Donnerstag, 28. Februar 2019 23:09 Uhr

Filmkritik „Wie gut ist deine Beziehung?“: Über Lust und Frust

Foto: X Verleih

Als sein Kumpel jäh von der langjährigen Freundin verlassenen wird, geraten auch bei Steve einige Gewissheiten ins Wanken. Groß wie ein Elefant steht sie im Raum, die Frage: „Wie gut ist meine Beziehung?“. Ab heute im Kino.

Filmkritik "Wie gut ist deine Beziehung?": Über Lust und Frust

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„Keine Angst vor Veränderung!“ Wenn’s nur so einfach wäre. Steve zumindest, von seiner langjährigen Freundin Carola mit ebendiesen Worten morgens zur Arbeit verabschiedet, möchte eigentlich, dass alles so bleibt, wie es ist. Aber auf der Arbeit warten blutjunge Anzugträger mit Berater- und Optimierungsauftrag auf den nicht mehr ganz so blutjungen IT-Spezialisten Steve. Als dann noch sein Kollege und Freund Bob damit rausplatzt, dass seine Freundin ihn von heute auf morgen verlassen hat, beginnt der große Zweifel auch an Steve (Friedrich Mücke) zu nagen.

Wie kommt wieder Schwung in die Beziehung?

Wozu so viel Veränderung? Was, wenn auch Carola (Julia Koschitz) heimlich nicht mehr mit ihm glücklich ist? Und wie zum Himmel kann er notfalls neuen Schwung in die bewährte und geliebte Liebe bringen? Selbstoptimierung und Veränderung scheinen, so schwer ihm das fällt, das Gebot der Stunde.

Fünf Jahre nach seinem Erfolgshit „Wir sind die Neuen!“ über eine lebensfrohe Senioren-WG legt Ralf Westhoff jetzt eine Screwball-Komödie über Lust und Frust langjähriger Partnerschaften nach – und stellt die Frage „Wie gut ist deine Beziehung?“ mitten in den fotogen ausgeleuchteten Lebensraum von Kreativ-Schaffenden um die 40.

Zur Leib gewordenen Bedrohung für das fragile Liebesglück wird dabei ausgerechnet ein in die Jahre gekommener Tantra-Yoga-Lehrer (mit herrlich flatterndem Haar: Michael Wittenborn). Er ist jenseits der 60 und hat einen Bauchansatz, aber auch viel Gefühl für „Schwingungen“. Und in ebensolche versetzt er als neuer Lover nicht nur Bobs Ex-Freundin – er beschleunigt durch einen dämlichen Zufall auch die emotionale Achterbahnfahrt von Steve und Carola.

Filmkritik "Wie gut ist deine Beziehung?": Über Lust und Frust

Foto: X Verleih

Witzig, aber eben plakativ

So einiges, was auf dieser Gefühlschaos-Reise passiert, ist dann witzig, allerdings auch ziemlich plakativ: Die ekstatisch tanzende Tantra-Gruppe, die der verzweifelte Steve zwecks sexueller Weiterbildung besucht. Die grasgrün-gesunden, natürlich zuckerfreien Smoothies, die er zum Jungbleiben tapfer trinkt. Und diverse, gegenseitige Versuche, durch Eifersüchtigmachen die Liebe des Partners neu zu triggern.

Denn auch Carola ist durch Steves verändertes Verhalten zunehmend verstört. Ihre Single-Freundin diagnostiziert bei ihm prompt eine Midlife-Crisis, inklusive junger Freundin, und bohrt mit Fragen wie: „Ist deine Beziehung eine Diktatur?“ Nein? Na, dann sei sie ja automatisch ein Kompromiss. Die Folgen für die sonst so uneitle Carola: Shopping-Rausch und neue Haarfarbe. Blond.

Filmkritik "Wie gut ist deine Beziehung?": Über Lust und Frust

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Trotz solch krachender Klischees gelingen Westhoff aber einige schöne Beobachtungen im Ringen der Partner um eine neue gemeinsame Sprache. Dass diese am Ende eben nicht in krampfhafter Veränderung liegt, sondern gar nicht so viel anders ist als die, die sie seit Langem sprechen, gehört zu den liebenswerten Tönen der temporeichen, wenn auch manchmal etwas dick aufgetragenen Komödie. Vor allem Julia Koschitz bringt sie durch zarte Zwischentöne immer wieder zum Klingen. (Andrea Barthélémy, dpa)

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