Dienstag, 23. Juli 2019 23:39 Uhr

Filmkritik „Leid und Herrlichkeit“: Banderas und Almodóvar in Bestform!

Foto: Studiocanal / El Deseo / Manolo Pavón

Ein schwuler Regisseur, der auf sein Leben zurückblickt – der neue Film von Pedro Almodóvar hat eindeutig autobiografische Bezüge. Das ist nicht nur wunderschön inszeniert. Auch Hollywoodstar Antonio Banderas überzeugt, er gewann in Cannes bereits eine Auszeichnung.

Filmkritik "Leid und Herrlichkeit": Banderas und Almodóvar in Bestform!

Foto: Studiocanal / El Deseo / Manolo Pavón

Bei Pedro Almodóvar sah es lange Zeit so aus, als hätte der spanische Regisseur den Zenit seines Schaffens hinter sich gelassen. Nach den sinnlichen Werken wie „Volver“ und „Alles über meine Mutter“ folgten zuletzt gute, aber eben nicht mehr herausragende Filme. Nun jedoch beweist der Oscarpreisträger, dass er auch mit 69 Jahren noch an seine früheren Erfolge anknüpfen kann. Mit „Leid und Herrlichkeit“, einem seiner persönlichsten Werke, zeigt er sich in Hochform.

Darum geht’s

Die Geschichte hat eindeutig autobiografische Bezüge: Salvador Mallo (Antonio Banderas) ist ein in die Jahre gekommener, schwuler Regisseur, der in Madrid lebt. Seine großen Erfolge aber sind schon lange vorbei. Er leidet unter Depressionen sowie körperlichen Beschwerden und Schmerzen, die ihn am kreativen Arbeiten hindern. Dann soll sein erster Hit „Sabor“ restauriert wiederaufgeführt werden und Salvador nimmt zu seinem damaligen Hauptdarsteller Alberto Crespo nach Jahrzehnten wieder Kontakt auf.

Pedro Almodóvar verwebt dabei kunstvoll die Gegenwart mit der Vergangenheit. Unter anderem ausgelöst durch Heroin, das Salvador im Haus von Alberto raucht, schweift Salvador in lebendige Tagträume ab und zurück in seine Kindheit in den 60ern: wie seine Mutter Jacinta (Penélope Cruz) mit anderen Frauen auf dem Land Wäsche wäscht, wie die Familie in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft in die Stadt zieht und in einer Höhlenwohnung landet. In einer wunderschön eingefangenen Szene erinnert er sich an das Erwachen seiner Sexualität, in einer anderen, sehr einfühlsam erzählten Sequenz trifft er seine lange verlorene, erste große Liebe wieder.

Grandiose schauspielerische Leistungen

„Dolor y Gloria“, so der Originaltitel, wird so zu einem assoziativen Fluss verschiedenster, kleiner Geschichten, die Almodóvar überraschend leicht aneinanderreiht. Dadurch entwickelt der Film zwar nicht eine solche emotionale Intensität wie „Volver“, doch das schmälert das Vergnügen beim Zuschauen nicht. Das liegt zum einen an den umwerfenden Schauspielerleistungen.

Filmkritik "Leid und Herrlichkeit": Banderas und Almodóvar in Bestform!

Foto: Studiocanal / El Deseo / Manolo Pavón

Neben Penélope Cruz, die ihre Nebenrolle mit viel Wärme und Leben ausfüllt, ist es vor allem Antonio Banderas, der in Erinnerung bleibt. Der Spanier (Hollywoodhits wie „Die Legende des Zorro“) ist ebenfalls in Höchstform, spielt nuanciert und gefühlvoll – dies wirkt wie die bisher beste Rolle seiner Karriere. Völlig zu Recht wurde der 58-Jährige dafür beim Filmfest Cannes auch schon als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet.

Bilderpracht voller Details

Doch „Leid und Herrlichkeit“ besticht auch durch Almodóvars Inszenierung. Wer seine Werke kennt, weiß, wie wichtig dabei die Optik ist. Auch jetzt mag man sich nicht sattsehen an den Bildern, so intensiv sind die Farben und die Ausstattung voller Details. Das ist aber nicht nur wunderschön anzuschauen, sondern unterstreicht zugleich die Sinnlichkeit und die Nostalgie, die diesen Film durchziehen.

Filmkritik "Leid und Herrlichkeit": Banderas und Almodóvar in Bestform!

Foto: Studiocanal / El Deseo / Manolo Pavón

Denn Salvador nutzt die Rückschau auf sein Leben auch, um mit einigen Dingen abzuschließen, offene Wunden zu heilen und zu vergeben. Almodóvar spricht so Themen wie Liebe und Trauer, das Altern und den Tod an und schafft es, dass „Leid und Herrlichkeit“ trotz aller Melancholie auch voller Zärtlichkeit und Hoffnung ist – sein bester Film seit vielen Jahren. (Aliki Nassoufis, dpa)

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