Gezerre um den irren Kapitol-Schamanen Jacob Chansley

Gezerre um den irren Kapitol-Schamanen

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15.01.2021 18:15 Uhr

Jacob Chansley ist wegen seiner Optik einer der schillerndsten Figuren beim Sturm von tausenden Trump-Fanatikern auf das US-Parlament am 6. Januar. Das FBI bescheinigte ihm eine Geisteskrankheit und Drogenabhängigkeit.

Jacob Anthony Chansley ist 32 Jahre jung, ein rechtsextremer und fanatischer Anhänger des Populisten Donald Trump, der auch unter den Namen Jacob Angeli, Jake Angeli oder Q-Schamane der QAnon-Bewegung in Erscheinung tritt.

Nach der Erstürmung des Kapitols war der Mann mit dem Hörnerschmuck aus dem US-Bundesstaat Arizona schnell identifiziert und zügig verhaftet worden. Der amtierende Präsident Donald Trump hatte einen teils bewaffneten Mob zuvor in einer Ansprache vor dem Weißen Haus aufgefordert, sich zum Parlament zu begeben. Dort war die Situation eskaliert. Nach dem Aufstand waren fünf Tote zu beklagen.

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Morddrohungen?

Chansley war in der Senatskammer bis auf das Podium an den Platz von Vizepräsident Mike Pence vorgedrungen. Auf zahlreichen Bildern ist der Gelegenheitsschauspieler und Synchronsprecher mit freiem Oberkörper zu sehen – mit einer zwei Meter langen Lanze, einem Kopfschmuck mit Hörnern, Kojotenschwanz und Gesichtsbemalung.

Die Agentur Reuters zitiert das FBI, die zentrale Sicherheitsbehörde der Vereinigten Staaten, der notorische Verschwörungstheoretiker habe im Plenum einen Zettel mit den Worten hinterlassen, es sei „nur eine Frage der Zeit, bis Gerechtigkeit“ komme. Weiter heißt es: „Starke Beweise, darunter Chansleys eigene Worte und Taten im Kapitol deuten darauf hin, dass es die Absicht der Kapitol-Randalierer war, gewählte Vertreter der US-Regierung gefangen zu nehmen und zu ermorden“.

Gezerre um den irren Kapitol-Schamanen Jacob Chansley

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Aufstand ist noch nicht vorbei

In dem Haftantrag heißt es, Chansley sei „drogenabhängig und geisteskrank“. So habe das „prominentestes Symbol des Aufstands“ auch davon gesprochen, ein „Außerirdischer und höheres Wesen“ zu sein. Am Freitagnachmittag (Ortszeit) soll Chansley er erneut vor einem Gericht erscheinen. Ihm wird die Teilnahme am gewaltsamen Versuch vorgeworfen, die US-Regierung zu stürzen. Die Ermittler warnten deutlich, der Aufstand dauere noch immer an.

Bei der Anhörung heute geht es allerdings um Chansley vorläufige Freilassung gegen eine Kaution.

Doch: Die US-Zeitung „Politico“ zitierte die Staatsanwaltschaft, wonach Chansley seine Absicht zum Ausdruck gebracht habe, zur Amtseinführung des gewählten Präsidenten Joe Biden erneut nach Washington zurückzukehren – und somit das anhängige Strafverfahren gegen ihn offenbar keinerlei abschreckende Wirkung zeige.

Sechs Anklagepunkte

Chansley war am Montag von einer Grand Jury in Washington mit sechs Anklagepunkten konfrontiert worden, darunter zwei Straftaten: Behinderung der Strafverfolgung während ziviler Unruhen und Behinderung eines Kongressverfahrens.

In der Akte wurden laut „Politico“ auch Medien- und FBI-Berichte zitiert, nach denen in allen 50 Bundes-Hauptstädten sowie in Washington DC in den Tagen vor der Amtseinführung des neuen Präsidenten Joe Biden am 20. Januar „sorgfältig geplante“ bewaffnete Proteste stattfinden sollen. Auch vor diesem Hintergrund empfiehlt die Staatsanwaltschaft, Chansley weiter in Haft zu belassen. (PV)