Mittwoch, 3. Januar 2018 22:50 Uhr

Filmkritik „Lux – Krieger des Lichts“: Gegen die Macht reißerischer Medien

Batman oder Müllmann, ganz egal! Auch ein Normalo kann zum Superhelden werden: Der Debütfilm „Lux – Krieger des Lichts“ ist ein Plädoyer für die kleinen, guten Taten des Alltags – und gegen die Macht reißerischer Medien.

Filmkritik "Lux - Krieger des Lichts": Gegen die Macht reißerischer Medien

Foto: Zorro Film

Mehr Sex, mehr Spannung, mehr Drama: Das ist oft das Programm gewissenloser Medienmacher, die für hohe Einschaltquoten alle Ideale über Bord werfen. Da sie sich keinen Deut um das Wohlergehen der von ihnen dargestellten Menschen scheren, kann ihr Treiben schlimme Auswirkungen haben.

Der Film „Lux – Krieger des Lichts“ zeigt, wie ein Alltagsheld dieser Maschinerie zum Opfer fällt. Dabei meinen es der Berliner Filmemacher Jan (Tilman Strauß) und seine Tonfrau Lina (Anne Haug) zunächst gut mit ihrem Protagonisten. Sie wollen eine halbfiktive Dokumentation über den bescheidenen Alltagshelden Lux drehen. Der heißt eigentlich Torsten (Franz Rogowski – „Fikkefuchs“, „Tigergirl“), lebt ein normales Leben in einer Plattenbausiedlung und hat ein klares Ziel vor Augen: In einem selbstgebastelten Heldenkostüm will er die Welt ein wenig besser machen.

Der schüchterne, junge Mann schwärmt für Batman und glaubt daran, dass jeder, der ein Held sein will, etwas bewirken kann – egal ob er eine Fledermaus oder ein Müllmann ist. So streift sich Lux, der tags sein Geld als Packer auf dem Großmarkt verdient, nachts Maske und Umhang über und hilft Obdachlosen oder anderen Bedürftigen.

Spröde Charme wird etwas überstrapaziert

Jan und Lina gelingt es, den Medienunternehmer Holger Brandt als Produzenten für ihren Film zu gewinnen. Begeistert machen sie sich an die Arbeit. Doch dann drängt Brandt die beiden dazu, die Geschichte so reißerisch wie möglich zu erzählen und in den sozialen Medien künstlich hochzukochen. Die neuen Zwänge bringen Jan, Lina und ihren Helden schon bald in ungeahnte Schwierigkeiten. Plötzlich braucht Lux selber Hilfe. Ob seine Traumfrau, die Stripperin Kitty, ihm wohl seine Zweifel nehmen kann?

Filmkritik "Lux - Krieger des Lichts": Gegen die Macht reißerischer Medien

Foto: Zorro Film

Der Regisseur und Drehbuchautor Daniel Wild, der für sein Erstlingswerk auf den Hofer Filmtagen mit dem Heinz-Badewitz-Preis ausgezeichnet wurde, wählt für seinen ambitionierten Debütfilm eine rohe Ästhetik. Die Szenen wirken oft laienhaft mitgedreht und zusammengeschnitten. Denn die Zuschauer begleiten die Arbeit von Jan, Lina und Torsten, während sie entsteht. Leider wird der spröde Charme dieses Prinzips ein wenig überstrapaziert, weil sich der Stoff auf 104 Minuten erstreckt und die Geduld des Publikums doch arg belastet wird – auch wenn der hilfsbedürftige Antiheld mit seiner anrührenden Normalität natürlich jedes Wohlwollen der Welt verdient.

Die Stärke der Geschichte liegt in ihrer Medienkritik. Als der herrische Unsympath Brandt Jan und Lina dazu zwingt, ihre edelmütige Darstellung des selbstlosen Helfers Lux zu pervertieren, wird der Held schließlich selbst zum Opfer. Während Brand die skrupellose Seite der Medienbranche verkörpert, findet diese Maschinerie ihre plakative Parallele im Rotlichtmilieu mit seinen Tänzerinnen, die ihren Traum von der Karriere als Künstlerin aufgeben und sich prostituieren, weil sich so leichter Geld verdienen lässt. Was von der Geschichte bleibt, ist ein Appell gegen die Selbstausbeutung. Es gilt, sich der Sogwirkung mächtiger Macher zu widersetzen: sei es auf den künstlich überhöhten Plattformen der Medienwelt, sei es auf den Bühnen des Showgeschäfts. (Franziska Bossy, dpa)

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