Montag, 26. Februar 2018 20:54 Uhr

Filmkritik „Red Sparrow“: Jennifer Lawrence mit Klasse und Strahlkraft

Jennifer Lawrence verleiht diesem brutalen Agenten-Thriller Klasse und Strahlkraft. An ihrer Seite agieren Darsteller wie Charlotte Rampling, Joel Edgerton und Jeremy Irons.

Filmkritik "Red Sparrow": Jennifer Lawrence mit Klasse und Strahlkraft

Foto: 20th Century Fox

Nein, verwandt sind Francis und Jennifer Lawrence nicht, auch wenn sie sich ein und denselben Nachnamen teilen. Zusammengearbeitet aber haben der amerikanische Regisseur und die weltbekannte, amerikanische Schauspielerin sehr wohl schon. Die vierte Kooperation von Jennifer und Francis Lawrence nach den drei „Tribute von Panem“-Adaptionen hat nun nichts mit Fantasy und auch nichts mit Science-Fiction zu tun.

Vielmehr entführen uns die beiden in „Red Sparrow“ in ein zeitgenössisches, wenn auch sehr nach Kaltem Krieg riechendes Russland. Es geht um eine Tänzerin, die sich zur Geheimagentin wandelt – zu einer knallharten und Männer fressenden Agentin.

Vom Ballettsaal zur Spionin

Nach einem schrecklichen Vorfall muss Dominika Egorova (Lawrence) ihre Tanzschuhe für immer an den Nagel hängen: Das in Mitleidenschaft gezogene Bein würde den Belastungen, denen sich eine Primaballerina tagtäglich ausgesetzt sieht, einfach nicht mehr standhalten. Um indes weiterhin für ihre geliebte, jedoch kranke Mutter da sein zu können, um nicht nur die gemeinsame Wohnung zu retten, sondern auch die anfallenden Behandlungskosten künftig decken zu können, tanzt Dominika fortan auf gänzlich unbekanntem Parkett: In der „Sparrow“-Schule, einem abgelegenen Elite-Internat des russischen Geheimdienstes, lässt sich die Moskowiterin zu einer so verführerischen wie hoch gefährlichen Spezial-Agentin ausbilden.

Filmkritik "Red Sparrow": Jennifer Lawrence mit Klasse und Strahlkraft

Foto: 20th Century Fox

Unter der Ägide von Charlotte Rampling, die hier als knallharte Russin hart an der Grenze zur Karikatur auftritt, soll Dominika zu einer Femme fatale im Dienste des Vaterlandes heranwachsen. Dies gelingt ihr auf derart überzeugende Weise, dass Dominika recht bald auf einen, von Joel Edgerton verkörperten CIA-Agenten angesetzt wird.

Manch Albernheit verhindert es zunächst, sich voll und ganz auf „Red Sparrow“ einzulassen: Die Geschichte basiert zwar auf dem gleichnamigen, 2013 veröffentlichten, ersten Roman des ehemaligen CIA-Mitarbeiters Jason Matthews. Doch da ist die Szene, in der das Drehbuch der famosen Rampling allen Ernstes den Satz „Der Kalte Krieg ist noch nicht vorbei“ in den Mund legt. Da ist der unfreiwillig komische, pseudo-russische Akzent, mit dem sich die amerikanischen, englischen oder belgischen Darsteller hier als Russen zu erkennen geben müssen. „Red Sparrow“ aber ist viel schlauer, viel geschmackvoller und auch kurzweiliger als es die skurrilen ersten 30 Minuten erwarten lassen.

Filmkritik "Red Sparrow": Jennifer Lawrence mit Klasse und Strahlkraft

Foto: 20th Century Fox

Brutale Folterszenen

Mit der exquisiten, bei aller Härte (so wird man hier etwa mit höchst brutalen Folterszenen konfrontiert) stets ausgewählten Bildgestaltung versteht der Film von Francis Lawrence dabei genauso zu punkten, wie mit einer stets rasanten und zuweilen auch wirklich packenden Geschichte. Die uns zudem, fast wie von Zauberhand, nicht nur nach Moskau, sondern auch nach Wien, Budapest und London trägt. Positiv auch die Tatsache, dass ein Thriller dieses Zuschnitts (fast) ohne ermüdende Auto-Verfolgungsjagd auskommt. Mit Jeremy Irons schließlich (der Brite gibt einen von Dominikas Vorgesetzten) schüttelt der Film ein wunderbar nonchalantes, ein wunderbar elegantes As aus dem Ärmel.

Filmkritik "Red Sparrow": Jennifer Lawrence mit Klasse und Strahlkraft

Foto: 20th Century Fox

„Red Sparrow“, dieser 140 Minuten währende Thriller aber lebt vor allem von seiner Hauptdarstellerin. Kaum ein Moment, der nicht in Gänze auf Lawrence zugeschnitten wäre. Nicht nur, dass man der 1990 in Louisville, Kentucky, geborenen Amerikanerin die so unterkühlte wie blitzgescheite Russin erstaunlich schnell abnimmt. Lawrence wächst auch mit fast jedem Bild mehr und mehr in diese Rolle hinein.

Lawrence überzeugt auf ganzer Linie

So unglaubwürdig die schnelle Transformation von der gefeierten Ballerina zur knallharten Agentin auch auf dem Papier anmutet: Lawrence nimmt der Geschichte viel von ihrer Albernheit. Was auch daran liegt, dass sie ihre Dominika mit einer faszinierenden Coolness ausstattet: Mit wechselnden, stets elegant anmutenden Kleidern stolziert Lawrence laufstegkompatibel von einer Einstellung zur nächsten, mit mal blondem, mal dunklem, mit mal geöffnetem, mal gebändigtem Haar. Einmal ist Lawrence mit einer Zigarette im Mund zu sehen; momentweise erinnert sie an eine Brigitte Bardot. Man muss sich „Red Sparrow“ als Star-Vehikel vorstellen. Als Star-Vehikel für eine der talentiertesten Darstellerinnen ihrer Generation. Ein Vehikel für Jennifer Lawrence. (Matthias von Viereck, dpa)

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