Dienstag, 1. Oktober 2019 23:10 Uhr

Filmkritik „Gemini Man“: Will Smith trifft auf sein jüngeres Ich

© 2019 Paramount Pictures. All Rights Reserved.

Will Smith trifft in „Gemini Man“ als Top-Killer auf sich selbst in einer jüngeren Ausgabe. Kinostart ist diese Woche und Kinotane Katrin hat den Film schon gesehen.

Henry Brogan (Will Smith, 51, „Men in Black“, „Hitch, Der Date Doktor) ist ein smartes Bürschchen. Er ist sehr gut in Mathe (besonders im berechnen der Flugbahnen von Projektilen), sportlich und er bringt professionell Leute um. Böse Leute versteht sich – und mit Genehmigung! Henry ist an den Punkt gekommen, dass er das nicht mehr tun möchte. Das Umbringen von Menschen hat sich als nicht so gut für die Psyche herausgestellt.

Filmkritik "Gemini Man": Will Smith trifft auf sein jüngeres Ich

© 2019 Paramount Pictures. All Rights Reserved.

4 mal Will Smith

Aber Henrys ehemaliger Chef, Clay Verris (Clive Owen, 54, „Inside Man“, „Sin City“) von der Firma „Gemini Man“ setzt auf den Aussteiger einen anderen, noch besseren Attentäter an. Dieser ist Henrys Klon, der in „Gemini Man“ komplett digital erzeugt wurde.

Will Smith gibt es in „Gemini Man“ insgesamt 2,5 Mal: einmal in der echten, der 50jährigen Version, dann mit 27 und eine unfertige Version, die wohl ca. 20 Lenze zählt. Wobei wir da schon an des Pudels Kern sind: Lenze hat nur einer gelebt, die anderen sind Klone, die körperlich mehr auf Zack sind – dafür wurde an Herzenswärme gespart. Nun ja, irgendwas wird immer gestrichen. Dafür sind die jüngeren Versionen viel aggressiver und der echte Will muss das aushalten. Wer so unter Volldampf steht, fällt in eine Identitätskrise. Damit hat das digitale Klonchen natürlich nicht gerechnet. Hau drauf ist eben einfacher.

Der Plot ist öde

Echter Mensch gegen Klonausgabe aus den eigenen Genen. In „Gemini Man“ wird viel Moped gefahren, gerannt, geballert sowieso und doch ist so klar wie uninteressant, wie die ganze Chose enden wird. Viel Lärm um eine superdünne Story. Will Smith kann seinen ganzen Witz in das Spiel mit seinem Sidekick Danny Zakarweski (Mary Elisabeth Winstead, 34, „The Thing“, „Fargo“, 2014) legen. Danny ist anfangs auf Henry angesetzt, doch sie kann ihre Tarnung nicht lange aufrecht erhalten und schlägt sich auf seine Seite. Die zwei funktionieren sehr gut. In ihren Szenen mit Dialog und sie nicht noch digitale Masse anspielen müssen, flackert ihr Können und das des Super-Regisseur Ang Lee auf – aber ach, das reicht nicht.

Filmkritik "Gemini Man": Will Smith trifft auf sein jüngeres Ich

© 2019 Paramount Pictures. All Rights Reserved.

Regisseur Ang Lee („Sinn und Sinnlichkeit“, „Brokeback Montain“, „Life Of Pi – Schiffbruch mit Tiger“) ist bekannt dafür, sich sehr genau für seine Filmstoffe zu interessieren und jeweils eine für ihn typische, aber auch neue Handschrift zu entwickeln. Lee hat bereits Filmgeschichte geschrieben, das mag er mit „Gemini Man“ und seinen flotten 120 Bildern pro Sekunde auch in technischer Hinsicht getan haben – nur der Story hilft das Nullkommagarnichts.

Zuviel Effekthascherei

In „Gemini Man“ hat man den Eindruck, dass es vorrangig um technischen Schnickschnack geht, denn der Inhalt hinkt hinterher und ist trotz des Tempos und der Action dröge. Produziert hat den 2-Stunden-Kracher Jerry Bruckheimer (76, „King Arthur“, „Lone Ranger“) und der wiederum passt ins Bild: der Mann hat irre viel Kohle und setzt damit jedes Tamtam in Bewegung, aber Filme, die echt was zu erzählen haben (im Gegensatz zu Zauberern wie Ang Lee), sind nicht darunter.

Filmkritik "Gemini Man": Will Smith trifft auf sein jüngeres Ich

© 2019 Paramount Pictures. All Rights Reserved.

Fazit: Lieber nicht. Ang Lee gehört zu den wunderbarsten Regisseuren überhaupt – wir verzeihen ihm diesen Ausrutscher. Er möge bitte um Jerry Bruckheimer für immer einen großen Bogen machen und wieder einen echten Filmstoff angehen.

„Gemini Man“ hat viel Wert auf ultraschnelle Bilder (120 pro Sekunde) gelegt, auf das mit etwas Übelkeit beim Zusehen gerechnet werden muss. An den Schauspielern liegt es nicht, dass der Film trotz Riesenaufwand überhaupt nicht zündet. Zu viel des Digitalen, zu wenig Geschichte.

Filmkritik "Gemini Man": Will Smith trifft auf sein jüngeres Ich

© 2019 Paramount Pictures. All Rights Reserved.

Das könnte Euch auch interessieren

OK

Hinweis: Durch Nutzung von klatsch-tratsch.de stimmen Sie der Verwendung von Cookies für Analysezwecke, personalisierte Inhalte und Werbung zu. Mehr erfahren