Freitag, 5. Januar 2018 12:16 Uhr

„Get the F*ck out of my House“: Ein heulender Schauspieler und ein Horrorfilm

Die sogenannte „Strategie-Reality-Show“ „Get the F*ck out of my House“ startete gestern Abend. . 100 Kandidaten im Alter von 19 bis 82 Jahre leben vier Wochen lang gemeinsam in einem Einfamilienhaus  in Satzvey in der Eifel  auf 116 Quadratmeter, jeder von ihnen kann das Haus jederzeit verlassen. Asozialer geht es nicht mehr.

"Get the F*ck out of my House": Ein heulender Schauspieler und ein Horrorfilm

Foto: ProSieben

Die Erste hatte bereits nach 90 Minuten die Nase voll. Weil ihr Warteschlange vor der einzigen Toilette in dem XL-Wohngehege schon kurz nach dem Einzug zu lang wird.

Konsequenterweise kommt es bei dem Gedränge zu Auseinandersetzungen und zu Dramen aller Coleur. So heult sich Kandidat Alexander Korn in die Arme der zufällig um ihn Herumstehenden, weil er bei einem der Spiele zum Aufbessern der Gemeinschaftskasse  nicht dabei sein kann. Ein Haufen trösten den großen Dramatiker, der hier offenbar eine Kostprobe seines Könnens gab. Eine Kamera eilte flugs herbei. Großer Moment! Der tapfere Zwanzigjährige ist schließlich angehender Schauspieler. Er durfte als Komparse bei ‚Knallerfrauen‘ mitmachen oder beim ‚Club der roten Bänder‘, hat seine größten Nebenauftritt demnächst in Florian Henckel von Donnersmarcks Drama ‚Werk ohne Autor‘. Seine bisher größte Rolle, eine Hauptrolle hatte sexy Alex als „Azubi im Bereich Rechnungswesen/ Buchhaltung“ in Kurzfilmen für einen niederländischen Schulbuchverlag.

"Get the F*ck out of my House": Ein heulender Schauspieler und ein Horrorfilm

Alexander, der Leonardo diCaprio unter den Bewohnern. Norbert, der Hausboss. Foto: ProSieben/Frank Hempel

Ansonsten im TV-Gedränge allerortens Gelassenheit – abgesehen von einem dehydrierten, kettenrauchenden Insassen Sebastian. Der Ärnste provozierte ungewollt Notarzteinatz! Auch schlimm! Irgendwie.

Naja und dann ist da noch Frührentner Norbert (56), der zum „Hausboss“ gewählte – mit eigenem Schlafzimmer und offenbar künstlichem Gebiss. Eine Woche darf er Chef spielen. Doch zuvor durfte er entscheiden, wieviel und welche ungeliebte Kandidaten rausgekickt werden. Iliya, Patrick, Benjamin, Josephine, Tom, Kai und Sven. Norbert heulte mit.

"Get the F*ck out of my House": Ein heulender Schauspieler und ein Horrorfilm

Norbert, der Hausboss. Foto: ProSieben/Frank Hempel

Quote überm Sender-Durchschnitt

Unter den Top 20 der Quotensieger war die Show jedenfalls nicht zu finden. Das TV-Drama sahen 1,59 Millionen. Das sind 5,2% Marktanteil. Da ist ProSieben natürlich happy, denn damit springt des Sender über das Normalniveau von 4,5%. Merke: Der Sender macht die Show nicht für uns, sondern damit er mit Werbung Geld verdient!

In der ersten Woche sind 25 der 100 Kandidaten geflüchtet, 75 Leute „kämpfen“ in der zweiten Folge von „Get the F*ck out of my House“ am kommenden weiter um den Sieg. Wer glaubt, dass die Herrschaften mit den Auszügen auch mehr Platz haben, denkt falsch: Weniger Leute, noch weniger Platz: Nachdem bereits 25 Kandidaten das Haus verlassen haben, wird auch die Wohnfläche von bisher 116 Quadratmeter im Haus entsprechend verkleinert. Ein Zimmer wird in der zweiten Woche gesperrt!

Hach Gottchen, das alles ist doch nicht neu: Horror-Fans kennen eine ähnliche Mechanik. In dem spanischen Thriller „Logic Room“ werden die Wände eines Raums immer enger zusammengeschoben. Die Leute in dem Zimmer –  die da auch freiwillig sind, allerdings nicht rauskönnen –  haben da ähnliche Probleme, müssen schnell handeln, Aufgaben lösen, um nicht zerquetscht zu werden. Ja, das wär’s doch mal echtes Drama!

Pressestimmen

„Wer glaubte, nach „Adam sucht Eva“, „Love Island“ und dem „Dschungelcamp“ die Grenzen der Niveaulosigkeit im deutschen Fernsehen voll ausgekostet zu haben, der irrt sich.“ (Bild Zeitung)

"Get the F*ck out of my House": Ein heulender Schauspieler und ein Horrorfilm

Foto: ProSieben/ Willi Weber

„Vier Zimmer, zwei Bäder, eine XXS-Küche: Eine Legebatterie ist ein Witz dagegen“. (Abendblatt)

Unter der Überschrift „Pleiten, Pech und keine Pfannen“ resümiert die „Süddeutsche“: „Wenn dies keine (aus den Niederlanden) importierte Show, sondern ein deutsches Produkt wäre, könnte man glatt auf die Idee kommen, es handele sich um eine Veralberung der Flüchtlingsthematik auf Boulevard-TV-Niveau. (…) Haben diese Menschen keine Familien? Oder bisher auf Bäumen gelebt? Auch die Zuschauer? Was kann irgendjemanden dazu verleiten, sich anzuschauen, wie Menschen um die natürlichsten Dinge der Welt in erbitterten Kampf treten?

Und das „Hamburger Abendblatt“ meint: „Jeder, der über ein wenig Tränenflüssigkeit verfügt, heult ob seines eigenen Abschieds oder dem eines Kumpels, als sei ein Lebenstraum zerplatzt. Regelrechte Abschluss-Orgien, untermalt mit „Back to life, back to reality“-Gesängen, führen zu folgender Erkenntnis: Einander fremd sind wir nicht länger als eine durchschnittliche Werbepause.“

OK

Hinweis: Durch Nutzung von klatsch-tratsch.de stimmen Sie der Verwendung von Cookies für Analysezwecke, personalisierte Inhalte und Werbung zu. Mehr erfahren