Mittwoch, 21. Februar 2018 21:20 Uhr

Filmkritik: Omar Sy ist „Docteur Knock“

Omar Sy als charmanter Arzt und Ex-Gauner: Seit seinem Welterfolg von „Ziemlich beste Freunde“ hält der Star an Komödien fest. Diesmal spielt er in einer freien Verfilmung eines beliebten Theaterstücks.

Filmkritik: Omar Sy ist "Docteur Knock"

Foto: Wildbunch

Paris (dpa) – Dr. Knock wirkt Wunder, vor allem wenn es um seinen eigenen Geldbeutel geht – denn der Mediziner diagnostiziert kerngesunde Menschen als krank. Das Wartezimmer seiner Praxis in dem kleinen Provinzdorf Saint-Mathieu ist voll, und auch der Apotheker des Ortes reibt sich die Hände. Doch dann taucht eine düstere Männergestalt auf und offenbart die Vergangenheit des Arztes. Die Hauptrolle in der Komödie „Docteur Knock – Ein Arzt mit gewissen Nebenwirkungen“ spielt Omar Sy, der seit seinem Welterfolg in „Ziemlich beste Freunde“ zum Lieblingsschauspieler der Franzosen avanciert ist.

Bei dem Film der Regisseurin Lorraine Levy handelt es sich nun um eine freie Verfilmung des beliebten Theaterstücks „Knock oder der Triumph der Medizin“ von Jules Romains aus dem Jahr 1923.

Romains hatte in seiner ironischen Geschichte die Naivität, Leichtgläubigkeit und Manipulierbarkeit der Dorfbewohner auf die Schippe genommen. Levy („Der Sohn der Anderen“) verlegt die Handlung in die 50er Jahre und macht aus dem unsympathischen und autoritären Dr. Knock einen Charmeur, den Sy erneut par excellence verkörpert.

Doch trotz des renommierten Castings, zu dem auch die Schauspieler Alex Lutz und Ana Girardot gehören, bleiben die Erwartungen an das Werk teilweise auf der Strecke. Denn Levys Verfilmung muss sich nicht nur an dem Theaterstück messen lassen, sondern auch an mehreren Verfilmungen, darunter vor allem die aus dem Jahr 1951 von Guy Lefranc mit dem legendären Darsteller Louis Jouvet.

Filmkritik: Omar Sy ist "Docteur Knock"

Foto: Wildbunch

Grandiose Landschaftsaufnahmen

Die Aufnahmen in der Neuauflage sind schön: Die Kamera verfolgt einen Zug, der durch wunderschöne Landschaften fährt, bevor er an einem pittoresken Bahnhof hält. Auf dem Bahnsteig warten der betagte Dr. Parpalaid und seine Frau. Das Paar will sich zur Ruhe setzen und ist gekommen, um den Nachfolger der Praxis abzuholen. Als Dr. Knock aus dem Zug steigt, reagiert Frau Parpalaid zunächst überrascht, denn Dr. Knock ist ein dunkelhäutiger Mann.

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Foto: Wildbunch

Auf dem Land in den 50er Jahren einem schwarzen Arzt zu begegnen, war sicherlich eine Seltenheit. Doch bei Levy scheint das kaum zu stören. Das Thema des Rassismus blendet die Regisseurin völlig aus. Sie konzentriert sich auf den liebenswerten Schwindler, der sich mit seinen Intrigen und Salben gegen das Altern und die Sonnenbrände eine goldene Nase verdient und vom Bau eines lukrativen Sanatoriums träumt.

Vom Ganoven zum Doktor

Dem redegewandten und eleganten Dr. Knock kann niemand widerstehen, schon gar nicht die Bewohnerinnen des Dorfes, darunter auch die attraktive Magd Adèle. Nur Pfarrer Lupus hat die Masche des Arztes durchschaut und versucht vergeblich, den Dorfbewohnern die Augen zu öffnen. Mit dem Auftauchen des Landstreichers Lansky tauchen schließlich die Schatten der Vergangenheit auf. Denn vor seinem Medizinstudium war Dr. Knock ein Ganove.

Filmkritik: Omar Sy ist "Docteur Knock"

Foto: Wildbunch

Levy hat mit „Docteur Knock – Ein Arzt mit gewissen Nebenwirkungen“ den Klassiker von Romains über das Phänomen der Massenverführung in eine Feel-Good-Komödie über Hypochondrie verwandelt. Der fast zweistündige Film bietet herrliche Landschaftsaufnahmen und viel leichte Unterhaltung – ist aber eben nicht wie das Werk mit Jouvet ein satirisches Meisterwerk. (Sabine Glaubitz, dpa)

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