03.06.2020 19:13 Uhr

Franziska van Almsick: „Das ist es, was die Kinder einfach können müssen!“

Radio Bremen

Gestern Abend war Franziska van Almsick zu Gast in der Radio Bremen Talkshow „3nach9“. Im ARD „Talk am Dienstag“ warnte die mehrfache Schwimm-Weltmeisterin eindringlich davor, unbedacht ins Wasser zu springen. Gerade Kinder seien sehr gefährdet, da der Schwimmunterricht, bedingt durch die Pandemie, zu kurz gekommen ist.

Mit der Öffnung der Freibäder kehrt derzeit vielerorts ein Stück Normalität in der Corona-Krise zurück. Die ehemalige Weltklasse-Schwimmerin Franziska van Almsick begrüßt diesen Schritt zwar grundsätzlich, warnt jedoch vor leichtsinnigem Verhalten in der kommenden Badesaison. Dies könne lebensgefährliche Folgen haben. „In diesem Sommer laufen wir Gefahr, viele Kinder oder erwachsene Menschen zu verlieren, weil sie den Umgang mit Wasser in den letzten Monaten nicht üben konnten“, erklärte die 42-Jährige in der Radio Bremen-Talkshow „3nach9“, die am Dienstag im Ersten ausgestrahlt wurde.

Franziska van Almsick: "Das ist es, was die Kinder einfach können müssen!"

Radio Bremen

Wartelisten

Durch die wochenlange Schließung der Sportstätten habe sich ein ohnehin bestehendes Problem weiter verschärft: Jeder zweite Drittklässler in Deutschland könne nicht sicher schwimmen, führte van Almsick im Gespräch mit Gastgeber Giovanni di Lorenzo aus.

„Normalerweise gehört der Schwimmunterricht in die erste, zweite Klasse an jede Grundschule“, findet sie. Die Realität sehe jedoch häufig anders aus: „Es gibt wahnsinnig viele Familien, die ihre Kinder gerne zum Schwimmunterricht bringen möchten, aber dafür gibt’s mittlerweile Wartelisten.“ Manche Gemeinde verfüge gar nicht mehr über eine eigene Schwimmhalle.

Die mehrfache Welt- und Europameisterin setzt sich mit der nach ihr benannten Stiftung dafür ein, dass hierzulande möglichst flächendeckend Schwimmunterricht angeboten werden kann. „Schwimmen lernen ist elementar. Das ist etwas, was die Kinder einfach können müssen“, erklärte sie bei „3nach9“. Leider würden die Prioritäten bisweilen anders gesetzt. „Da ist es wichtiger, dass das Kind schon Chinesisch in der ersten Klasse hat.“

Zufrieden mit der Karriere

Auf ihre eigene sportliche Karriere, die 2004 endete, blickt Franziska van Almsick zufrieden zurück – auch wenn der Traum von Olympia-Gold für sie immer unerfüllt blieb. „Ich rede von mir immer gerne als die Unvollendete, die aber ihr Glück gefunden hat“, kommentierte sie. „Ich bin glücklich damit, dass ich nicht alles erreicht habe in meinem Leben. Und für diese Erkenntnis bin ich sehr dankbar.“ Angesprochen und um Autogramme gebeten werde sie heute vor allem von reiferen Fans. Während sie im schulischen Umfeld ihrer beiden Söhne kaum erkannt werde, sehe das etwa bei der Begegnung mit Rentnern im Luisenpark in Mannheim ganz anders aus, so van Almsick schmunzelnd. „Das sind eben die, die vor 20, 25 Jahren mitgefiebert haben.“