Montag, 7. Oktober 2019 23:35 Uhr

Filmkritik „Dem Horizont so nah“: HIV-Drama zwischen Liebe und Tod

Studiocanal GmbH / Bernd Spauke

Basierend auf Jessica Kochs gleichnamigem Bestseller erzählt die tragische Romanze „Dem Horizont so nah“ von einer Liebe, die zum Scheitern verurteilt ist. Das ist großes Herz-Schmerz-Kino!

Das Schicksal, von dem die Romanautorin Jessica Koch in „Dem Horizont so nah“ erzählt, klingt eigentlich viel zu traurig, um wahr zu sein. Doch die Geschichte basiert auf realen Erlebnissen: Sie erzählt von Jessica, einem jungen Mädchen, das sich unsterblich in einen jungen Mann verliebt, der schon bald nicht mehr leben wird. Er ist mit dem HI-Virus infiziert. Nun hat Regisseur Tim Trachte den ersten Band der Trilogie als mitreißendes, auf die Zielgruppe der 13- bis 16-jährigen Mädchen zugeschnitten. Da ist Taschentuchalarm vorprogrammiert!

Filmkritik "Dem Horizont so nah": Drama zwischen Liebe und Tod

Studiocanal GmbH / Bernd Spauke

Die Liebe ihres Lebens

Als Jessica (Luna Wedler) das Männermodel Danny (Jannik Schümann) zum ersten Mal sieht, ahnt sie noch nicht, dass dieser um keinen coolen Spruch verlegene Macho einmal die Liebe ihres Lebens sein wird. Als würde das Schicksal die beiden zusammenführen wollen, treffen sie sich schon kurze Zeit später unter wenig romantischen Umständen wieder und verabreden sich prompt.

Als Danny Jessica ein paar Tage später mit der Limousine abholt und die junge Frau in ein Luxus-Restaurant einlädt, realisiert sie, dass Danny und sie eigentlich in zwei völlig verschiedenen Welten leben. Doch die beiden verlieben sich ineinander, obwohl Danny Jessica schnell zu verstehen gibt, dass die beiden nicht lange glücklich sein werden. Der Grund: Danny ist schwer krank. Für Jessica ist diese Nachricht ein Schock, aber kein Grund, sich nicht weiterhin mit ihm zu treffen.

Kitschfreie Adaption

Das Liebesdrama beginnt äußerst vielversprechend: Das Drehbuch von Ariane Schröder („Hin und weg“) nimmt sich viel Zeit für den Prozess des Verliebens. Außerdem gehen Jungschauspielerin Luna Wedler („Das schönste Mädchen der Welt“) und Jannik Schümann („Charité“) hervorragend in ihren Rollen auf, so dass man der aufkeimenden Liebe zwischen Jessica und Danny nur zu gern zuschaut.

Darüber hinaus bemüht sich das Drehbuch um Authentizität und Realismus, weswegen „Dem Horizont so nah“ nicht wie befürchtet in reinen Kitsch versinkt, sondern neben der Liebesgeschichte auch die bittere Note des Krankheitsdramas zur Geltung kommt. So weit, so schön.

Filmkritik "Dem Horizont so nah": Drama zwischen Liebe und Tod

Studiocanal GmbH / Bernd Spauke

Wedler und Schümann sind großartig

Dennoch vermittelt einem die Inszenierung von Tim Trachte („Benjamin Blümchen“) das Gefühl, dass hier viel zu viel Stoff in viel zu wenig Leinwandzeit gepresst werden musste – selbst wenn man nicht weiß, dass „Dem Horizont so nah“ auf einer Romanvorlage basiert. So hervorragend komponiert die Bilder sind und so treffsicher der Soundtrack gewählt ist, so hektisch steuert die Geschichte auf ihr Finale zu. Auf der Leinwand ereignen sich plötzlich derart viele Dinge auf einmal, dass sich der Film auf der Zielgeraden wesentlich konstruierter anfühlt als noch zu Beginn.

Immerhin gibt es Schauspieler, die das etwas abfedern können. Neben Wedler und Schümann ist der Film nämlich bis in kleinste Nebenrollen bestens besetzt: unter anderem mit Luise Befort, Frederick Lau und Denis Moschitto. Eine Fortsetzung scheint ebenfalls gut möglich – immerhin hat Autorin Jessica Koch die Erlebnisse ihrer ersten großen Liebe in einer Roman-Trilogie verarbeitet. (Antje Wessels, dpa)

Das könnte Euch auch interessieren

OK

Hinweis: Durch Nutzung von klatsch-tratsch.de stimmen Sie der Verwendung von Cookies für Analysezwecke, personalisierte Inhalte und Werbung zu. Mehr erfahren