29.10.2020 17:06 Uhr

Gipsformerei rekonstruiert Quadriga in Schauwerkstatt

Aus mehreren Hundert Einzelteilen wollen Experten die Formen der großen Skulptur auf dem Brandenburger Tor rekonstruieren, auf deren Grundlage die heute zu sehende Fassung entstand.

Christoph Soeder/dpa

Die Quadriga auf dem Brandenburger Tor in Berlin gilt international als Symbol von Freiheit und Einheit.

Aus mehreren Hundert Einzelteilen wollen Experten der Gipsformerei der Staatlichen Museen zu Berlin nun die Formen rekonstruieren, auf deren Grundlage die heute zu sehende Fassung entstand. Der Prozess kann in den kommenden zwei Jahren begleitet werden. Der Bundestag hat dafür in seinem Mauer-Mahnmal im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus gegenüber dem Reichstagsgebäude auf der anderen Spreeseite eine Schauwerkstatt eingerichtet.

Das 1793 auf dem Brandenburger Tor installierte Original der Quadriga stammt von Johann Gottfried Schadow (1764-1850), Begründer der Berliner Bildhauerschule des Klassizismus. 1806 lässt Napoleon die vier Pferde nebst Wagen und Siegesgöttin nach Paris verfrachten, wo sie einen Triumphbogen zieren sollen. Acht Jahre später kehrt die Quadriga nach Berlin auf ihren Platz zurück. Im Zweiten Weltkrieg wird die Gruppe weitgehend zerstört.

1957 wird die Quadriga rekonstruiert, Basis dafür ist eine Gipsabformung, die 1942 vom zwischenzeitlich restaurierten Original abgenommen worden war. Daraus erschafft die Gipsformerei ein Gipsmodell, das auch als Vorlage für die heute auf dem Brandenburger Tor zu sehende Rekonstruktion aus getriebenem Kupfer diente. Es ist auch dieses Gipsmodell, das nun nach Jahrzehnten in zwei unterschiedlichen Lagern in der Schauwerkstatt rekonstruiert werden soll.

Nach den Worten von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) ist es dem Kunstbeirat des Bundestages „ein Herzensanliegen, dass die für den Erhalt der Quadriga so bedeutsamen wie historisch aufschlussreichen Gipsabgüsse nunmehr gesichert und restauriert werden“. Miguel Helfrich, Leiter der Gipsformerei, stellt dafür drei seiner Experten bereit, die in den kommenden zwei Jahren eine Quadriga rekonstruieren sollen, die dem Original Schadows näher kommt als die wegen der Herstellungsweise vereinfachende Kupfervariante auf dem Brandenburger Tor.

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