Dienstag, 29. Januar 2019 23:50 Uhr

Filmkritik „The Mule“: Clint Eastwood als gerissener Drogenkurier

Warner Bros. Pictures

Zuletzt stand Clint Eastwood vor zehn Jahren für „Gran Torino“ gleichzeitig vor und hinter der Kamera. Nun führt der 88-Jährige bei „The Mule“ Regie und spielt die Hauptrolle eines Drogenkuriers.

Filmkritik "The Mule": Clint Eastwood als gerissener Drogenkurier

Foto: Claire Folger

Mit „Gran Torino“ lieferte Clint Eastwood vor zehn Jahren das packende Porträt eines verbitterten, sturen Kriegsveteranen, der Fremdenhass und Vorurteile überwindet sich am Ende mit seinen koreanischen Nachbarn anfreundet. Das Drehbuch für die amüsante und berührende Gesellschaftsstudie stammte von Nick Schenk. Mit ihm macht der Hollywood-Veteran für sein 37. Regiewerk „The Mule“ und als Hauptdarsteller nun wieder gemeinsame Sache.

Nach einer wahren Geschichte

Auch diese Story hat das Zeug für fesselnde Unterhaltung. „The Mule“ ist von der wahren Geschichte des wegen seines hohen Alters berüchtigten Drogenkuriers Leo Sharp inspiriert. Jahrelang hatte der ergraute Kriegsveteran und Blumenzüchter in seinem Truck für ein mexikanisches Kartell Kokain transportiert, wegen seines arglosen Aussehens schöpften die Fahnder zunächst keinen Verdacht. Mit 87 Jahren wurde er 2011 bei einer Verkehrskontrolle gefasst, an seinem 90. Geburtstag brummte ihm ein US-Richter drei Jahre Haft auf.

Dem 88-jährigen Eastwood nimmt man die Rolle des wortkargen, knorrigen, aber mitunter auch charmanten Einzelgängers sofort ab. Fast in jeder Szene zeigt er sein zerfurchtes Gesicht. Oft sagt schon das kleine Zucken seiner buschig-grauen Augenbrauen alles aus. Doch nur die treuesten Eastwood-Fans kommen bei „The Mule“ wirklich auf ihre Kosten. Als Regisseur findet der Oscar-Preisträger („Million Dollar Baby“) diesmal nicht den richtigen Ton.

Ein Opa, der sich seinen Verfolgern entzieht

Seine Figur, die er in Earl Stone umbenennt, ist ein bigotter alter Mann, der ein abenteuerliches, aber liebloses Leben führt. Doch Eastwood verklärt ihn fast zum Helden, der sich geschickt dem Zugriff der Fahnder und den Nachstellungen seiner brutalen Auftraggeber entzieht. Geradezu peinlich sind die Szenen, in denen der Drogenkurier im Motel mit Prostituierten und Bikini-Schönheiten am Pool eines Druglords anbändelt.

Filmkritik "The Mule": Clint Eastwood als gerissener Drogenkurier

Foto: Claire Folger

Das platte Drehbuch von Nick Schenk lässt kaum Raum für andere Charaktere. Die mexikanischen Dealer, die das Koks in dicken Blöcken in Stones Pick-Up-Truck verstecken, entsprechen ganz dem Klischee von bulligen Brutalos. Das Fahnder-Trio, gespielt von Lawrence Fishburne, Michael Peña und „American Sniper“-Star Bradley Cooper, bleibt auf ganzer Strecke ungewöhnlich blass.

Keine echte Spannung

Noch zäher zieht sich die Randgeschichte von Stones Familie durch den Film. „Ich war ein furchtbarer Vater“, lamentiert der Drogenkurier. „Familie ist das Wichtigste“, schärft er seinen Kartellkumpanen ein. Sie sollten ja nicht seinem Beispiel folgen. Das klingt reumütig, nur nimmt man Stone diese Einsicht partout nicht ab. Oscar-Preisträgerin Dianne Wiest (70, „Hannah und ihre Schwestern“) könnte es bereut haben, in „The Mule“ die verbitterte Ex-Frau zu spielen. Ihr kurzer Auftritt endet schnell auf dem Sterbebett.

Filmkritik "The Mule": Clint Eastwood als gerissener Drogenkurier

Warner Bros. Pictures

Eastwood kann sich nicht zwischen Familiendrama, Drogenthriller oder Roadmovie entscheiden. So ist „The Mule“ weder richtig spannend, wirklich lustig oder berührend. Nur wenige Szenen bleiben am Ende nett in Erinnerung. Und die sind Eastwood als Schauspieler oder als „Tata“ zu verdanken. Den Großvater-Spitznamen haben die Kartellbosse seiner Filmfigur verpasst.

So bleibt der Greis bei einer Polizeikontrolle völlig cool, als ein Cop seinen Truck inspiziert. „Alles bestens, Offizier“, redet sich Stone charmant heraus. Er würde nur Säcke mit Pekannüssen für seine Nichte transportieren. Die mit Kokain prall gefüllte Reisetasche bleibt bei dem Smalltalk unentdeckt.

Filmkritik "The Mule": Clint Eastwood als gerissener Drogenkurier

Foto: Claire Folger

So plätschert „The Mule“ bis zum großen Showdown mit den Drogenfahndern vor sich hin, ohne aber tiefer die Gefühlswelt und Motive des Kuriers zu ergründen. Allemal spannender als der Film ist seine Vorlage: ein langer, investigativer Artikel in der „New York Times“ aus dem Jahr 2014, der Leo Sharps viele Facetten vom geschätzten Taglilienzüchter bis zum hoch bezahlten Kokainschmuggler untersucht. (Barbara Munker, dpa)

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