Mittwoch, 25. August 2010 12:53 Uhr

First Steps Awards 2010 in Berlin verliehen

Berlin. Die Preisverleihung der ‚First Steps Awards‘ 2010 fand gestern Abend zum elften Mal in Berlin statt und der schnuckelige Schauspieler und Autor Franz Dinda (Foto unten mit Schauspielkollegen Peter Lohmeyer) moderierte die Gala. Zu den Preisträgern zählten 2010: Martin Wallner, Yoshi Herimrath, Stefan Leuchtenberg, Helene Schwarz, Stefan Ludwig, Florian Friedrich Dünzen, Fabian Möhrke (siehe Foto von links nach rechts)

„First Steps – Der Deutsche Nachwuchspreis“ wird seit 2000 jährlich an Abschlussfilme von Studentinnen und Studenten der Filmschulen in den deutschsprachigen Ländern verliehen. Der Preis soll dazu beitragen, der Branche das hohe kreative Potenzial des Nachwuchses zu präsentieren und den Absolvent/innen die „ersten Schritte“ in den Beruf zu erleichtern.

In die Auswahl einbezogen werden alle Abschlussfilme des Jahrgangs in allen Längen, Genres und Formaten. Das besondere Augenmerk gilt dabei Filmen mit fiktiver Handlung, Dokumentarfilmen und Werbespots. Einreichschluss war am 31. Mai 2010.

Die ‚First Steps Awards‘ sind mit insgesamt 72.000 Euro dotiert. Drei Preise mit 10.000 Euro, 15.000 Euro und 25.000 Euro gehen an kurze, mittellange und abendfüllende Spielfilme. Der Dokumentarfilmpreis ist mit 12.000 Euro dotiert, der Commercial Award ist mit 10.000 Euro verbunden. 2010 wird einmalig ein Sonderpreis für Kamera vergeben. Der Preis ist gestiftet von KODAK Stuttgart und mit Filmmaterial im Wert von 5.000 Euro dotiert.

Die Jurys 2010:
SPIELFILME Hagen Bogdanski, Ulrike Folkerts, Bernd Lange, Ludwig Trepte, Klaudia Wick
DOKUMENTARFILME Aelrun Goette, Gerd Ruge, Klaus Stern
WERBESPOTS Ingmar Bartels, Florian Beisert, Gregor Gründgens, Jochen Kalka, Matthias Schweighöfer (siehe Foto unten)

Die Preisträger und die Begründungen der Jury:

FIRST STEPS Award 2010 in der Kategorie Kurz- und Animationsfilme:

A LOST AND FOUND BOX OF HUMAN SENSATION
Regie: Martin Wallner & Stefan Leuchtenberg, Fachhochschule Augsburg
Zwei Studenten aus Augsburg führen uns vor, was man mit Animationsfilm alles machen kann: eine visuelle Tour de Force, die ideen- und temporeich die Vielfalt animierter Techniken und Bildwelten auslotet. Nicht zuletzt dank der sensationellen stimmlichen Mitwirkung von Joseph Fiennes und Ian McKellen befinden wir uns hier auf internationalem Niveau. – Aber die eigentliche Stärke dieses kleinen Meisterwerks liegt darin, dass es all seine beeindruckenden Schauwerte einer Erzählung unterordnet, wie sie einfühlsamer und berührender kaum sein könnte. Lehrjahre des Gefühls: In nur 15 Minuten spannen Martin Wallner & Stefan Leuchtenberg einen Bogen von der tiefen Trauer über den Tod des Vaters bis zu ihrer Überwindung durch das Leben. Dieses Poem über die Trauerarbeit strahlt eine emotionale Magie aus, der sich niemand entziehen kann.

FIRST STEPS Award 2010 in der Kategorie Spielfilme bis 60 Minuten:

PHILIPP
Regie: Fabian Möhrke, Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ Potsdam-Babelsberg
Wo immer Philipp ist, was immer Philipp will, sein Vater Bernd ist schon da. An Papi führt kein Weg vorbei. Aus einzelnen, erzählerisch aufeinander aufbauenden Plansequenzen entwickelt der Film von Fabian Möhrke einen immer stärker werdenden Sog und vermittelt die Hilflosigkeit eines Pubertierenden gegen seinen perfekten Vater. Dabei verliert er bis zu seinem unerwarteten Ende niemals die Balance aus Humor und Ernsthaftigkeit, bleiben Kamera und Drehbuch in einer faszinierenden Schwebe zwischen Komödie und Drama. Die herausragenden Darsteller (allen voran Max Hegewald und Hans-Jochen Wagner), die Kamera von Marco Armborst fügen sich nahtlos ein in einen Film, den man letztlich nur als Gesamtkunstwerk betrachten kann.

FIRST STEPS Award 2010 in der Kategorie Dokumentarfilme:

EIN SOMMER VOLLER TÜREN
Regie: Stefan Ludwig, Hochschule für Fernsehen und Film München
Aus großer Nähe beobachtet das nüchterne Auge der Kamera, wie junge Leute einer Drückerkolonne Geld für die Zwecke einer wohltätigen Vereinigung eintreiben und wie sie in einer fast unerbittlichen Endlosschleife Rentner zum Spenden überreden und abzocken. Manche von ihnen sind stolz und zufrieden, wenn es dann klappt, andere selbstkritisch besorgt über diese Verknotung von Geldsammeln und Geldverdienen. Es gibt keinen moralisierenden Kommentar. Es ist vielmehr die unerbittlich neutrale Kamera, die schließlich die Frage stellt, was es für ihr Leben und für unsere Gesellschaft bedeutet, wenn der Chef der karitativen Drückerkolonne seine Leute lobt, weil sie mit ihrer Arbeit einen großen Teil unseres Sozialsystems am Leben erhalten. Der Film erreicht so eine ungewöhnlich große Nähe zu seinem Thema und den ganz unverstellt handelnden Personen.

FIRST STEPS Commercial Award 2010:
LADA NIVA „ROSCOSMOS EDITION I-III“
Regie: Florian Friedrich Dünzen, Hochschule für Fernsehen und Film München

Einmal MIR und zurück. Zwei Kosmonauten statten der russischen Raumstation einen Kurzbesuch ab. Gäbe es eine bessere Reisemöglichkeit, als den mit einer Trägerrakete ins All geschossenen Geländewagen Lada Niva? Wir meinen: nein!
Äußerst robust gegen unvorhergesehene Kollisionen mit britischen Nachrichtensatelliten, und auch für den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre bei über tausend Grad geeignet. Lediglich die Fenster sollte man vor dem Erreichen des luftleeren Raums hochkurbeln.

Scheinbar mühelos entwirft und inszeniert Regisseur Florian Friedrich Dünzen dieses im wahrsten Sinne des Wortes schwerelose Szenario. Coole Idee, Casting nicht von dieser Welt, traumhaft präzises Timing, federleichte Dramaturgie und in jeder Formulierung spritzige Dialoge ergeben in Summe eine überirdisch gute Kampagne.

Die beeindruckende Liebe zum Detail spiegelt sich dabei nicht nur im authentischen, animierten Lada-Logo am Spot-Ende, sondern quasi in jeder einzelnen Einstellung wider. Apropos Detail: Jetzt haben wir auch eine Vermutung, warum die MIR 2001 zum kontrollierten Absturz gebracht werden musste…

Bei all dieser Inszenierungsfreude vergisst Florian Friedrich Dünzen jedoch das allerwichtigste Element nicht: eine stringent durchgezogene Produktbotschaft, die Markenpassung garantiert und Interesse und Faszination für das Fahrzeug weckt.

Ja, wir waren auf der Lada-Website. Es gibt ihn wirklich. Herzlichen Glückwunsch!

FIRST STEPS Sonderpreis 2010 für Kamera, gestiftet von Kodak Stuttgart:

SHAHADA
Kamera: Yoshi Heimrath, Filmakademie Baden-Württemberg Ludwigsburg
Yoshi Heimraths Kamera zieht uns mitten hinein in die Schicksale der Protagonisten von „Shahada“. Obwohl mehr oder weniger „on Location“ gedreht, gelingt ihm scheinbar mühelos immer ein komponiertes Bild, ohne dabei die Figuren in den Hintergrund zu rücken. Mit einer intelligenten Auflösung werden die unterschiedlichen Episoden visuell miteinander verbunden und gleichzeitig von einander abgesetzt. Heimrath gelingt es, dem medial bis zur Erschöpfung auserzählten, großstädtischen Berlin wieder neues Leben einzuhauchen. In keinem Moment ist spürbar, dass es sich um eine studentische Arbeit handelt. Hier arbeitet jemand auf einer ganz sinnlichen Ebene und erzeugt Bilder, die gleichzeitig schön sind und wehtun – und immer emotionalisieren. Dabei bewegt er sich ganz auf kongenialer Augenhöhe mit seinem Regisseur: eine Zusammenarbeit, von der wir uns noch viel versprechen!

FIRST STEPS Award 2010 in der Kategorie Abendfüllende Spielfilme:

BIS AUFS BLUT – BRÜDER AUF BEWÄHRUNG
Regie: Oliver Kienle, Filmakademie Baden-Württemberg Ludwigsburg
Oliver Kienles Abschlussfilm meistert bereits in seiner Titelsequenz, wofür mach anderer Film seine ganze Länge benötigt: Knast und Frauen bringen die Freunde Tommy und Sule nicht auseinander, aber als Tommy plötzlich wegen Dealen mit Hasch verhaftet wird, stellt sich die Frage, wer ihn verpfiffen hat. Diesen versierten Umgang mit filmischen Mitteln hält der Film vom Beginn bis zur letzten Minute. Das Drehbuch ist realitätsnah geschrieben, komplex und bemerkenswert gekonnt dramatisiert. Jacob Matschenz und Burak Yigit verkörpern die beiden „Blutsbrüder“ mit einer selten gesehenen Lust am Spiel. Auf dieser Grundlage erzählt Oliver Kienle ein glaubwürdiges, nah am Lebensgefühl seiner Protagonisten orientiertes Stück Kino, ohne falsches Pathos, originell und makellos inszeniert.

Fotos: First Steps, AEDT/Wenn.com

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