Dienstag, 26. Dezember 2017 14:55 Uhr

Filmkritik „The Killing of a Sacred Deer“: Horror-Thriller mit Nicole Kidman

Einige der eigenwilligsten und aufregendsten europäischen Filme der letzten Jahre kommen von griechischen Filmemachern. Einer von ihnen ist Yorgos Lanthimos, der nun einen schaurig-schönen Psycho-Thriller gedreht hat.

Filmkritik "The Killing of a Sacred Deer": Horror-Thriller mit Nicole Kidman

Foto: Alamode

Ein Herz, ein pumpendes Herz, das eine gefühlte Ewigkeit auf der Leinwand pocht, während ein Arzt mit dem OP-Besteck daran herumschnippelt. Ein leichter Schock und gleich zu Beginn von „The Killing of a Sacred Deer“ ist klar: Das wird kein normaler Film. Zumal Yorgos Lanthimos dahinter steckt. Allein mit dieser Eröffnungssequenz erweist sich der griechische Regisseur, der inzwischen in London residiert, als legitimer Erbe der surrealistischen Bizarrerien eines Luis Buñuel („L’age d’or“).

Beim Filmfestival in Cannes wurden Yorgos Lanthimos und Efthimis Filippou für ihr Drehbuch ausgezeichnet.

Tod und Verderben bricht in Familienidylle

Mit ungewöhnlichen Filmen wie „Dogtooth“ oder „The Lobster“ stemmt sich der mehrfach prämierte Regisseur gegen den Mainstream und stellt diesem das Außergewöhnliche, Unergründliche und Unheimliche entgegen. All das erfüllt auch sein neuester Film „The Killing of a Sacred Deer“, der mit Colin Farrell und Nicole Kidman zudem prominent besetzt ist.

Die beiden spielen ein Ehepaar, er ein erfolgreicher Herzchirurg und sie eine Augenärztin, die mit ihren beiden Kindern Bob (Sunny Suljic) und Kim (Raffey Cassidy) in einem idyllischen Vorort eine durchaus harmonische Ehe führen. Auch wenn diese Familie in ihrem Miteinander ein bisschen kühl, streng und ein wenig gestelzt wirkt.

Filmkritik "The Killing of a Sacred Deer": Horror-Thriller mit Nicole Kidman

Foto: Alamode

Ein wenig nüchtern, künstlich und steril lässt Lanthimos auch ihre Umgebung wirken – der ideale Nährboden für den unerklärlichen und abgründigen Horror, der bald über diese Familie hereinbrechen und Tod und Verderben bringen wird. Der Teenager Martin (Barry Keoghan) ist der große Störenfried, der eine anfänglich nicht näher erläuterte Art Freundschaft mit dem Chirurgen Steven Murphy (Colin Farrell) aufgebaut hat.

Aber schon bald wird deutlich: Auf beiden lastet die Vergangenheit schwer und kettet sie unheilvoll aneinander…

Filmkritik "The Killing of a Sacred Deer": Thriller mit Nicole Kidman

Foto: Alamode

Wer ist dieser unheimliche Junge?

Und etwas Unheimliches geht von diesem Jungen aus, dessen Vater einst auf dem Operationstisch gestorben ist. Sucht er in Steven vielleicht einen Ersatzvater? Immerhin versucht er den Chirurgen mit seiner Mutter (Alicia Silverstone) zu verkuppeln. Oder ist er von Rache und Vergeltung getrieben? Und hat er wirklich die Gabe, einen tödlichen Fluch auszusprechen?

Filmkritik "The Killing of a Sacred Deer": Thriller mit Nicole Kidman

Foto: Alamode

In „The Killing of a Sacred Deer“ kann man sich nie sicher sein, kann man sich nie sicher fühlen. Horrorfilm, Fabel um Schuld und Sühne, Rachegeschichte, surrealistischer Alptraum, psychologischer Thriller – „The Killing of a Sacred Deer“ ist ein furioser und spannender Mix, der sich auf vielen Ebenen lesen lässt.

Blutende Augen, brutale Gewalt, paralysierte Kinder – Yorgos Lanthimos spielt mit einem nervenzerfetzenden Soundtrack schaurig-schön und ungemein spannend mit dem Unheimlichen, dem Nicht-Erklärbaren und dem Unbehagen. „Shining“ und „Das Omen“ sind hier ganz nah – und am Ende wird ein Herz aufhören zu schlagen.

Kinostart st am 28. Dezember. (Wolfgang Marx, dpa)

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