Franz Hartwig: Alles über den Star aus Ferdinand von Schirachs „Feinde“

Franz Hartwig: Alles über den Star aus Ferdinand von Schirachs "Feinde"
Franz Hartwig: Alles über den Star aus Ferdinand von Schirachs "Feinde"

© imago images / Sven Simon

03.01.2021 19:46 Uhr

Ferdinand von Schirach lieferte für das TV-Doppel-Event „Feinde“ zwei Perspektiven. Der Bestseller-Autor umkreist in „Feinde“ den sehr theoretischen Fragenkomplex, ob Gerechtigkeit durch Recht erlangt werden kann.

Im Zentrum des TV-Abends steht der Entführungsfall eines Mädchens aus reichem Hause. Die ARD machte zwei Filme daraus:
„In Feinde – Gegen die Zeit“ wird der Fall aus der Sicht des Polizei-Ermittlers Nadler, dargestellt von Bjarne Mädel (Mord mit Aussicht, Tatortreiniger), erzählt.

Der zweite Film, der zeitgleich ab 20.15 Uhr in sämtlichen dritten Programmen ausgestrahlt wird, widmet sich einer ganz anderen Perspektive des gleichen Falles. In „Feinde – Das Geständnis“ wird das Vorgehen des Verteidigers Konrad Biegler gezeigt. Für die Rolle des Verteidigers konnte kein geringerer als der Oscar-Preisträger Klaus Maria Brandauer (Mephisto, Jenseits von Afrika) verpflichtet werden.

Franz Hartwig: Alles über den Star aus Ferdinand von Schirachs "Feinde"

© ARD Degeto/Moovie GmbH/Stephan Rabold

Der Rahmen des Gerichts-Dramas ist gesetzt

Von Schirach hat echte Entführungsfälle über Jahrzehnte hinweg analysiert. In der Fiktion „Feinde“ wird ein Mädchen, dessen Eltern stinkreich sind, entführt. Der Kripobeamte Nadler (Bjarne Mädel) ist ein erfahrender Ermittler. Als ihm Georg Kelz (Franz Hartwig) gegenüber sitzt, sagt ihm sein 6. Sinn, dass der Typ Dreck am Stecken hat. Die Zeit drängt, aber Kelz schweigt beharrlich.

Die mit Abstand schwierigste Rolle – der Täter Kelz – in „Feinde“ spielt ein gespenstisch wandelbarer und doch unbekannter Schauspieler im deutschsprachigem Raum – Franz Hartwig. Wer ist das eigentlich?

Ein Mann für fiese Abgründe

Der dreifache Familienvater Franz Hartwig ist eigentlich ein Theatertier (Schaubühne, Berlin) – und das ist durchweg positiv gemeint. Seine ersten Bühnenerfahrungen sammelte er in der Jugendschauspielgruppe des Theaters „Junge Generation“ in Dresden. Er begann seine Filmkarriere mit kleineren Rollen in den Kinofilmen „Männerherzen … und die ganz ganz große Liebe“ (2011; Regie: Simon Verhoeven) und „A Most Wanted Man“ (2014; Regie: Anton Corbijn).

Der 35-jährige gebürtige Dresdner schauspielert nicht nur, er kann auch Pantomime und – hört, hört – ist auch ausgebildeter Tenor. Vielleicht sollte man das im Hinterkopf behalten, wenn man den äußerst Umtriebigen erlebt, wie er in die Abgründe des Menschseins schaut.

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Diese Figuren sind seine Spezialität

Der Schauspieler mit dem Durchschnittsgesicht ist nicht 100 Prozent auf Typen festgelegt, das wäre ja auch Stillstand. Aber er kann diese Sorte unangenehme Menschen spielen, die sich einem ins Gehirn winden, wie im Tatort „Totenstille“ (2016).

Herrlich albern zusammen mit Andrea Sawatzki wie in „Zwei verlorene Schafe“ (2016) geht aber auch! Aber die Spezialität von Franz Hartwig, wenn wir das mal so nennen wollen, dass sind die Figuren, die von Hass, Verwirrung oder anderen Traumata getrieben sind. Die neben der Spur, die so tun, als wären sie harmlos, aber dann… Wir warten auf die Rolle, wo er seine Tenorstimme zum vollen Einsatz bringt.

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Das Schauspiel-Juwel über „Feinde“

Im Gespräch zu der Produktion sagt Franz Hartwig: „Als mich Nils Willbrandt, der Regisseur, gefragt hat, ob ich bei diesem Projekt dabei sein möchte, war mir bereits nach fünf Minuten Gespräch klar, dass ich das machen muss. „Ferdinand von Schirach: Feinde“ gehört zu jenen seltenen Perlen, die einem nicht so oft begegnen. Während der Dreharbeiten mit Nils und den Kollegen hat sich mein Gefühl bestätigt. Es war eine sehr konzentrierte, hochemotionale, unglaublich genaue und sehr, sehr fordernde Aufgabe, psychisch wie körperlich. Genau deswegen bin ich Schauspieler geworden!“

Franz Hartwig: Alles über den Star aus Ferdinand von Schirachs "Feinde"

© ARD Degeto/Moovie GmbH/Stephan Rabold

Weiter führt der Ausnahme-Schauspieler aus: „Es gab für mich dabei zwei besondere Herausforderungen in diesem Film. In enger Absprache mit Nils Willbrandt wollten wir Kelz als einen Menschen zeigen, dessen Bildungsstand unter dem meinen liegt. Das hört sich vielleicht banal an, ge-staltete sich aber als echte Herausforderung – den Spagat zu schaffen, nicht klüger als die Figur zu sein und sich trotzdem nie über sie zu erheben. Es war uns besonders wichtig, keine Stereotype zu karikieren und Kelz weder explizit als Opfer noch als Täter darzustellen. Klingt kompliziert, war es auch.“

Damit nicht genug: „Die zweite Herausforderung war definitiv von physischerNatur. Ich hatte vorher noch nie so etwas gemacht und in der Ausführung unerbittlich. Es hat sich gelohnt!“

Filmtipp jenseits von „Feinde“

Wer mit den Juristen-Drama á la von Schirach nicht so ganz klarkommt oder wer, wie wir, gar nicht genug vom Chamäleon Franz Hartwig kriegen kann, dem legen wir dringend ans Herz, sich die Mini-Serie „Der Pass“ anzusehen. Da ist er als Serienmörder zu sehen. Die läuft ab 3. Januar in der ZDF-Mediathek.

In den Hauptrollen Franz Hartwig, Julia Jentsch (Geschwister Scholl) und Schauspiel-Gott Nicholas Ofczarek (Braunschlag, Tatort: Die Geschichte vom bösen Friedrich)

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Sendetermine

Feinde – Gegen die Zeit, ARD 3. Januar 20.15 Uhr

Feinde – Das Geständnis
Alle 3. Programme der ARD, ebenfalls 3.1., 20.15 Uhr

Danach sind beide Filme und eine komprimierte Form(45 Min.) aus beiden Teilen plus Dokumaterial in der ARD-Mediathek abrufbar