31.01.2017 22:50 Uhr

Filmkritik „Volt“: Düstere Zukunftsvision mit Benno Fürmann

Ein Mann steht ständig unter Strom und macht einen fatalen Fehler. Benno Fürmann spielt einen abgehalfterten Polizisten in einem Film, der in einer kaputten Zukunft spielt.

Foto: Felix Gemein/augenschein Filmproduktion GmbH

Es gibt sehr gute, bewegende Filme zum Elend der Flüchtlinge, die unter Einsatz ihres Lebens in die Festung Europa gelangen wollen. Im Falle von Tarek Ehlails düsterem Polizeifilm „Volt“ allerdings dient das Flüchtlingselend lediglich als Vorwand für eine spekulative, bisweilen reißerische Geschichte über einen einsamen Polizisten, der schwere Schuld auf sich lädt.

Irgendwann in der Zukunft: In Deutschland werden Flüchtlinge in Transitzonen festgehalten, die Polizei agiert mit Gewalt und Repression. Bei einem der brutalen Einsätze tötet der Beamte Volt (Benno Fürmann) einen Nigerianer. Die Schuldgefühle werfen den wortkargen Einzelkämpfer völlig aus der Bahn. Dann lernt Volt La Blanche (Ayo), die Schwester des Toten, kennen und verliebt sich in die schutzlose Frau, die von dem skrupellosen Drasko (Stipe Erceg) bedrängt wird. Ein gutes Ende kann diese Geschichte nicht nehmen.

Regisseur Tarek Ehlail. Foto: Felix Gemein/augenschein Filmproduktion GmbH

Der 1981 geborene Regisseur Tarek Ehlail („Chaostage – We Are Punks!“, Foto unten), ein ehemaliger Kampfboxer, hat seine pessimistische Zukunftsvision mit dröhnenden Techno-Bässen unterlegt. Sein Film spielt fast nur nachts in Abbruchhäusern und Industriebrachen. Aber Tristesse allein reicht dem Regisseur scheinbar nicht. Die Figuren hängen im luftleeren Raum, haben keine Geschichte und keinen Hintergrund.

Man spürt das Bemühen, einen „kleinen, schmutzigen“ Film in der Art von Fatih Akins frühen Kiez-Dramen zu drehen. Aber Tarek Ehlail, der auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, fällt außer rassistischem Jargon und zotigen Sprüchen nicht viel mehr ein. Sein Film bleibt dramaturgisch dürftig an der Oberfläche eines seltsam konstruiert wirkenden, fragmentarischen Plots, in dem nichts aufgelöst wird.

Dabei kann sich die Besetzung von „Volt“ durchaus sehen lassen. Benno Fürmann spielt mit starker physischer Präsenz den unglücklichen Protagonisten Volt, der ständig unter Strom steht. Denis Moschitto („Chiko“) ist ebenso mit von der Partie wie der quirlige Stipe Erceg („Die fetten Jahre sind vorbei“) oder André Hennicke. Und Anna Bederke („Soul Kitchen“) gibt eine rabiate Polizistin, mit der wirklich nicht gut Kirschen essen ist.

Volt, Deutschland 2016, 80 Min., FSK o. A., von Tarek Ehlail, mit Benno Fürman, Denis Moschitto und Anna Bederke. (Johannes von der Gathen, dpa)

Foto: Felix Gemein/augenschein Filmproduktion GmbH

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