25.07.2019 20:42 Uhr

Frau Merkel, Herr Schröder und die Maus in Bayreuth

Es war heiß, die Kleider klebten am Leib. Die Gäste der Eröffnung der Bayreuther Festspiele waren dennoch guter Laune. Dafür sorgte nicht zuletzt der neue „Tannhäuser“ mit einem beschwingten und humorvollen Beginn.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel kommt ohne ihren Mann zu den Bayreuther Festspielen. Foto: Daniel Karmann

Das Schaulaufen auf dem roten Teppich bei der Eröffnung der Bayreuther Festspiele war eine schweißtreibende Angelegenheit. Während die Sonne vom Himmel knallte und die Wetterdienste Rekordwerte meldeten, posierten Politiker, Schauspieler und andere Prominente vor den Fotografen und Fernsehteams.

Die Kanzlerin kam ohne den Gatten

Sie waren gekommen, um Richard Wagners Oper „Tannhäuser“ zu sehen. Die Neuinszenierung von Tobias Kratzer mit Waleri Gergijew als Dirigent ließ die Hitze und die Strapazen schnell vergessen. Schon nach dem 1. Akt gab es begeisterten Beifall.

Die Regentin strahlt. Foto: imago images / APress

Regisseur Kratzer macht die Festspiele selbst zum Thema, ebenso wie den Gegensatz zwischen Popkultur und Hochkultur. Auf der Bühne: Ein Nachbau des Festspielhauses. Der Chor als Wagner-begeistertes Publikum läuft den Grünen Hügel hoch und fächelt sich dabei Luft zu. In der ersten Pause gab es eine Einlage im Festspielpark.

Ein Travestiekünstler, in der Oper der Hüter des Venusberges, sang „Holiday“ von Madonna und einen Song aus dem Zeichentrickfilm „Arielle“.

Gerhard Schröder war 2003 als erster Bundeskanzler zu den Bayreuther Festspielen gekommen. An seiner Seite heute seine Frau Soyeon Kim. Foto: Tobias Hase

Unter den Ehrengästen war auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die ohne ihren Mann Joachim Sauer angereist war. Stattdessen erschien sie mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU). „Ich bin heute zuständig für meine Frau und für die Kanzlerin“, scherzte Söder, der Merkel über den roten Teppich begleitet hatte.

Backofen-Hitze und dann auch noch Smoking!

Die Frauen hatten es bei der Eröffnung der traditionsreichen Festspiele um einiges leichter. Die meisten trugen bunte, luftige Abendroben. Die Männer dagegen trotzten den schweißtreibenden Temperaturen in schwarzen Anzügen und Smokings, meistens sogar noch mit Fliege.

Da kommt die Maus ganz schon ins Schwitzen: Sie ist mit Armin Maiwald für Dreharbeiten nach Bayreuth gekommen. Foto: Daniel Karmann

„Wenn die Oper gut ist, spürt man weder Hitze noch Kälte“, sagte Schauspielerin Michaela May, die ein elegantes Goldkleid gewählt hatte. Goldtöne gab es auch in Merkels Kostüm, mit grün-changierendem, langem Rock und Oberteil mit Dreiviertelärmeln. Bei Bundesdigitalministerin Dorothee Bär (CSU) glitzerte es dagegen am Fuß: Sie trug extravagante, silberne Pumps mit hohen Absätzen.

Im Publikum saßen auch der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) mit seiner Gattin Soyeon Kim, die Schauspieler Harald Krassnitzer und Udo Wachtveitl sowie zahlreiche Politiker, etwa Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

Bundeskanzlerin Angela Merkel schreitet mit dem Bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder und dessen Frau, Karin Baumüller-Söder, über den roten Teppich. Foto: Tobias Hase

Die Maus dreht in der Gegend

Und was machte die Maus in Bayreuth? Der Grund: Dreharbeiten. „Wir sind halt hier, weil wir für ‚Die Sendung mit der Maus‘ einen Film gemacht haben, wie so eine Aufführung in Bayreuth gemacht wird“, sagte Moderator Armin Maiwald, als er die Figur aus der bekannten Kinderwissenssendung des Westdeutschen Rundfunks zum Festspielhaus führte – Hand in Pfote.

Mit Fliege: Gesundheitsminister Jens Spahn mit Ehepartner Daniel Funke. Foto: Tobias Hase

In dem orangefarbenen, plüschigen Mäusekostüm steckte eine Frau, die einiges aushalten musste – brannte die Sonne doch nur so vom Himmel. Wie viel Grad wohl unter dem Kostüm herrschen? „45, 50 Grad hat’s bestimmt“, mutmaßte Maiwald. Die Maus selbst wollte dazu nichts sagen, würde sie doch sonst aus der Rolle fallen. „Unsere Maus ist immer stumm, wird sie immer bleiben“, so der Moderator. (dpa/KT)