Montag, 28. Mai 2018 22:47 Uhr

Filmkritik „Feinde – Hostiles“: Christian Bale als Westernheld

„Batman“-Star Christian Bale als Westernheld? Als Zuschauer schwankt man bei der Frage, wie viel Sympathie man der Hauptfigur entgegenbringen darf. „Feinde – Hostiles“ spielt im Jahr 1892, die Geschichte könnte sich so ähnlich aber auch heutzutage ereignen.

Filmkritik "Feinde - Hostiles": Christian Bale als Westernheld

Foto: Universum Film

Gut gegen Böse: Allzu oft bedient sich Hollywood dieses Musters, auch und gerade bei Cowboy-und-Indianer-Filmen. Der bildgewaltige Western „Feinde – Hostiles“ mit Christian Bale (44) in der Hauptrolle bricht jedoch mit diesem Schema und bietet gleich am Anfang eine Überraschung. Die Siedler-Idylle von Rosalie Quaid (Rosamund Pike) und ihrer Familie wird jäh beendet, als Indianer vom Stamm der Komantschen ihren Mann und ihre drei Kinder – davon eines noch ein Baby – auf barbarische Weise töten. Die Rothaut als vermeintliche Bestie, der edle Weiße als Opfer – klassisches Muster also. Schnitt.

Western-Epos der anderen Art

Dann hört man wehklagende Frauenschreie – und hat dabei noch Rosalie Quaid vor Augen, die sich mit dem blutroten Bündel ihres toten Babys in den Armen vor den Indianern retten konnte. Aber die Kinogänger sehen auf der Leinwand nicht die trauernde Mrs. Quaid, sondern Indianer-Frauen, die um einen Angehörigen bangen, der von weißen Soldaten brutalst misshandelt wird. Damit macht Regisseur Scott Cooper („Crazy Heart“, „Auge um Auge“, „Black Mass“) schon zu Beginn von „Feinde – Hostiles“ klar, dass sein Western-Epos keine Vereinfachungen zulässt, die nur gut oder schlecht kennen.

New Mexico im Jahr 1892: Widerwillig nimmt U.S.-Army-Captain Joseph Blocker (Christian Bale) den Auftrag an, den seit Jahren in Fort Berringer im Gefängnis sitzenden Häuptling Yellow Hawk (Wes Studi) vom Volk der Cheyenne zum Sterben in dessen Stammesland nach Montana zurückzubringen. Die beiden begegnen sich mit höchstem Misstrauen. Blocker ist nach langem blutigen Krieg zwischen Weißen und Indianern voller Hass; Yellow Hawk hat viele von Blockers Army-Kameraden getötet.

Die beiden begeben sich gemeinsam mit einigen Soldaten und der Familie von Yellow Hawk auf den Ritt durch unwegsames Gelände. Bald treffen sie auf die völlig verstörte Rosalie Quaid, die schockiert reagiert, als sie die Cheyenne-Indianer in der Gruppe erblickt. Doch nach und nach erfahren alle in der ungleichen Truppe, dass sie in feindseliger Umgebung nur gemeinsam durchkommen können. Die Cheyenne verbünden sich mit den Weißen im Kampf gegen die Komantschen.

Filmkritik "Feinde - Hostiles": Christian Bale als Westernheld

Foto: Universum Film

Keine typischen Täter- Opfer-Rollen

Als Zuschauer muss man immer wieder gedanklich umsortieren und wird womöglich auch mit eigenen Vorurteilen konfrontiert. Joseph Blocker präsentiert sich nicht gerade als lupenreiner Sympathieträger – man ahnt, dass er für viele Gräueltaten gegenüber den amerikanischen Ureinwohnern verantwortlich ist. Im Umgang mit der traumatisierten Rosalie Quaid zeigt er dann erstaunlich viel Empathie. Und später, als der gefangene Soldat Charles Wills (Ben Foster) dazustößt, den Blocker bis in die nächste Stadt mitnehmen soll, wird deutlich, dass beide eine düstere Vergangenheit verbindet. Wills erwartet wegen Kriegsverbrechen der Strang. Hätte Blocker nicht Ähnliches verdient?

Bei „Feinde – Hostiles“ zeigen sich weder die Indianer noch die Weißen nur als Täter oder nur als Opfer. Beide Seiten sind gezeichnet vom Krieg und herben Verlusten. Auf Fragen von Moral und Gerechtigkeit gibt es hier keine eindeutigen Antworten – wie wohl so oft beim Thema Krieg.

Filmkritik "Feinde - Hostiles": Christian Bale als Westernheld

Foto: Universum Film

„Es könnte zu jeder Zeit in der amerikanischen Geschichte passiert sein“, sagt Hauptdarsteller Christian Bale, dem mit der „Batman“-Trilogie der Durchbruch gelang, über die Handlung des Films. „Für mich war Fort Berringer wie Abu Ghraib“, meint der Oscar-Preisträger („The Fighter“) mit Blick auf den US-Folterskandal in einem Gefängnis bei Bagdad. Die Fotos von den Misshandlungen einiger Insassen durch US-Soldaten waren vor Jahren um die Welt gegangen.

Brutal, aber auch ergreifend

„Feinde – Hostiles“ ist ein ambitionierter, sehenswerter Film, was nicht bedeutet, dass er für die Zuschauer das reinste Vergnügen wäre – da helfen auch die wunderschönen Landschaftsaufnahmen nichts. Zum einen spart Regisseur Cooper nicht an expliziten Gewaltszenen. Zum anderen kann einem auch in den leisen Momenten ein Kloß im Hals sitzen – etwa wenn Rosalie Quaid in ihrer Verzweiflung mit bloßen Händen die Gräber für ihren Mann und ihre Kinder ausheben und sich von den Soldaten dabei nicht helfen lassen will.

Filmkritik "Feinde - Hostiles": Christian Bale als Westernheld

Foto: Universum Film

In dieser Szene ringen nicht nur die Soldaten sichtlich um Fassung, es ist auch für die Kinogänger ein Moment von quälender Intensität. So gesehen ist es gar nicht schlimm, wenn es ganz am Schluss, nach einem blutigen Showdown, doch noch ein klein bisschen kitschig wird. (Michael Kieffer, dpa)

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