Mittwoch, 14. August 2019 23:48 Uhr

Filmkritik „Axel der Held“: Sowas hat man lange nicht im Kino gesehen!

Foto: W-film/ Ostlicht

Ein tiefromantisches Märchen, eine Wildwest-Geschichte aus deutschen Landen, ein so absurder wie bewegender Film über die Kraft von Tagträumen. Mittendrin: ein Antiheld, wie man ihn lang nicht sah im hiesigen Kino.

Von Matthias von Viereck, dpa

Emilia Schüle (als Jenny) und Johannes Kienast (als Axel). Foto: W-film/ Ostlicht

Wie viel an Demütigung ein Menschenherz ertragen kann, davon erzählen vor allem US-Filme mit ihren unzähligen gemarterten Hauptfiguren immer wieder gern.

Selten aber hat zuletzt jemand im Kino derart viele Fußtritte abbekommen wie Axel. Bei dem handelt es sich um den Antihelden einer deutschen Produktion: In „Axel der Held“ berichtet Hendrik Hölzemann von einem vermeintlichen Taugenichts und Hasenfuß aus der hiesigen Provinz.

Vor 15 Jahren bereits hatte Hölzemann, den man vor allem als Drehbuchautor kennt („Nichts bereuen“), ein sehr viel versprechendes Debüt als Regisseur vorgelegt: „Kammerflimmern“, mit dem damals noch wenig bekannten Matthias Schweighöfer in einer Hauptrolle. Auf Hölzemanns Zweitling hat man lang warten müssen. „Axel der Held“ wartet dafür nun mit einer fürs deutschsprachige Kino ungewöhnlichen Genremischung und einigen bekannten Schauspielnamen wie Bibiana Beglau, Emilia Schüle und Katharina Wackernagel auf.

Von Matthias von Viereck, dpa

Foto: W-film/ Ostlicht

Darum geht’s

So klein und kümmerlich wie das Dorf, das Axel (ganz toll: Johannes Kienast) sein Zuhause nennt, so klein sind auch Axels Chancen im Leben. Steht er doch ausgerechnet beim selbst ernannten Dorfkönig „Manne“ in der Kreide. Es geht um einen hohen vierstelligen Betrag, den Axel mit alltäglichen Mistjobs (Rasenmähen, Klo reparieren) abzutragen sucht. Auch von Tante Vera, bei der Axel wohnen darf, muss sich dieser die eine oder andere Demütigung gefallen lassen: „Willst du denn für immer Mannes Hanswurst sein?“.

Von Matthias von Viereck, dpa

Foto: W-film/ Ostlicht

Dass dem nicht so ist, dass ausgerechnet im schmächtigen Rotschopf Axel ein veritables Kriegerherz schlummert, darauf deuten die, auf immer wieder sehr hübsche Art und Weise zwischen geschnittenen Tagträumereien des jungen Mannes hin.

Als Axel schließlich im langhaarigen Karl May-Fan Heiner einen Mitkämpfer entdeckt, da nimmt sein Leben tatsächlich eine, zunächst gänzlich unerwartete Wendung. Und auch ein bisschen Herzwärme wartet noch auf unseren Antihelden; die Romanze jedenfalls mit der hübschen Jenny (ebenfalls toll: Emilia Schüle), die hat sich Axel mehr als verdient.

Von Matthias von Viereck, dpa

Foto: W-film/ Ostlicht

Zunächst zwar fremdelt man als Zuseher ein wenig wegen der recht speziellen Mischung aus romantischem Märchen, deutschem Western, schwarz-absurder Komödie und der Erzählung einer Selbstbefreiung.

Man muss sich drauf einlassen können

Hat man sich aber einmal auf die Tonalität und die Besonderheiten des 90-Minüters eingelassen, dann meint man tatsächlich, hie und da einen staubigen Wild-West-Wind vernehmen zu können. In dem Maße wie die Hauptfigur sukzessive zu sich selbst findet, mehr und mehr Mut schöpft kommt auch der Film immer mehr zu sich – um uns en passant auch noch eine der ergreifendsten Kussszenen der jüngeren deutschen Filmhistorie zu zeigen.

Auch die durchaus abwechslungsreiche musikalische Flankierung stimmt; mal muss man an Yann Tiersen („Die fabelhafte Welt der Amelie“) denken, mal tatsächlich an legendäre Western-Epen US-amerikanischer Provenienz. Und im Abspann schließlich, da wird mit der Songzeile „Etwas besseres als den Tod finden wir auf jeden Fall“ an ein anderes großes deutsches Märchen erinnert: das der Bremer Stadtmusikanten. (Matthias von Viereck, dpa)

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