Donnerstag, 16. November 2017 19:58 Uhr

Filmkritik „Fikkefuchs“: Köstliche Sexsatire zwischen Witz und Tragik

Ein nicht mehr taufrischer Vater will seinem verhaltensauffälligen Sohn beibringen, Frauen aufzureißen – und schafft es einfach nicht. „Fikkefuchs“ ist eine großartige Tragikomödie, die zeigt: Was man in einem Moment witzig findet, kann einem im nächsten schon im Hals stecken bleiben.

Filmkritik "Fikkefuchs": Sexsatire zwischen Witz und Tragik

Foto: Alamode

Humor gilt nicht unbedingt als eine der Kernkompetenzen der Deutschen. Gibt es mal wieder eine Ausnahme, die uns das Gegenteil beweist, ist das ein Glück. „Fikkefuchs“, der neue Film von Jan Henrik Stahlberg („Muxmäuschenstill“), ist so ein Fall.

Stahlberg erzählt darin die Vater-Sohn-Geschichte von Rocky (Stahlberg) und Thorben (Franz Rogowski). Der 49-jährige Rocky lebt in Berlin, einsam bis auf die Begleitung seines schlabbrigen Hundes. Von seinem Sohn wusste er bis zu dem Moment, als dieser ungefragt vor seiner Tür in Berlin steht, nichts.

Das Kind soll in die Psychiatrie

Thorben, ein triebgesteuerter, verhaltensauffälliger Kerl, hat Mist gebaut. Seine Mutter will ihn zur Besserung in die Psychiatrie schicken. Von dort türmt der 26-Jährige zu seinem Vater – und will von diesem nicht nur Obdach, sondern gleich auch lernen, wie man eine Frau herumkriegt. Denn Rocky, so soll es Thorbens Mutter erzählt haben, war einst „der größte Stecher von Wuppertal“.

„Die ausgedehnte Hirschkuh am Wegesrand interessiert mich nicht“, erklärt dieser seinem Sohn auch gleich großspurig. Und versucht ihn nach anfänglicher Abneigung mit immer neuen angeblichen Weisheiten über die Geschlechterverhältnisse aufzuklären.

Doch eine größere Distanz könnte es bei Rocky zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung nicht geben. Die Zuschauer erkennen in dessen verwitterter Erscheinung – der Halbglatze, den grau melierten Resthaaren und der zusammengekauerten Physiognomie – alles andere als einen Frauenheld.

Wie man Frauen verführt

Nicht nur befremdlich, sondern vor allem unglaublich komisch ist es anzusehen, wie der Vater dem Sohn beibringen will, Frauen zu verführen – und es natürlich nicht schafft. Auch Thorben (den Rocky, der Egozentriker, durchweg Thorsten nennt) muss das langsam einsehen.

Filmkritik "Fikkefuchs": Sexsatire zwischen Witz und Tragik

Foto: Alamode

Spätestens, als Rocky nach einer Nacht in einem Berliner Club zusammenbricht, merkt Thorben, dass etwas mit seinem Vater nicht stimmt. Ohne genau zu wissen, was im Leben des 49-Jährigen schief läuft, beschleicht auch die Zuschauer das Gefühl: Mit einer bloßen Komödie hat man es hier nicht zu tun. Denn Rocky hat ernste Probleme, die er konstant zu verdrängen sucht.

Im Verlauf des Films changiert „Fikkefuchs“ immer mehr zwischen derber Situationskomik und Tragik. Und zeigt brutal ehrliche Szenen, in denen sich die Figuren immer stärker demontieren.

„Ich hasse Filme, die es allen recht machen wollen und automatisch alles rundlutschen“, sagte Stahlberg der Deutschen Presse-Agentur. „Bevor alle Leute sitzen bleiben, gehe ich lieber das Risiko ein, dass ich bei zwei, drei Leuten die Schmerzgrenze überschritten habe.“

„Männer sind wie Bettwanzen“

Nach besagter Feiernacht wäscht Thorben seinen Vater, der sich nicht nur in die Hose gemacht, sondern auch über seine Klamotten übergeben hat, in der Badewanne. Und muss sich, überwältigt von dessen Anblick und Geruch, in einer detailreichen Szene selbst übergeben.

Filmkritik "Fikkefuchs": Sexsatire zwischen Witz und Tragik

Foto: Alamode

Man ist diese Ehrlichkeit aus deutschen Komödien nicht gewöhnt. „Deutscher Film ist oft wie: entweder lustig und blöd oder ernst und langweilig. Dasselbe gilt auch für den deutschen Humor“, sagte Stahlberg. „Dieses Mittelding, dass man über etwas lacht, was einem im Hals stecken bleibt – diese Kultur haben wir echt wenig.“

Hat eine Szene gerade noch Beklemmung ausgelöst, folgt schon der nächste komische Monolog. „Männer sind wie Bettwanzen“, erklärt Rocky an einer Stelle. „Sie müssen sehr lange ohne Sex überleben können, sie warten Jahre hinter Scheuerleisten, wenn es sein muss. Wenn sie dann einen weiblichen Wirt erblicken, krabbeln sie aus ihrem Versteck und suchen seine Nähe.“

Durchweg kreisen Vater und Sohn im Film um ihr sexuelles Begehren. Erfolg bei den Frauen haben sie aber bis zum Schluss nur bedingt. Denn die beiden sind für das andere Geschlecht vor allem abstoßend und haben sich etwas vorgenommen, das ihnen einfach nicht gelingen kann. Und doch: Selten hat einen als Zuschauerin das Scheitern zweier eigentlich so unsympathischer Figuren am Ende auf so viele Weisen bewegt. (Lisa Forster, dpa)

Fikkefuchs, Deutschland 2017, 100 Min., FSK ab 16, von Jan Henrik Stahlberg, mit Jan Henrik Stahlberg, Franz Rogowski, Thomas Bading, Susanne Bredehöft

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