und die aus gutem Hause stammende Streberin Cäcilia (Devrim Lingnau) mit ein. Und so prallen im „Auerhaus“ Lebens- und Gedankenwelten von Jugendlichen auf der Schwelle zum Erwachsenein aufeinander.

„Die reinste Zeitbombe“

Die vier Freunde stürzen sich damit in ein emotionales Abenteuer, auf das keiner wirklich vorbereitet war. Wie sollen sie mit dem Selbstmordversuch von Frieder umgehen? Wird er es wieder tun? Sind sie dann Schuld, weil sie es nicht verhindern konnten? Frieder bringt sie zudem mit seinen waghalsigen Aktionen, vorgetäuschtem Selbstmord und morbidem Humor noch zusätzlich an ihre Grenzen. „Frieder ist die reinste Zeitbombe“, schreit Höppner an einer Stelle des Films.

Vera dagegen verunsichert ihren Freund Höppner mit ihrer Sehnsucht nach Liebe und Sex, die sie nicht nur mit ihm auslebt. Cäcilia sucht nach Ordnung und Liebe in ihrem Leben – kann beides aber in der WG nicht wirklich finden. Jeder der vier Hauptdarsteller versinkt im „Auerhaus“ in seinem eigenen emotionalen Sumpf. Am Ende aber haben alle vier ein Ziel: Ihr Leben soll nicht langweilig werden.

Bestseller-Verfilmung

„Auerhaus“ basiert auf dem Erfolgsroman von Bov Bjerg, der der Produktionsfirma Pantaleon Films zufolge mehr als 250.000 Mal verkauft und bereits an 40 deutschen Theatern inszeniert wurde. Auch der Film geht nun nah an den Alltag der jungen Leute heran – ohne deren Gedanken oder Aktionen zu werten. Mal schwermütig, mal ängstlich, mal lebenslustig, mal zukunftsfroh, mal unbeschwert, mal herausfordernd: „Auerhaus“ dreht sich um die Freiheit der Jugend, die Leichtigkeit der Schulzeit, die Schwere des Erwachsenwerdens sowie Depressionen und den Umgang damit.

Filmkritik "Auerhaus" mit Damian Hardung: Düsteres Gefühlschaos

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Regisseurin Neele Leana Vollmer lässt dabei viele Gedanken der Protagonisten unausgesprochen wirken. Graue, verregnete Tage im grauen dunklen „Auerhaus“ tun ihr Übriges, um die Gemütsschwere bis in den Kinosessel hinein spüren zu können. Gleichzeitig lässt die Geschichte Lichtblicke zu und bringt einen zum Lachen.

Die Figuren sind mit den jungen Schauspielern wunderbar besetzt und auch in den Nebenrollen überzeugen Milan Peschel als Höppners ungeliebter Stiefvater, Anja Schneider als Höppners verständnisvolle Mutter und Hans Löw als Dorfpolizist. Am Ende des Films bleibt beim Publikum eine interessante Gefühlsmischung – zwischen Weinen, Lachen und Bewegtsein. (Christiane Bosch, dpa)

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