Dienstag, 24. April 2018 17:07 Uhr

Filmkritik „Draußen in meinem Kopf“ mit Samuel Koch

Samuel Koch spielt einen gelähmten Heimbewohner, der von einem neuen Pfleger betreut wird. Zwischen den beiden gegensätzlichen Männern entsteht ein Vertrauen, das zunächst undenkbar schien. Der Kinofilm von Eibe Maleen Krebs geht auf eine wahre Begebenheit zurück.

Filmkritik "Draußen in meinem Kopf" mit Samuel Koch

Foto: Edition Salzgeber

Seit seinem Unfall vor laufenden Kameras in der ZDF-Show „Wetten dass,..?“ 2010 ist sein Name bundesweit ein Begriff. Doch Samuel Koch ist außerdem vor allem eines: Schauspieler. Der 30-Jährige gehört zum Ensemble des Staatstheaters Darmstadt und hatte kurze Auftritte im Anti-Kriegsfilm „4 Tage im Mai“ und in Til Schweigers Tragikomödie „Honig im Kopf“.

Jetzt ist er das erste Mal in einer Kino-Hauptrolle zu sehen: In „Draußen in meinem Kopf“ spielt er einen Gelähmten, der mit einem neuen Betreuer zusammentrifft.

Männer voller Gegensätze

Die beiden Männer könnten wohl kaum gegensätzlicher sein. Der Eine, Christoph (Nils Hohenhövel): nett, sympathisch, hilfsbereit, bemüht und freundlich. Der Andere, Sven (Samuel Koch): zynisch, schroff, abweisend, provozierend. Sie begegnen sich in einem Zimmer, das Svens komplette Lebenswelt darstellt. Denn der 28-jährige Heimbewohner leidet an Muskelschwund und kann Arme und Beine nicht mehr bewegen. Christoph, der junge FSJ-Pfleger, ist da, um ihn zu betreuen.

Das erste Treffen ist alles andere als so, wie Christoph, der doch einfach nur etwas Gutes tun möchte, sich das wohl vorgestellt hat. Denn eigentlich braucht Sven gar keine Hilfe. Sagt er zumindest. Und krank ist er auch nicht. Er hat eine Krankheit. Das ist ein Unterschied. Doch die Wahrheit ist: Selbst, um die Bach-Lieder hören zu können, die er so liebt, weil sie so „herrlich sphärisch“ und „düster morbide“ sind, braucht er Hilfe.

Filmkritik "Draußen in meinem Kopf" mit Samuel Koch

Foto: Edition Salzgeber

Immer wieder Rückschritte

Doch was am ersten Tag der Begegnung undenkbar scheint, entfaltet sich. Die beiden jungen Männer entwickeln Verständnis füreinander. Gleichwohl ist es eine Beziehung, die nicht leichtfüßig Richtung Freundschaft führt, sondern immer wieder durch Rückschritte geprägt ist. Denn Sven kann manchmal nicht heraus aus seiner Haut. Dann muss er verletzen und den jungen Mann an seinem Bett bloßstellen oder ihm Unrecht tun. Vielleicht, weil die Macht der Worte die einzige Macht ist, die ihm noch geblieben ist. Aber auch Christoph entwickelt sich weiter. Er lernt, Grenzen zu ziehen. Und vor allem: sich auf diesen Mikrokosmos einzulassen, in der eine andere Sprache gesprochen und Freude am Leben anders definiert wird.

Filmkritik "Draußen in meinem Kopf" mit Samuel Koch

Foto: Edition Salzgeber

Der Vergleich zum Bestseller „Ziemlich beste Freunde“, in dem ein Pflegehelfer mit seiner unkonventionellen Art einem reichen, isoliert lebenden Rollstuhlfahrer neuen Lebensmut gibt, scheint sich aufzudrängen. Gleichwohl hat die französische Filmkomödie mit diesem sensiblen und oft beklemmenden Kammerspiel wenig zu tun, auch wenn beide auf wahren Begebenheiten beruhen. „Draußen in meinem Kopf“ ist ruhiger, etwa wenn zwischen den beiden Männern das Vertrauen irgendwann so groß ist, dass Sven seinem Betreuer seinen innigsten Wunsch offenbart. Mehr Nähe geht nicht.

Filmkritik "Draußen in meinem Kopf" mit Samuel Koch

Foto: Edition Salzgeber

Großartige Darsteller

Doch die Handlung berührt nicht nur. Auch die intime Bildgestaltung der mehrfach ausgezeichneten Kamerafrau Judith Kaufmann („Scherbentanz“), die sensible Regie von Eibe Maleen Krebs und das großartige Schauspiel von Samuel Koch und Nils Hohenhövel machen den Film zu einem Erlebnis. Unvorstellbar, dass es für die Männer ihre Premiere als Hauptdarsteller in einem Kinofilm ist!

Beim Filmfestival Max Ophüls Preis in Saarbrücken erhielt „Draußen in meinem Kopf“ Ende Januar den Preis der deutsch-französischen Jugendjury. „Ein Film der uns nicht nur berührt, sondern auch anhaltend beschäftigt“, begründeten die Juroren und dankten dem gesamten Team abschließend „für einen Film, der uns in vielerlei Hinsicht bewegt“. (Katja Sponholz, dpa)

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