Dienstag, 27. März 2018 21:50 Uhr

Filmkritik „Im Zweifel glücklich“: Glanzrolle für Ben Stiller

Hollywood-Star Ben Stiller in der Midlife-Krise: In der Tragikomödie „Im Zweifel glücklich“ überzeugt er als Mittvierziger in Nöten und sorgt dabei für jede Menge Spaß mit Tiefgang.

Foto: Amazon Studios LLC and Kimmel Distribution LLC

Brad Sloan (Ben Stiller) ist ein Jammerlappen. Dabei hat der Mittvierziger eigentlich keinen Grund zur Klage. Er ist glücklich verheiratet, Vater eines liebenswerten Sohnes und beruflich erfolgreich. Und doch jammert er unentwegt. Der Grund dafür findet sich in seinem Inneren: Brad wird von Neid auf jeden Menschen mit Erfolg zerfressen und ist deshalb permanent unzufrieden. Ein Typ wie dieser Brad lädt nicht gerade dazu ein, ihn zu mögen. Und doch schließt man ihn schnell ins Herz. Das liegt vor allem an Hauptdarsteller Ben Stiller.

Der insbesondere durch die schrillen Komödien der „Nachts im Museum“-Reihe populäre Hollywoodstar gibt dem ewigen Nörgler nämlich eine anrührende emotionale Tiefe. Zudem fasziniert, wie Ben Stiller scheinbar ohne jeden Aufwand enorme Wirkung erzielt. Er kann zum Beispiel Blicke aussenden, in denen sich zugleich alle Schönheit und alles Elend der Welt zu spiegeln scheinen.

Manches wirkt improvisiert

Autor und Regisseur Mike White („Das Jahr des Hundes“) hat Ben Stiller, der derzeit mit Gagen in Millionenhöhe zu den bestbezahlten Filmstars in den USA gehört, offenkundig viele künstlerische Freiheiten gelassen.

Manche Szene wirkt improvisiert, der ganze Film auf den Hauptdarsteller zugeschnitten. Der wiederum hat das genutzt, ohne eine vordergründige, eitle Selbstinszenierung abzuliefern. Stattdessen setzt Stiller überwiegend auf leise Töne und eine feinnervige Körpersprache. Dadurch gelingt es ihm, das Publikum von der ersten bis zur letzten Minute zu fesseln.

Foto: Amazon Studios LLC and Kimmel Distribution LLC

Intensiviert wird das geistreiche Vergnügen, weil Mike White in pointierten Dialogen und Alltagsbeobachtungen deutlich Kritik an der ganz auf materiellen Wohlstand ausgerichteten Lebensart der gegenwärtigen bürgerlichen Gesellschaft übt. Wobei auch er, ähnlich seinem Star, nicht überzieht. Die Seitenhiebe etwa auf die allseits enorme Anbetung des Kapitals sind keineswegs grob, sondern hintergründig – und genau deshalb sehr wirkungsvoll.

Echte Charaktere mit Ecken und Kanten

Stilistisch hebt sich die Inszenierung wohltuend vom Einerlei gängiger Komödienkost ab: Mike White verzichtet darauf, das ABC des Fäkalhumors zu buchstabieren, zeigt keine klischeehaften Typen sondern wirkliche Charaktere mit Ecken und Kanten, und er lässt sich Zeit, die Geschichte in aller Ruhe zu entwickeln. Nicht ganz schlüssig ist, warum er mehrfach auf Kommentare aus dem Off setzt. Doch das stört den Fluss des Geschehens nicht wirklich und tut dem Spaß keinen Abbruch.

Foto: Amazon Studios LLC and Kimmel Distribution LLC

Höhepunkt des durchweg unterhaltsamen, dabei aber nie ins Gefällige abgleitenden Films sind einige Szenen zwischen Brad und seinem halbwüchsigen Sohn Troy (Austin Abrams). In den Gesprächen der Beiden wird mit schwarzem Humor und Gefühl deutlich, wie sinnlos ein Dasein ist, das sich allein um materiellen Wohlstand, Karrieredenken und Profitgier dreht. Hier erreicht die ansonsten eher leichtfüßige Erzählung sogar satirische Schärfe.

Besonders geglückt – und überraschend – ist das Finale des Films. Dank einer Freundin von Troy wird Brad zwar in Richtung Einsicht und Läuterung geschubst. Doch was folgt, entspricht nicht dem Hollywood-Schema eines rundum fröhlichen Happy Ends. So geht man bei allem Schmunzeln und Lachen auch nachdenklich nach Hause. (Peter Claus, dpa)

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