14.08.2020 18:00 Uhr

Garten schützen: Diese Parasiten richten im Sommer großen Schaden an

Wer einen eigenen Hausgarten voller Pflanzen hat, bekommt es im Sommer mit hartnäckigen Parasiten zu tun. Wie man die Schädlinge umweltschonend loswird, weiß Gartenexpertin Eliz Simon.

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Durch die Corona-Pandemie findet dieses Jahr bei vielen der Urlaub im heimischen Garten statt. Im Sommer machen sich dort allerdings vermehrt Parasiten breit, die sich an den reich blühenden Pflanzen und Gemüsesorten satt essen. Gartenexpertin Eliz Simon, Autorin von „Versorge dich selbst: Das große Handbuch“ (Riva Verlag), erklärt im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news, auf was es bei der Gartenpflege im Hochsommer ankommt und wie sich Schädlinge auch umweltschonend beseitigen lassen.

Frau Simon, welche Gartenschädlinge sind im Sommer besonders aktiv?

Eliz Simon: Die sechs Arten von Schädlingen, die im Hausgarten am häufigsten vorkommen und den größten Schaden anrichten, sind: Wühlmäuse, Schnecken, Raupen (vor allem Raupen des Kohlweißlings), die Larven der Kohlfliege, weiße Fliegen und Blattläuse. Im Hochsommer, wenn die Erntezeit langsam beginnt, freuen sich in ländlichen Gebieten auch noch größere Tiere über den reich gedeckten Tisch im Hausgarten. Hasen und Kaninchen, manchmal sogar Rehe stöbern im Kohl und Salat, Amseln und Stare fallen über Kirschbäume und Beerensträucher her und können ganze Ernten vernichten.

Welchen Schaden richten sie im Garten an?

Simon: Wühlmäuse werfen hohe und unansehnliche Haufen aus der Erde. Wühlmaushaufen sind grundsätzlich höher als Maulwurfhaufen. Durch ihre Gänge im Boden verdichten Wühlmäuse die Erde, vor allem jedoch fressen sie die Wurzeln der verschiedensten Pflanzen (kaum eine Gemüsepflanze oder Gartenstaude ist vor ihnen sicher) und bringen die Pflanzen so zum Welken.

Schnecken sind wahrscheinlich die am weitesten verbreiteten und zugleich am meisten gehassten Schädlinge. Kleine und große Nacktschnecken verstecken sich tagsüber unter der Erdkrume. Nachts kriechen sie heraus und fallen über sämtliche dicht am Boden wachsenden Pflanzen her, wie Salat, Kohl, Gurken, Kräuter und vieles mehr. Das geht so schnell, dass man oft am nächsten Tag kaum mehr erkennt, was man tags zuvor gepflanzt hat. Es kommt auch oft vor, dass gesäte Pflanzen nicht einmal aufgehen können, weil die Keime schon im Anfangsstadium aufgefressen werden.

Wer kennt es nicht, das berühmte Kinderbuch „Die kleine Raupe Nimmersatt“ von Eric Carle. Die Raupen des Kohlweißlings sind genau das – nimmersatt und unendlich gefräßig. Sie befallen die Kohlpflanzen vor allem im Hochsommer, wenn die Krautpflanzen viel Blattmasse haben und die Ernte kurz bevor steht. Wer dann nichts dagegen tut, kann zuschauen, wie seine Krautköpfe von Tag zu Tag weniger werden und zuletzt nur noch aus einem Gerippe bestehen.

Die Larven der Kohlfliege befallen tatsächlich nur Kohl (selten auch Rettich und Radieschen). Sie fressen sich durch Wurzelstamm und Pflanzenansatz in die Pflanze hinein und bringen sie so zum Welken. Nimmt man die Pflanze aus der Erde, stellt man fest, dass sie fast keine Wurzeln mehr hat.

Die weiße Fliege gehört eigentlich zur Familie der Blattläuse. Sie ist ursprünglich ein tropischer Schädling und tritt in Mitteleuropa erst seit einigen Jahrzehnten auf. Die Läuse der weißen Fliege und die Blattläuse sind nicht wählerisch, sie besetzen dicht an dicht die Blätter und Stängel von Gartengemüse, aber auch Blumenstauden und kleine Gehölze. Sie saugen die Pflanzen aus und schwächen sie. Gelbe, abfallende Blätter und welke Zweige sind die Folge. Oft setzt sich auf den Pflanzenblättern ein schwarzer, klebriger Belag fest: der Rußtaupilz, der die Pflanze weiter schwächt.

Welche Pflanzen sind besonders anfällig für Schädlinge?

Simon: Schädlinge mögen vor allem junge, noch ganz zarte Pflanzen, die sie mit ihren winzigen Fresswerkzeugen leicht zerkauen können. Auch sind Pflanzen mit glatten Blättern beliebter als beispielsweise Zucchini oder Kürbisse, deren Blätter mit zahlreichen winzigen Stacheln besetzt sind. Hocharomatische Pflanzen wie Tomaten, Lauch oder Zwiebeln werden von Schädlingen, die es geschmacksneutral lieben, meistens verschont.

Wie erkennt man, dass eine Pflanze befallen ist?

Simon: Dass eine Pflanze von einem Schädling befallen ist, erkennt man zu allererst an dem Schädling selbst. Blattläuse besetzen die Pflanzen dicht an dicht und bilden oft eine richtige Schicht, die leicht zu sehen ist. Schnecken kriechen bei feuchtem Wetter in Scharen aus dem Boden. In eben solchen Scharen fliegen die Kohlfliegen aus dem Kraut, wenn man es berührt oder mit dem Wasserstrahl begießt. Raupen sind bis zu fünf Zentimeter lang und auf den Kohlblättern leicht zu erkennen, zudem flattern die dazugehörigen Schmetterlinge, der weiße Kohlweißling, um die Krautpflanzen herum. Befallene Pflanzen welken, verlieren Blätter, faulen oder sterben ab. Bei Pflanzen mit Läusebefall bildet sich auf den Blättern gern der Rußtaupilz, ein schwarzer Belag, den man leicht mit den Fingern abreiben kann.

Gibt es umweltschonende (Haus-)Mittel, die die Schädlinge effektiv beseitigen?

Simon: Es gibt verschiedene umweltschonende (Haus-)Mittel und vorbeugende Maßnahmen, mit denen man Schädlinge bekämpfen kann. Wer Schädlinge in seinem Garten hat, muss nicht verzweifeln. Schädlinge sind auch kein Anzeichen von Unvermögen oder schlechtem Gärtnern, sondern meistens Folgen von bestimmten Witterungen. Auch das Vorkommen oder Fehlen von Nützlingen (Igel, Füchse, Marienkäfer, Schlupfwespen, Ohrenkneifer) hat Auswirkungen. Das aber hat jeder Gärtner selbst in der Hand. Wer viele Wochen und Monate Zeit in seinen geliebten Garten investiert hat, hat ein Recht auf die Ernte und muss sie sich nicht von gefräßigen Raupen oder Blattläusen wegfressen lassen.

Wühlmäuse mögen keine schlechten Gerüche. Darum legt man mit der Harke oder einem scharfen Wasserstrahl einfach verschiedene Grablöcher unter den Haufen frei und gibt in diese Löcher etwas zerriebenen Knoblauch oder ein paar Esslöffel Sauermilch. Die Wühlmäuse suchen sich eine andere Ecke – garantiert!

Schnecken mögen keine Trockenheit, darum ist in vielen Regionen durch die trockenen und heißen Sommer das Schneckenproblem massiv zurückgegangen. Zugegeben – gleichzeitig gibt es aber auch immer weniger Nützlinge wie Füchse und Igel, die die Schnecken fressen. Wer die Möglichkeit hat, kann Laufenten in seinen Garten setzen, zwei sind völlig ausreichend. Laufenten lieben Schnecken, sie werden in jedem Garten absolut aufräumen! Schnecken dagegen mögen klumpigen, verdichteten, lehmigen Boden, auf dem sie gut entlangkriechen können. Diese Vorliebe kann man ihnen vermiesen, indem man den Boden regelmäßig hackt und ihn feinkrümelig macht. Dabei kann man gleichzeitig alle sichtbaren Schnecken auch auflesen, sammeln und anschließend vernichten. Bei zugekauften jungen Gurken-, Salat- oder Krautpflanzen empfiehlt sich für die ersten vier oder fünf Tage eine Haube aus lichtdurchlässigem Glas (zum Beispiel ein altes Marmeladeglas), das die Pflanze schützt, bis sie größer, stärker und weniger anfällig ist.

Raupen des Kohlweißlings sollte man absammeln und an eine entfernte Stelle bringen. Denn Kohlweißlinge sind eigentlich hübsche, weiße Schmetterlinge. Ist der Befall zu stark, besprüht man die Blätter der Kohlpflanzen von allen Seiten mit einer selbstgemachten Emulsion aus 30 Prozent Rapsöl und 70 Prozent Wasser. Die Raupen werden mit einem Ölfilm bedeckt und sterben ab.

Die Kohlfliege selbst ist nicht schädlich, es sind ihre Larven, die sich in die Strünke und anschließend in die Pflanze selbst hineinfressen. Eine Bekämpfung des Larvenbefalls ist darum nicht möglich, hier hilft nur Vorbeugung. Stark von Larven befallene Kohlpflanzen sollten aus dem Beet entfernt werden, um die umgebenden Pflanzen zu schützen.

Läuse befallen Pflanzen vor allem bei großer Trockenheit (besonders im Frühjahr), weil Wassermangel den Pflanzensaft verdickt und dieser für die Läuse dadurch nahrhafter wird. Hier hilft vor allem: gießen! Bei starkem Befall wirkt auch ein Sud aus Brennnesseln. Ziehen Sie sich Handschuhe an und geben Sie einen großen Strauß Brennnesseln in einen Eimer, den Sie mit Wasser ganz auffüllen und anschließend wenige Tage stehen lassen. Wenn Sie mit diesem Sud Ihre befallenen Pflanzen besprühen, verschwinden die Läuse von selbst. Ein Brennnesselsud ist auch ein gutes Düngemittel und stärkt Ihre Pflanzen gegen verschiedene andere Krankheiten.

Ab wann lassen sich Schädlinge nur noch mit Chemie bekämpfen?

Simon: Chemie hat im Hausgarten nichts zu suchen. Es gibt eine einzige Ausnahme: Eisensulfat. Aus Eisensulfat (das im Erdboden selbst vorkommt) wird ein biologisch vollkommen unbedenkliches Mittel gegen Schnecken hergestellt. Dieses Mittel kann man im Handel kaufen. Ich empfehle es an nassen Tagen – wenn man der Schneckenplage nicht mehr Herr wird.

Wie kann man Ungeziefer im eigenen Garten vorbeugen?

Simon: Wer vorbeugen will, muss seine Pflanze stärken. Dazu gehört im Hausgarten ein humusreicher, mit Kompost und Mist gedüngter Boden, unterschiedliche Fruchtfolgen (nicht Jahr für Jahr dieselbe Pflanze auf denselben Platz setzen), Pflanzensude aus Brennnesseln und Schachtelhalmen und genügend Abstand zur nächsten Pflanze, damit die Schädlinge kein all zu leichtes Spiel haben. Pflanzen Sie außerdem Mischkulturen: Zwiebeln oder Lauch halten zum Beispiel die Möhrenfliege ab, überhaupt halten starkriechende Pflanzen grundsätzlich verschiedene Arten von Schädlingen fern. Stellen Sie überall in Ihrem Garten Insektenhotels auf, um das Insektenleben zu fördern. Bei der Kohlfliege, aber auch beim Kohlweißling helfen dichtmaschige, im Handel erhältliche Netze, die im Frühjahr vorbeugend über die bereits bepflanzten Beete gespannt werden.

(eee/spot)

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