Donnerstag, 30. Mai 2019 22:41 Uhr

Filmkritik „Ma“: Ein cooler, fieser Horrorfilm mit Tiefenwirkung

Foto: Universal Pictures

Mit „Ma“ startet am 30. Mai ein neuer Horrorfilm in den deutschen Kinos. In der Hauptrolle Oscar- und Golden-Globe-Preisträgerin Octavia Spencer. Der Film baut allmählich eine ziemlich bedrohliche Spannung auf, die schließlich in drastischer Gewalt eskaliert…

Filmkritik "Ma": Ein cooler, fieser Horrorfilm mit Tiefenwirkung

Foto: Universal Pictures

Sue Ann (Oscar-Preisträgerin Octavia Spencer, 47, „The Help“) ist Tierarzthelferin und macht einen grundgütigen Eindruck. Sie ist etwas füllig, trägt eine Mireille-Mathieu-Schüttelfrisur und hat ganz sanft blickende Augen. Sue Ann kann die Mitmenschen mit ihrem Lächeln zum Schmelzen bringen und scheint überhaupt ein sehr hilfsbereites Wesen zu sein.

Sie füllt die Formulare für die Tierbesitzer aus, sie sollen nur unterschreiben, den Rest erledigt sie. Nett, oder?

Aue Ann träumt gern vor sich hin und wird immer wieder von ihrem Boss Dr. Brooks (noch eine Oscar-Preisträgerin und auch in dieser kleinen Rolle ein Juwel: Allison Janney, 59, „I, Tonya“) sehr harsch angefahren, dass sie gefälligst ihre Arbeit machen soll.

Aber Sue Ann scheint darüber nicht sauer zu werden, mit schlafwandlerischer Sicherheit in dem Routinejob macht sie einfach weiter. Aber nicht, ohne nochmal hochzuschauen – und dabei ändert sich ihr gütiger Blick in Zeitlupe in etwas wirklich gemeines. Von der Herzensgüte keine Spur mehr.

Filmkritik "Ma": Ein cooler, fieser Horrorfilm mit Tiefenwirkung

Wie ist die denn drauf?

Sue Ann trifft beim Gassigehen mit einem dreibeinigen Hund, dem sie auch immer wieder mit sanften Worten Mut macht, auf eine Gruppe von Teenagern, die vor einem Schnapsladen jeden Erwachsenen ansprechen, der ihnen Alkohol kaufen soll. Macht natürlich keiner. Ist ja auch ’ne Kleinstadt, wo jeder jeden grüßt.

Mit von der Partie ist die neu zugezogene Maggie (Diana Silvers, „Get on up“). Sie schafft es, die gutmütige Sue Ann zu überreden, die Sachen auf ihrem Einkaufszettel zu besorgen. Die Kids sind begeistert. Endlich eine Erwachsene, die versteht, wie es Teenies geht, die trinken und Spaß haben wollen. Und Sue Ann setzt noch einen drauf. In ihrem Haus gibt es einen geräumigen Keller, der durchaus zur Partylocation taugt. Klingt zu schön, um wahr zu sein? Und spätestens da, sieht man kurz diese bösen Entgleisungen in Sue Anns Gesicht und entschlossener angespannter Körperhaltung.

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Foto: Universal Pictures

„Von jetzt nennt ihr mich Ma!“

Maggie will unbedingt neue Freunde an der Schule gewinnen. Sie ist besonders gern mit Andy (Corey Fogelmanis) und Haley (Mckaley Miller) zusammen. Die Clique ist gern bei Ma im Partykeller und das Angequatsche vor dem Schnapsladen hat auch ein Ende. Ma besorgt einfach alles, serviert ordentlich Snacks und tanzt kräftig mit. Von jetzt an will Sue Ann von allen nur noch „Ma“ genannt werden. Und noch zwei Regeln stellt sie auf: Es darf niemand in die oberen Stockwerke in ihrem Haus. Und wenn die Kids sich schon die Kante geben, dann gilt: wer fährt, bleibt nüchtern. An diese Rahmenbedingungen können sich alle halten, aber natürlich bleibt es nicht bei diesem wirklich netten Arrangement.

Filmkritik "Ma": Ein cooler, fieser Horrorfilm mit Tiefenwirkung

Foto: Universal Pictures

Schnell spricht sich in dem Kaff herum, dass die Kinder feiern. Doch Sue Ann hat auch nicht wahllos Teenager angesprochen. Dank sozialer Medien, Null Datenschutz und Blödheit von Usern, die alles und jeden posten, gelingt es Ma, die Kinder derer in ihren Bann zu schlagen, die ihr einst an der Schule sehr übel mitgespielt haben.

Die Verletzung sitzt tief – so tief, dass Sue Ann ihr ganzes Leben schief gewickelt ist.

Filmkritik "Ma": Ein cooler, fieser Horrorfilm mit Tiefenwirkung

Foto: Universal Pictures

Als den Teenies mulmig wird und nicht mehr bei Ma feiern wollen, dreht sich die Situation. Sue Ann setzt am schwächsten Glied an: bei der frisch zugezogenen Maggie und macht einen Besuch bei deren Mutter Erica (leider total unterfordert: Juliette Lewis, 45, „Natural born Killers“, „California“, „Strange Days“). Dann taucht Andys Vater, Ben (großartig: Luke Evans, 40, „Der Hobbit“, „Girl on the Train“) mit seiner Katze in der Praxis auf und bezirzt Sue Ann, dass ihre Augen wieder ganz warm und weich werden. Sie verabreden sich, aber es kommt alles anders als von Sue Ann erhofft.

Wow!

Fazit: „Ma“ ist ein cooler, fieser Horrorfilm mit Tiefenwirkung und mit sehr viel Verständnis für die horrortreibende Fachkraft Octavia Spencer als Ma/Sue Ann.

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