Donnerstag, 21. Dezember 2017 21:46 Uhr

Filmkritik „Drei Zinnen“: Hütten-Drama mit Alexander Fehling

Vater, Mutter, Kinder. Diese Konstellation ist nicht mehr unbedingt die Regel. Patchworkfamilien werden häufiger. Der Film „Drei Zinnen“ nähert sich dem Thema auf sensible Art – und zeigt die teils unausgesprochenen Konflikte.

Filmkritik "Drei Zinnen": Hütten-Drama mit Alexander Fehling

Foto: Rohfilm Productions

Der Film beginnt wie er endet: im Wasser. Die ersten und letzten Szenen in „Drei Zinnen“ könnten aber kaum gegensätzlicher sein. Am Anfang scheint die Welt von Aaron (Alexander Fehling) noch in Ordnung. Der junge Mann will dem achtjährigen Tristan in einem Berliner Freibad das Schwimmen beibringen. Begleitet wird er von dessen Mutter, der Französin Lea (Bérénice Bejo). Eine glückliche Familie. Am Ende wird das anders aussehen. Denn der Schein trügt.

Aaron ist nicht Tristans Vater. Den hatte Lea vor zwei Jahren für Aaron verlassen. Keine leichte Situation für die junge Familie, erst recht nicht für Tristan, der sich zwischen zwei Vaterfiguren hin- und hergerissen fühlt. Ein Urlaub in einer Hütte in den Dolomiten soll die Drei näher zusammenbringen.

Hier geht’s um eine Patchworkfamilie

Mit „Drei Zinnen“ widmet sich Regisseur Jan Zabeil, der auch das Drehbuch geschrieben hat, dem Thema Patchworkfamilie – und zoomt ganz dicht dran an die Probleme, die unter der Oberfläche liegen. Da der Film nur aus den drei Hauptdarstellern besteht, wird das Familienporträt umso eindrücklicher. Die Zuschauer kommen den Figuren gefühlt unglaublich nah. Dieser Effekt wird noch verstärkt durch die Enge der kleinen Hütte, in der die Familie Urlaub macht.

„Ich bin thematisch nicht ganz unbelastet, weil ich von Kindesbeinen an in einer verwandten Konstellation aufgewachsen bin“, erzählte Zabeil im Interview des Verleihs. „Wobei ich dann doch einen völlig anderen Film gemacht habe, der mit meiner Geschichte nicht viel zu tun hat, aber ich kenne sehr gut die Strukturen, kenne die Dynamik, kenne die emotionalen Untiefen, besonders aus der Perspektive des Kindes.“

Filmkritik "Drei Zinnen": Hütten-Drama mit Alexander Fehling

Foto: Rohfilm Productions

Kleine Gesten, stille Momente

Das Besondere: Der Film besteht zu einem großen Teil aus Unausgesprochenem. Der Konflikt wird vor allem durch Gesten und durch die stillen Momente greifbar. Diese Stille durchbricht jedoch immer wieder das Klingeln eines Handys. Es ist Tristans Vater, der anruft und wissen will, wie es dem Jungen geht. Die gefühlte ständige Präsenz des leiblichen Vaters wird durch das Klingeln überdeutlich.

Dass in dieser Konstellation einer zu viel ist, wird auch durch den Schauplatz selbst symbolisiert: die Drei Zinnen. Als Aaron mit Tristan zu dem Berg wandert, interpretiert der Junge ihn als drei einzelne Gipfel: Mama, Papa, Kind. Doch wer ist der Papa? Aaron, den Tristan in seiner Verwirrung kurzzeitig „Papa“ nennt? Oder doch der Mann, immer wieder anruft und nach dem Tristan immer wieder fragt?

Filmkritik "Drei Zinnen": Hütten-Drama mit Alexander Fehling

Foto: Rohfilm Productions

Nach der scheinbaren Annäherung von Aaron und Tristan kommt die Wende. Das wird etwa bei Gartenarbeiten deutlich, als der Junge die Säge stillschweigend auf Aarons Arm legt – statt auf den Baumstamm daneben. Um das Verhältnis zu kitten, bricht Aaron noch einmal mit Tristan zu den Drei Zinnen auf. Doch das Wetter schlägt um, Nebel zieht auf, es wird eisig. Die beiden werden voneinander getrennt, nachdem sich Tristan vor Aaron versteckt hat.

Am Ende kämpfen beide in einem Eissee ums Überleben. (Antonia Lange, dpa)

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Foto: Rohfilm Productions

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