Donnerstag, 24. Januar 2019 23:42 Uhr

Filmkritik „The Favourite“: Kostümschinken mit Emma Stone

Foto: Twentieth Century Fox

Das Kostümdrama „The Favourite – Intrigen und Irrsinn“ startete heute in den deutschen Kinos. Der bereits vielfach prämierte Kostümschinken ist auf Oscar-Kurs. Olivia Colman, die herzige Britin aus der Serie „Broadchurch“, ist für die Kategorie „Beste Hauptdarstellerin“ nominiert.

Filmkritik "The Favourite": Kostümschinken mit Emma Stone

Foto: Twentieth Century Fox

„The Favourite“ spielt am englischen Königshof des 18. Jahrhunderts. Die Herrscherin, Königin Anne (Olivia Colman), ist eine unfähige Monarchin, die ihre extremen Stimmungsschwankungen gern am Personal auslässt. Die Königin ist fast handlungsunfähig und das perfide ist – sie weiss das auch. England befindet sich im Krieg mit Frankreich, da braucht es nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, was für ein Drunter und Drüber in dem Palast herrscht – und jeder, wirklich auch die allerletzte Hofschranze will was von Anne.

Sex als politisches Mittel

Die Königin steht ganz im Bann ihrer begabten Einflüsterin am Hofe, Sarah Churchill (Rachel Weisz). Sarah führt und delegiert die Kriegsgeschäfte und gleichzeitig dirigiert sie geschickt die oft zum Kleinkind mutierende Monarchin. Wie ein krankes Kind behütet verbringt die Königin mit Hasenspielen in ihren Gemächern und manchmal will sie auch andere Sachen spielen. Sarah ist nicht nur Politikerin, sondern auch die Bettgefährtin der Königin, wenn man das mal so altmodisch feststellen darf.

Die Neue wirbelt alles durcheinander

Sarah ist die Favouritin bis, ja bis eine neue Frau am Hofe erscheint. Die Neue ist Abigail Masham (Emma Stone) und sie schleicht sich heimlich auf die Bildfläche. Abigail hat zwar einen Titel, aber Null finanzielle Mittel – deshalb fängt sie ganz unten mit Küchenarbeiten an. Es herrscht eine brutale Hackordnung und so was wie Kollegialität gibt es nicht. Als Abigail aufgetragen wird, den Boden mit Lauge zu schrubben, gibt es ein hässlich-hämisches Grinsen vom Küchenpersonal, als sie sich die Hände regelrecht verätzt. Zeit, um aufzusteigen, denkt sich die mittellose Adlige.

Filmkritik "The Favourite": Kostümschinken mit Emma Stone

Foto: Twentieth Century Fox

Das Unfassbare wird entdeckt

Abigail hat die Gabe zur rechten Zeit am falschen Ort zu sein. Sie beobachtet eine sehr eindeutige Szene: Die Königin wird von Sarah vernascht. Mit diesem Wissen wird der Aufstiegsplan geschmiedet. Abigail macht sich daran, die Gunst der Königin zu erobern.

Tricky, denn Anne ist unberechenbar und wankelmütig und sie hat bereits eine Geliebte, die das komplette Gegenteil davon ist.

Filmkritik "The Favourite": Kostümschinken mit Emma Stone

Foto: Twentieth Century Fox

Drei Frauen in der Politik

Sarah Churchill ist zwar kriegsbeschäftigt, aber immer in der Nähe. Dass Sarah die wahren Motive der Aufsteigerin nicht erkennt, ist natürlich von Vorteil. Trotzdem muss die Favoritin der Königin aus dem Weg. Wie hilfreich, dass Abigail sich mit Kräutern auskennt. Eine Tasse Tee und weg ist die Rivalin. Wird das reichen, um die Gunst der irren Königin zu erreichen?

Filmkritik "The Favourite": Kostümschinken mit Emma Stone

Foto: Twentieth Century Fox

Fazit: Im Grunde ist „The Favourite – Intrigen und Irrsinn“ ein Kammerspiel um drei – zugegebenermaßen tollen – Frauen.

All die wunderbaren Kostüme und Einrichtungsgegenstände sind schön, aber nicht so wichtig. Der Druck, der von Seiten des Hofes auf der Königin lastet, dient als Handlungstransport und ein paar boshaften Seitenhieben, aber mehr auch nicht. (Kinotante Katrin)

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