Dienstag, 25. Juni 2019 22:48 Uhr

Filmkritik „Wo ist Kyra?“: Michelle Pfeiffer in einem düsteren Drama

Foto: Kinostar

Sie brillierte einst in den emotionalen Abgründen der „Gefährlichen Liebschaften“ und kämpfte sich durch „Avengers: Endgame“ – aber als fast-obdachlose Kyra muss US-Star Michelle Pfeiffer sich nun ganz besonderen Herausforderungen stellen.

Filmkritik "Wo ist Kyra?": Michelle Pfeiffer in einem düsteren Drama

Foto: Kinostar

Michelle Pfeiffer ist zurück – großartig, rau und ergreifend, aber in einem dunklen, dunklen Film. „Wo ist Kyra?“, 2017 bereits auf dem Sundance Festival für Pfeiffers Darstellung gefeiert und nun in deutschen Kinos, macht schon in der ersten Szene klar: Das wird kein Film zum Wohlfühlen.

An einer Bushaltestelle in einer bitterarmen Ecke von Brooklyn zieht ein grauer, verregneter Morgen herauf. Und damit ein weiterer Tag im Kampf um Würde und Überleben für Kyra, die Mann und Job verloren und bei ihrer alten Mutter (Suzanne Shepherd) Unterschlupf gefunden hat.

Knallhartes Kammerspiel

Der nigerianisch-stämmige Regisseur Andrew Dosunmu hat diesen Kampf um den Erhalt selbstbestimmten Lebens in einer der härteren US-Realitäten als Kammerspiel in Szene gesetzt, in dem es nie wirklich hell wird. Beige, braune, dunkelgrüne Farben dominieren die Welt, in der Kyra sich um ihre kranke Mutter kümmert, sie badet, pflegt und nebenher verzweifelt nach einem neuen Job sucht. Anrührend die Szenen, in denen sich die längst nicht mehr junge Kyra (Michelle Pfeiffer war beim Dreh Ende 50) sorgfältig schminkt, föhnt, in einen viel zu engen Rock zwängt – um den dringend benötigen Job dann doch nicht zu kriegen, weil ein Teenager ihn ihr wegschnappt.

Filmkritik "Wo ist Kyra?": Michelle Pfeiffer in einem düsteren Drama

Das auch finanziell wackelige Lebensgebilde stürzt zusammen, als die Mutter stirbt. Nach anfänglicher Scheu rutscht Kyra hinein ein Geflecht aus Lügen und Betrügereien, um mit der Rente der Mutter irgendwie zu überleben.

Als sie in einer Bar Doug (Kiefer Sutherland in bewährter Rolle als sympathisch-kantiger good guy) kennenlernt, scheint für einen Moment ein Neuanfang möglich. Doch dann steht bei Kyra die Zwangsräumung an, auch Doug lässt sich wider Willen in die illegalen Machenschaften verstricken – und das Netz zieht sich zu.

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Dies alles erzählt Dosunmu in extrem ruhigem Tempo, so gut wie ohne Musik und oft in langen, schweigsamen Szenen, die nur vom Ticken einer Uhr oder Autohupen untermalt werden. Man sucht den Helligkeitsregler, doch in diesem Film gibt es ihn nicht. Das extrem sparsam eingesetzte Personal verhindert zudem, dass sich neue Perspektiven oder Aktionsräume öffnen, die der Geschichte noch den ein oder anderen Dreh verschaffen könnten. Ohne größere Überraschungen driftet das Drama deshalb einem durchaus absehbaren Ende entgegen. Dennoch: Pfeiffers packender Auftritt dürfte es rausreißen für all jene, die keine Angst vor der Dunkelheit haben. (Andrea Barthélémy, dpa)

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