Donnerstag, 8. August 2019 00:18 Uhr

Filmkritik „Killerman“: Liam Hemsworth scheitert als Racheengel

Foto: Wildbunch

Millionenschwere Drogengeschäfte, ausgeklügelte Geldwäsche, korrupte Cops: Das Actiondrama „Killerman“ hat viele Zutaten für zwei spannende Kinostunden – noch dazu Top-Star Liam Hemsworth in der Hauptrolle.

Filmkritik "Killerman": Liam Hemsworth als Racheengel

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Er ist einer der jungen Top-Stars von Hollywood: Liam Hemsworth. Nach seinem schauspielerischen Aufstieg mit der „Tribute von Panem“-Reihe platzierte er sich spätestens durch seine Hochzeit mit Popstar Miley Cyrus in der 1A-Riege der US-Promis.

Auf der Leinwand war der 29-Jährige zuletzt jedoch kaum zu sehen: Nach seiner Rolle im Roland-Emmerich-Film „Independence Day: Wiederkehr“ im Jahr 2016 kam praktisch keine nennenswerte Produktion mehr. Nun kehrt Hemsworth ins Kino zurück. Im Actiondrama „Killermann“ gibt er einen smarten Geldwäscher der Drogenmafia, der sich zum blutrünstigen Racheengel wandelt. Ob das für den Bruder von Thor-Darsteller Chris Hemsworth funktioniert – und für das Publikum?

Darum geht’s

Die Antwort: Nicht wirklich. Denn es fängt schon mit dem Filmtitel an – „Killerman“. Unwillkürlich denkt man an gnadenlose Auftragsmörder wie „John Wick“ oder die „Pulp Fiction“-Gangster Vincent und Jules. Doch hier ist es schlicht ein Name; ein Nachname noch dazu, der im Prinzip keine Rolle spielt. Und so unbefriedigend geht es weiter in dem Gangsterfilm, der im Vorspann suggeriert, man erfahre etwas über Drogengeschäfte, die komplizierte Geldwäsche und die Hintergründe.

Doch das ist alles nur Staffage für eine sich langsam entwickelnde Persönlichkeitsstory inklusive Amnesie und blutigem Rachefeldzug. Der Filmplakat-Untertitel „Nothing is as it seems“ (Nichts ist, wie es scheint) erhält so seine Berechtigung, nämlich durch die Irreführung der Zuschauer – und weniger durch die Wendungen des Plots.

Filmkritik "Killerman": Liam Hemsworth scheitert als Racheengel

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Dabei hat der zweite Langfilm von Regisseur und Drehbuchautor Malik Bader („Street Thief“) durchaus interessante Ansätze: Sein Unterwelt-New-York sieht so verbraucht und schmutzig aus wie schon lange nicht mehr. Analog-Fans können sich an der körnigen 80er-Jahre-Optik erfreuen. Die Handkamera von „Deadpool“-Kameramann Ken Seng erzeugt Atemlosigkeit und Nähe. Doch die Geschichte wird dadurch auch nicht besser.

Unglaubwürdige Klischees

Juwelier Moe Diamond (Hemsworth), der erfolgreich als Geldwäscher für Drogendealer arbeitet, will mit seinem Kumpel Skunk (Emory Cohen) auf eigene Faust ein großes Ding durchziehen. Doch sie geraten in einen Hinterhalt korrupter Polizisten.

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Auf der Flucht erleidet Moe bei einem Unfall eine Amnesie. Das Problem: Das Geld für den Drogendeal gehört Skunks Onkel, dem Unterweltboss Perico (Zlatko Buric); die Drogen stammen aus der Asservatenkammer der Polizei, damit wollten die korrupten Cops Geschäfte machen. Nun werden Skunk und Moe gejagt, Moes schwangere Freundin wird von einer Kugel getroffen und der gejagte Moe wird zum Jäger. Der Rachefeldzug in Charles-Bronson-Manier beginnt.

Das alles könnte unterhaltsam-krachendes Action-Kino sein. Doch neben einer sehenswerten Verfolgungsjagd gibt es vor allem eine Menge unglaubwürdiger Klischees. Drogenboss Perico ist so abgehalftert und schmierig, dass man ihm den großen Gangster, der gemeinsam mit Politikern große Bauprojekte plant, einfach nicht abnimmt. Die bösen Cops – einer tatsächlich mit blitzendem Goldzahn – morden sich derart skrupellos und ohne Vorsicht durch New York, das es fast wie eine Persiflage wirkt.

Filmkritik "Killerman": Liam Hemsworth scheitert als Racheengel

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Saudämliche Brutalität

Der kurze Auftritt von Moes schwangerer Freundin Lola ist komplett überflüssig. Und die zur Schau gestellte Brutalität hat nichts mit Quentin-Tarantino-Finesse oder „Walking Dead“-Splatter zu tun, sonst ist einfach nur das: simple, zur Schau gestellte Brutalität.

Kurz vor Schluss gibt es dann noch eine Wende im Plot, die für die aufmerksamen Zuschauer aber kein bisschen überraschend kommt und somit komplett verpufft. Und ganz am Ende wird dem Publikum mit einer Texttafel vor dem Abspann fälschlicherweise suggeriert, es handele sich bei der Story um ein reales Ereignis aus dem Jahr 2014. Ohne Ironie, ohne Coen-Brüder-mäßiges Augenzwinkern. Ärgerlich. (Patrick T. Neumann, dpa)

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