Montag, 7. Januar 2019 23:26 Uhr

Filmkritik „Robin Hood“: Milchbubi macht einen auf gefährlich

Am Donnerstag startet mit „Robin Hood“ die x-te Verfilmung eines Klassikers! Anders gesagt: Die Story war schon immer ein Gassenhauer!

Filmkritik "Robin Hood": Milchbubi macht einen auf gefährlich

Foto: Studiocanal GmbH / Larry Horricks

Der englische Adlige Robin von Locksley (Taron Egerton, 29, „Kingsmen: The Secret Service) ist ein Kreuzzugsheimkehrer, ein Veteran, der im Namen des Christentums alles gewagt und viel verloren hat. Zu den Verlusten zählen sein Wohnsitz und seine kleine Kratzbürste und Licht seines Lebens, Lady Marian (Eve Hewson, 27, „Papillon“, „Bridge Of Spies“).

Kaum ist das Adelssöhnchen zurück im kalten England, fallen ihm böse Dinge auf. Die Welt ist korrupt, ungerecht und voller Intrigen. Politiker und Kirche schachern sich gegenseitig die Pöstchen und Pfründe zu und wer hat das Nachsehen? Die Armen.

Eine Kapuze macht noch keinen coolen Typen

Der Milchreisbubi beschließt, da ein bisschen gegen an zu stänkern. Aus Robin von Loxley wird der Mann mit der Kapuze – Robin Hood. Behilflich ist ihm in jedem Fall der Maure John (Jamie Foxx, 51, „Django Unchained“), der Ausbilder und Berater des jungen Freiheitskämpfers wird. Mit Flitzebogen und einer Menge Wut im Bauch gehen die zwei ans Werk und mischen die High Society des 13. Jahrhunderts auf.

Die einzig wahre Liebe hat nicht gewartet. Marian hat nicht schmachtend am Fenster gesessen und in ihren Tee geheult als ihr mitgeteilt wurde, dass Robin gefallen ist. Das ist vielleicht noch der spannendste Teil in der aktuellen Robin-Hood-Verfilmung. Aber blass bleibt die Rolle allemal – die Frau bleibt Zierart im männlichen Testosteron-Abenteuer.

Filmkritik "Robin Hood": Milchbubi macht einen auf gefährlich

Foto: Studiocanal GmbH / Larry Horricks

Der Sheriff ist leider nicht Alan Rickman

Robins Raubzüge ärgern den aktuellen Titelträger „Sheriff von Nottingham“ (Ben Mendelsohn, 49, „Ready Player One“, „Rogue One: A Star Wars Story“). Nicht nur eine Robin-Hood-Verfilmung ist immer nur so gut, wie der Sheriff böse ist. Oft steht und fällt ja alles, ob man dem Gegenspieler für voll nimmt oder nicht. Ben Mendelsohn ist vieles, aber eine Ausgeburt der fiesestens Art ist er ganz gewiss nicht. Schade! Als Feind von Robin und Konsorten taugt er nicht. Er quatscht zwar viel, aber so wunderbar diabolisch wie Alan Rickman in „Robin Hood. Der König der Diebe“ mit Kevin Costner aus dem Jahr 1991 ist er nicht.

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Foto: Studiocanal GmbH / Larry Horricks

Ein neuer Sheriff wird kommen

Der Posten des Sheriffs wird im Laufe des Abenteuers vakant und da wird’s interessant. Der Sprecher der Arbeiter und Rechtlosen, Will Scarlet (Jamie Dornan, 36, absolut überzeugend als Frauenmörder in „The Fall – Tod in Belfast“), sonst an dreckigen Kesseln und im Kohleabbau tätig, steigt auf. Will ist eine bedeutende Stimme der Masse – von Robin wird er natürlich nicht ernst genommen, denn er ist der aktuelle Mann an Marians Seite. Wie schnell sich Dinge auf der politischen Bühne drehen könne, zeigt sein Aufstieg und der Wille zur Macht. Die Macht, die eben nur der Sheriff von Nottingham hat. Wie wird Jamie Dornan diese diabolische Rolle füllen?

Filmkritik "Robin Hood": Milchbubi macht einen auf gefährlich

Foto: Studiocanal GmbH / Larry Horricks

Fazit: Geht so. Die Erzählerstimme will dem Zuschauer immer einreden, wie schlimm die Geschichte ist. Kein Märchen, keine Gute-Nacht-Geschichte vom guten Dieb, der Manns genug ist, sich mit den mächtigen von England anzulegen. Und dann kommt das Jüngelchen daher und will smart sein. Es wird sehr viel behauptet in „Robin Hood“ – aber leider nicht eingelöst.

Die Kampfszenen wirken so choreografiert, dass man meint, im Ballett zu sitzen (oder in den stylischen „Oceans“-Verfilmungen). Doch für Kinofans, für die 1991 („Robin Hood. König der Diebe“) so weit weg ist, wie das 13. Jahrhundert, ist der aktuelle „Robin Hood“ durchaus zu empfehlen. (Kinotante Katrin)

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