Geschenktipp: Wie die Hackfresse zu ihrem Namen kam …

Geschenktipp: Wie die Hackfresse zu ihrem Namen kam ...
Geschenktipp: Wie die Hackfresse zu ihrem Namen kam ...

© Vlue/Shutterstock

24.05.2021 21:12 Uhr

Dass manche Ausdrücke wie z.B. „Einfaltspinsel“ oder „Lackaffe“ zu den Flüchen oder Schimpfwörtern gehören, ist jedem sofort klar. Aber warum ist das eigentlich so?

Bestsellerautorin Petra Cnyrim beschreibt in „Das Buch der Schimpfwörter und Flüche“ (gerade erschienen im Riva Verlag) woher diese unerwünschten Ausdrücke kommen, ob es regionale Unterschiede gibt und was ein Schimpfwort überhaupt erst zu einem solchen macht. Nach dieser Lektüre betrachtet man das Fluchen garantiert aus einer neuen Perspektive!

„Dieses Buch soll nämlich keine Anregung zum kreativen Schimpfen darstellen, sondern unserer Sprache neugierig auf den Grund gehen – auch und gerade dort, wo ihre Verwendung weniger hehre Absichten hat“, erklärt die Autorin im Vorwort.

Geschenktipp: Wie die Hackfresse zu ihrem Namen kam ...

© Münchner Verlagsgruppe GmbH

Beispiel „Hackfresse“

Dieses Wort gibt es schon länger, als man denken mag. Die Beschimpfung, die jemanden auf Grund seines Aussehens verletzen soll, ist schon seit den 1950er-Jahren dokumentiert.

Und auch heute noch wird sie immer wieder als Beleidigung eingesetzt.

Beispiel „Lauch“

Dieses Schimpfwort ist älter, als man denkt. Angeblich kursiert es schon seit 2011 in der Jugendsprache und bezeichnet einen dünnen und groß gewachsenen Menschen. Früher kannte man in diesem Zusammenhang die „Bohnenstange“. Die Auslegung des Begriffs ist allerdings relativ breit gestreut. So kann man damit einfach im Spaß einen guten Freund ärgern, weil dieser vielleicht etwas schmächtiger ist. Andererseits handelt es sich auch um ein gemeines Schimpfwort, wenn so zum Beispiel geistig behinderte Menschen bezeichnet werden. Im Jahr 2018 hätte es „Lauch“ beinahe zum Jugendwort des Jahres geschafft.

Beispiel „Arschloch“

Einer der Klassiker unter den Schimpfworten bekommt hier noch seinen eigenen Platz. Das Wort ist schon seit dem 11. Jahrhundert belegt und stammt aus dem Althochdeutschen: „arsloh“. Doch „Arschloch“ ist nicht nur ein Klassiker, weil es sich so lange gehalten hat, sondern auch, weil es diese Beschimpfung in allen germanischen Sprachen gibt. Das Schimpfwort hat sich im Lauf der Zeit sogar dermaßen in unsere Sprache integriert, dass es in einigen Rechtsformen sogar eigens aufgeführt wird und damit den „Tatbestand“ der Beleidigung erfüllt.

„Anfangs waren es noch eher Gesten, durch die Stimmungen signalisiert wurden. Doch im Lauf der Zeit entwickelten sich zusammen mit der allgemeinen Sprache auch die Schimpfwörter – wissenschaftlich „Maledictum“ (Plural: Maledicta) genannt. Inzwischen gehören sie aus sprachwissenschaftlicher Sicht zu den rhetorischen Stilmitten und einige von ihnen haben eine durchaus lange Historie. Dabei ist es gar nicht immer so einfach, ein Wort konkret den Schimpfwörtern zuzuordnen. Denn bei vielen Begriffen kommt es zusätzlich auf die Art an, wie sie verwendet werden. So kann ein mit passender Mimik und Tonlage versehenes „Du Schwein!“ sowohl aggressiv als Schimpfwort als auch neckend – im Sinn von: „Das hätte ich auch gern …“ – gemeint sein. Im Grunde kann beinahe jedes Wort, wenn es mit verachtender oder hasserfüllter Gestik und dem entsprechenden Tonfall „untermalt“ wird, als Schimpfwort dienen.“

Die Autorin

Petra Cnyrim, geb. 1975, arbeitet als Autorin bei München. Ihre Bücher „Vervollständige die Funktion“, „Das Buch der fast vergessenen Wörter“ und „Erklärs mir als wäre ich 5“ schafften es in die Spiegel-Bestsellerliste.