Montag, 2. Oktober 2017 20:55 Uhr

Filmkritik „Unter deutschen Betten“: Veronica Ferres und platte Gags

Veronica Ferres als alternder Schlagerstar, der auf Putztour geht. Das klingt ja erstmal großartig. Die Bestseller-Verfilmung „Unter deutschen Betten“ wirft Schlaglichter auf zwei Berufsfelder, die unterschiedlicher nicht sein können.

Filmkritik "Unter deutschen Betten": Veronica Ferres und platte Gags

Foto: Twentieth Century Fox / Hagen Keller

Die eigene Wohnung sagt oft mehr über einen aus, als man eigentlich will. Vor allem Putzfrauen kommen einer Seele so ziemlich nah. Dass sie dabei nicht nur Gutes entdecken, zeigt das Buch „Unter deutschen Betten“, bei dem es um die Erlebnisse einer polnischen Putzfrau geht. Nun wurde der Besteller mit Schauspielerin Veronica Ferres in der Hauptrolle verfilmt und überrascht mit einem Schwenk in die Welt des Schlagers.

Ferres spielt die in die Jahre gekommene Schlagersängerin Linda, die an ihrem Comeback arbeitet. Während eines Auftritts erwischt sie ihren Langzeitfreund und Produzent Friedrich – verkörpert von einem braun gebrannten Heiner Lauterbach mit fies zurückgekämmten Haaren und Goldkettchen um den Hals – mit einer Jüngeren. Das verwöhnte Schlagersternchen Linda fliegt aus der gemeinsamen Münchner Luxusvilla, ihre Welt bricht zusammen.

Strenge Reinigungskraft mit weichem Kern

Auch ihre Freunde wenden sich von ihr ab. Die einzige, die noch da ist: ihre polnische Putzfrau Justyna, gespielt von Magdalena Boczarska. Die in Deutschland vor allem aus Krimis bekannte Schauspielerin zeigt sich in der Kino-Komödie als strenge Reinigungskraft mit weichem Kern, die am Ende das Gute in ihrer früheren Chefin sieht.

Justyna putzt in den Häusern der Schönen und Reichen. Linda will ihr helfen, verursacht dabei aber jede Menge Chaos. „Die hat mir gerade noch gefehlt“: Denkt nicht nur die osteuropäische Reinigungskraft, sondern auch Produzent Ken Rivers (Simon Schwarz). Mit ihm will Linda einen neuen Hit rausbringen, doch der muss erst noch geschrieben werden.

Filmkritik "Unter deutschen Betten": Veronica Ferres und platte Gags

Foto: Twentieth Century Fox / Hagen Keller

Ferres spielt selbstironisch die für sie eher untypische Rolle des verwöhnten Schlagersternchens mit dem Herz am rechten Fleck. Als Reinigungskraft lässt die ehemalige „Superweib“-Darstellerin, die schon Bundeskanzlerin Angela Merkel verkörpert hat, kein Fettnäpfchen aus und beweist dabei Sinn für Humor – auch wenn manche der Gags eher platt daherkommen so wie als Linda in ihr früheres Zuhause einbrechen will und dabei in der Katzenklappe stecken bleibt.

Heiner Lauterbach sorgt für Lacher

Auch Lauterbach als schmieriger Ex-Liebhaber und gieriger Musikproduzent, der alle Klischees erfüllt, sorgt mit seinen Chauvi-Sprüchen immer wieder für Lacher. Mit Ferres stand er schon mehrmals vor der Kamera, zum Beispiel in Helmut Dietls Werk „Rossini – oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief“ aus dem Jahr 1997.

Filmkritik "Unter deutschen Betten": Veronica Ferres und platte Gags

Foto: Twentieth Century Fox / Hagen Keller

Der neueste Film der beiden ist solide Unterhaltung, die an der ein oder anderen Stelle aber schwächelt. Mit der Besteller-Verfilmung bleibt Regisseur Jan Fehse der Buchvorlage, die von Sachbuchautor Holger Schlageter unter dem Pseudonym Justyna Polanska 2011 veröffentlich wurde und auf Berichten von Putzfrauen beruht, nur in Zügen treu. (Aleksandra Bakmaz, dpa)

Unter deutschen Betten, Deutschland 2016, 100 Min., FSK ab 6, von Jan Fehse, mit Veronica Ferres, Heiner Lauterbach, Magdalena Boczarska

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