Freitag, 25. Juni 2010 16:17 Uhr

Frank Giering: „Ich bin überhaupt nicht gerne Einzelgänger“

München. Er galt als eines der hoffnungsvollsten Schauspieltalente seiner Generation. Doch privat hatte Frank Giering mit Ängsten, Selbstzweifeln und Alkoholproblemen zu kämpfen: „Oft habe ich das Gefühl, dass ich nur wegen meiner Arbeit ernst genommen werde“, sagte er in einem TELE 5-Interview vor zwei Jahren. Seine Stimme klang dabei leise, verletzlich und brüchig. Und doch sprach der Schauspieler über seine private, tragische Seite viel offener als die meisten Kollegen, die ihr wahres Ich hinter einer Maske verbergen.

Am Mittwoch ist Giering, der in den letzten Momaten 20kg abgenommen hatte, mit nur 38 Jahren offenbar an Herzversagen in seiner bescheidenen 45-Quadratmeter-Wohnung in Berlin gestorben.

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„Ich bin überhaupt nicht gerne Einzelgänger, lasse mich aber gern in die Rolle reinschieben“, erzählte der Schauspieler freimütig im
Interview. In der Liebe war er ebenso ein Spätzünder, den ersten Sex erlebte er mit 24 Jahren. Das war beim Dreh von Michael Hanekes Psychohorror ‚Funny Games‘: „Am Tag darauf drehten wir die Szene, in der ich erschossen werde. Als ich tot an der Wand hing,
fühlte ich mich so stark. Leider ging die Beziehung aber nach dem Dreh recht schnell auseinander“, verriet er. Seine Probleme
mit Frauen und seine Einsamkeit vor allem nach Beendigung von Filmarbeiten machten dem gebürtigen Magdeburger zu schaffen: „Ich
glaube, dass oft nur die Arbeit einen richtig zusammenschweißt. Es ist sehr schade, wenn nach Drehende alle ihren eigenen Weg gehen, vor
allem, wenn die Kollegen sehr nett sind. Wenn man sich dann wieder trifft, bleibt das Gespräch meist recht oberflächlich.“

In den Schlagzeilen war Giering fast nie zu finden. Partys, Feste und Preisverleihungen mied er: „Mir hat mal jemand gesagt: ‚Wer mit uns
den Fahrstuhl hochfährt, der fährt ihn auch mit uns runter‘. Da habe ich gesagt: Runterfahren will ich nicht – zumindest nicht öffentlich.“

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Die Rolle des Polizisten in der erfolgreichen TV-Serie ‚Der Kriminalist‘ muss für den scheuen Star eine Art Selbsttherapie gewesen sein: „Ich dachte zuerst, dass ich nur den Bösen oder Zurückgezogenen spielen kann. Das ist ja auch immer ein Schutzreflex.
Aber als Kommissar kannst du das nicht, da musst du für den anderen da sein, du musst mit ihm agieren und nicht gegen ihn. Insofern ist es ein sehr gutes Training für mich.“ Wie schwer es Giering fiel, Verantwortung zu übernehmen, verrät die Reaktion auf den Vorschlag
seines Kollegen Christian Berkel, sich einen Hund zuzulegen: „Ich antwortete, dass ich mich nicht trauen würde, auf ihn aufzupassen.“

Fotos: ZDF

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