Donnerstag, 28. März 2019 22:36 Uhr

Filmkritik „Ein Gauner und Gentleman“: Robert Redford als altes Schlitzohr

Foto: Eric Zachanowich DCM

Ist das zu fassen! Robert Redford zählt schlanke 82 Lenze und raubt auf charmante Art Banken aus. Mit von der kriminellen Partie sind Danny Glover und der große Musiker Tom Waits. Der Bulle, der ihnen auf die Schliche kommt wird von Chasey Affleck gespielt. „Ein Gauner und Gentleman“ setzt auf große Namen und nicht so sehr auf die Story.

Filmkritik "Ein Gauner und Gentleman": Robert Redford als altes Schlitzohr

Foto: Eric Zachanowich DCM

Forrest Tucker (Robert Redford, 82, „Der Große Gatsby“, „Die Unbestechlichen“, „All Is Lost“) ist ein steinalter Mann, der sein ganzes Leben lang Banken ausgeraubt hat. Und auch jetzt im Alter oder gerade deshalb, ist er hochmotiviert, sein Business aufrecht zu erhalten. Forrest ist Mitglied einer Bankräubergang und seine Kollegen sind ebenfalls etwas steif in der Hüfte aber nicht von gestern.

Da wären Teddy (Danny Glover, 72, „Lethal Weapon“, „Die Stadt der Blinden“) und Waller (Tom Waits, 69, „Short Cuts“, „Bram Stokers Dracula“) und die drei kennen sich in- und auswändig.

Die Altherren-Gang ist auf Zack

Das Trio Infernale raubt Banken auf die altmodische Art aus. Sie beobachten die Bank, merken sich die Abläufe, die Geldtransporte und dann spaziert Mr. Tucker in die Bank, erkundigt sich nach einer Geldanlage oder ähnlichem, lupft kurz die Seite seines Jacketts, wo die Wumme sichtbar wird und schon wird sein Köfferchen voller Geld gestopft. Nicht mehr, aber auch nicht nur die kleinen Scheine landen in seiner Altherren-Aktentasche.

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Foto: Eric Zachanowich DCM

Nach einer wahren Geschichte

Forrest Tucker war eine reale Person (1920-2004); ein Krimineller, der Banken überfiel, dafür in den Bau ging und immer wieder ausgebüxt ist. Er war sicher nicht halb so charmant, wie Robert Redford ihn spielt. Die alten Männer wollen es wieder und wieder wissen und hinterlassen mit den Überfallorten eine breite Schneise von Stecknadelköpfen auf der USA-Karte im Polizeipräsidium, wo John Hurt (Casey Affleck, 43, „Manchester by the Sea“) arbeitet.

Foto: Eric Zachanowich DCM

Der Polizist John Hurt tickt ähnlich wie der Bankräuber Forrest Tucker. Beide lieben das Spiel an sich. Dem Bankräuber auf die Spur kommen und zu wissen, dass man richtig liegt, ist dem Polizisten wichtiger, als die Festnahme. Ähnlich geht es Forrest Tucker: das eigentlich Brutale eines Banküberfalls so charmant hinzukriegen, dass die Bedrohten den Räuber später als sehr zuvorkommend, höflich und als Gentleman beschreiben. Ein netter Kunde – eigentlich.

Wenn der Schlips bekleckert ist

John Hurt speist mit seiner Frau Maureen (Tika Sumpter, 38, „Nobodys Fool“) in einem Diner zu Abend. Ein paar Tische weiter hockt zufällig Forrest Tucker mit seiner neuen Eroberung, der Farmerin Jewel (Sissy Spacek, 69, „Vermisst“).

Filmkritik "Ein Gauner und Gentleman": Robert Redford als altes Schlitzohr

Foto: Eric Zachanowich DCM

Als John Hurt den Tisch in Richtung Waschraum verlässt, weil er sich den Schlips bekleckert hat, schlendert Tucker ihm hinterher. Der Dieb spricht den Cop an und beide beginnen zu plaudern: ganz nonchalant und beiläufig und erst ganz am Ende hört man, welchen Zweck das Ganze hat. Man könnte sagen, dass sich zwei Brüder im Geiste da im Flur am Waschbecken, scheinbar beiläufig die Meinung sagen. Ein kleines Kabinettstück, das allein schon reicht, um sich Robert Redfords letzten Film anzusehen.

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Leben in Freiheit ist auch nicht das Wahre

Forrest Tucker wird verhaftet und verurteilt, aber kann nicht aus seiner Haut. Einmal drinnen im Gefängnis ist auch schon der Plan für den Ausbruch gemacht. Der Rhythmus seines Lebens heißt Banken überfallen und Gefängnis in Endlosschleife, solange das Leben eben dauert. Tucker kann nicht raus aus seiner Haut. Aber wenn schon kriminell, dann mit Esprit und Charme – genau die richtige Redford-Rolle für den Abgang eines Giganten der Traumfabrik.

Fazit:“Ein Gauner und Gentleman“ ist die wahrscheinlich letzte Rolle, die Redford angenommen hat. Der Film bietet aber nicht nur dem großen Robert Redford viel Raum für das Spiel als liebenswerter Bankräuber. Casey Affleck als Polizist und Redfords Gegenspieler zuzusehen macht ebenso Spaß und jenseits von Allem und ein Super-Besetzungs-Coup ist natürlich Tom Waits. „Ein Gauner und Gentleman“ ist Schauspieler-Kino pur. Ein Muss für Robert-Redford-Fans. (Kinotante Katrin)

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