Montag, 12. März 2018 21:10 Uhr

Filmkritik „Winchester“: Helen Mirren im Horrorhaus

Spukhäuser und Horrorfilme gehören einfach zusammen. Doch ob diese Kombination immer hält, was sie verspricht? Eine Antwort darauf gibt „Winchester – Das Haus der Verdammten“.

Filmkritik "Winchester": Helen Mirren im Horrorhaus

Foto: Splendid Film

Ein Haus voller Geheimnisse, eine mysteriöse Witwe und ein labiler Psychiater mit einer Vorliebe für Drogen: Das ist der Stoff, aus dem der neue Horrorfilm des deutsch-australischen Regisseurgespanns Peter und Michael Spierig („Jigsaw“, „Undead“) ist.

In der Hauptrolle ist Helen Mirren („Die Queen“) zu sehen. Das Winchester-Haus im kalifornischen San José zieht seit Jahrzehnten Fans von Geistergeschichten an. Aus der ganzen Welt strömen die Touristen in das Haus, das keiner Architektur zu folgen scheint und in dem der Legende nach übernatürliche Kräfte ihr Unwesen treiben sollen. Anfang des 20. Jahrhunderts verwandelte die Witwe eines Gewehrfabrikanten, Sarah Winchester, ein einfaches Farmhaus mit acht Zimmern in ein verwirrendes Labyrinth aus mehr als 500 Räumen. Unzählige Mythen ranken sich um die Frage, warum die Witwe Jahrzehnte ihres Lebens und große Teile ihres Vermögens in eine nicht enden wollende Baustelle investierte.

Wie krank ist die Hausherrin?

Für die in Norddeutschland geborenen Horrorexperten Peter und Michael Spierig Grund genug, einen Film über die mysteriöse Witwe und ihr Gruselhaus zu drehen: Dr. Eric Price (Jason Clarke), ein drogenabhängiger Psychiater mit einer Vorliebe für Prostituierte, wird vom Vorstand des Winchester-Waffenimperiums beauftragt, den Geisteszustand der millionenschweren Witwe zu untersuchen. Sie soll für psychisch krank erklärt und von ihren Aufgaben als Aktionärin des Unternehmens entbunden werden.

Filmkritik "Winchester": Helen Mirren im Horrorhaus

Foto: Splendid Film

Kaum ist Price in dem Haus angekommen, beginnt der Wissenschaftler, verstörende Dinge zu sehen. Zunächst glaubt er an Halluzinationen, die durch seinen Drogenkonsum ausgelöst werden.

Als er aber beobachtet, wie Sarah Winchester in Trance Pläne für das Haus zeichnet, ist für ihn klar: Hier stimmt etwas nicht. Von ihm zur Rede gestellt erklärt ihm die Erbin des Waffenimperiums, dass sie die Aufträge für den Bau der Räume aus dem Jenseits erhält. Und zwar von jenen Geistern, die ihr Leben durch eine Winchester-Waffe verloren haben. Um die Seelen der Geister zu erlösen und sich von ihrer eigenen Schuld zu befreien, baut Sarah Winchester die Räume nach, in denen sie gestorben sind.

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Foto: Splendid Film

Erschreckend vorhersehbar

Es sind die altbewährten Stilmittel des Horror-Genres, derer sich die Spierig-Brüder großzügig bedienen, um dem Gruselhaus Leben einzuhauchen: Geister, die plötzlich in Spiegeln auftauchen, Menschen, die plötzlich Geister sind, und natürlich besessene Kinder. Das muss grundsätzlich nichts Schlechtes sein – und dennoch misslingt es ihnen, diese Ideen wirklich kreativ einzusetzen. Der Film bleibt bis zum Schluss fast schon erschreckend vorhersehbar. Als Zuschauer sehnt man sich geradezu einen Überraschungsmoment herbei, der der Handlung eine nicht erwartbare Wendung gibt. Und bleibt enttäuscht zurück, wenn man realisiert: Es gibt sie nicht.

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Foto: Splendid Film

Trotz seiner vielen Schwächen hat „Winchester“ allerdings eine große Stärke: Helen Mirren. Die britische Schauspielerin mimt die willensstarke Witwe, die wegen ihres wahnsinnig erscheinenden Vorhabens am Rande der Gesellschaft steht, überzeugend. Und auch Jason Clarke („Wall Street“, „Der große Gatsby“) in der Rolle des gebrochenen Helden Dr. Eric Price wertet den Film auf. Doch auch die sehr guten schauspielerischen Leistungen können nicht über die frappierende Ideenarmut des Films hinwegtäuschen. (Christina Sabrowsky, dpa)

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