Montag, 3. Dezember 2018 23:19 Uhr

Filmkritik „Widows“: Jede Menge Leichen pflastern ihren Weg

Es sind vier Frauen, die in „Widows – tödliche Witwen“ ihre Männer bei einem vermasselten Einbruch verlieren. Die Männer verbrennen im Fluchtwagen und die vier Witwen mit und ohne Nachwuchs stehen vor dem Nichts. Denn wo sollte man seine Ansprüche anmelden, wenn der ganze Lifestyle auf Raub beruht?

Filmkritik "Widows": Jede Menge Leichen pflastern ihren Weg

Foto: 2018 Twentieth Century Fox

Veronica (Viola Davis) ist ein kultiviertes Luxusgeschöpf und ein Alphatier dazu. Mit jeder Pore verkörpert das die einzigartige Viola Davis. Ihr Mann Harry (Liam Neeson) was das Mastermind der kriminellen Combo. Witwe Nr. 2 ist Alice (Elisabeth Debicki). Sie wird regelmäßig verprügelt von ihrem Goldstück Florek (Jonathan Bernthal, 42, „The Walking Dead“) und ebenso regelmäßig verzeiht sie ihm. Die dritte Betroffene ist Linda (Michelle Rodriguez). Sie hat einen Modeladen und auch sie wird von ihrem Mann hintergangen. Miete, Einnahmen, die er eigentlich einzahlen sollte, werden von ihm verzockt – ihr Laden wird geräumt.

Witwe Nr. 4 , Amanda (Carrie Coon) hat gerade ihr erstes Kind entbunden und ist zumindest vordergründig beschäftigt mit der Pflege des Babies. Alle haben ein Problem: sie stehen vor dem finanziellen Ruin.

Die Idee

Veronica erhält ein Notizbuch ihres Mannes. Penibel sind dort Informationen zu jedem Coup handschriftlich gesammelt, mit dabei sind ein Streichholzbriefchen, eine technische Zeichnung und unappetitliche, erpresserische Sexfotos. Die technische Zeichnung und die dazugehörigen Infos wären der nächste Job auf Harrys Liste gewesen. Veronica will den jetzt übernehmen.

Schläger im Nacken

Veronica handelt nicht ganz freiwillig. Ihr sitzt der afroamerikanische Gangsterboss Jamal (Tyree Henry) im Nacken, dem Harry 2 Mio schuldet. Mit Jamal zieht „Widows – Tödliche Witwen“ eine weitere Ebene ein – die der Politik. Jamals politische Gegner sind die Mulligans, Vater (Robert Duvall) und Sohn (Colin Farrell). Der Alte ist ein reaktionärer, rassistischer Widerling und sein Sohn ein Schmierlappen, der lieber in seinem schicken Wahlkampfschlitten vor sich hinjammert, was er alles ertragen muss. An seiner Seite ist immer eine Assistentin, ein Barracuda, wie sich herausstellt, die keine Mühe hat, den Strahlemann zusammenzufalten. Herrliche Szene.

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Foto: 2018 Twentieth Century Fox

Vier Musketiere

Ja, schön wärs, wenn die vier Frauen gleich: „Eine für alle!“ rufen würden, aber, nein, beim ersten Treffen, das Veronica veranschlagt hat, ist weit von der Musketier-Romantik entfernt und sowieso: es findet in einer großen Garage statt und es kommen nur drei. Die junge Mutter bleibt fern – aus gutem Grund, wie später klar wird.

Der Plan wird gemacht, die Aufgaben werden verteilt. Alice, die gertenschlanke, 190 cm große Blondine wird den Fluchtwagen und die Waffen beschaffen. Nur soviel sei verraten: Alice wächst über sich hinaus und gibt dem Film einen Hauch von Komik.

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Foto: 2018 Twentieth Century Fox

Der Überfall drängt

Als sie endlich wissen, wo das Gebäude ist, das auf der Zeichnung so penibel vermerkt ist, geht es los. Als Fluchtwagenfahrerin ist Frau Nr. 4 mit an Bord: eine Bereicherung in jeder Hinsicht, Belle (Cynthia Eviro) – drahtig, schnell im Kopf und fix in den Beinen – eine zähe Kämpferin aus dem Niedriglohnsektor zwischen Babysitten und Knochenjobs.

Regisseur Steve McQueen interessiert sich nicht für super-penibel ausgeführte Einbrüche á la „Oceans 11“, die so smart und elegant daherkommen und immer diesen Sophisticated-Touch haben.

Filmkritik "Widows": Jede Menge Leichen pflastern ihren Weg

Foto: 2018 Twentieth Century Fox

Die vier Frauen sind eine Zweckgemeinschaft, die ihr nacktes Überleben sichern sollen, denn die Schlägertruppe um Jamal hat es in sich. Besonders ist der Sadist Jatemme (Daniel Kaluuya, „Get Out“) zu erwähnen, fies, unberechenbar und sehr effizient. Soviel sei gesagt: sie ziehen es durch und natürlich gibt es mehrere Überraschungen und einen sehr bitteren Twist, welcher selbst für die taffe Veronica zu viel ist.

Fazit: Tote Männer pflastern den „Widows – Tödliche Witwen“ den Weg. Starke Schauspielerinnen. Aber: Regisseur Steve McQueen macht eine Rechnung auf, die leider nicht ganz aufgeht. (Kinotante Katrin)

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Foto: 2018 Twentieth Century Fox

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