Montag, 16. Januar 2012 12:16 Uhr

Alles über den Globes-Abräumer „The Artist“ und Jean Dujardin

Los Angeles. Ein Stummfilm ist der große Abräumer bei den diesjährigen Golden Globes und Hauptdarsteller Jean Dujardin (39) ganz sicher auf dem Weg nach Hollywood. Nominiert für sechs Globes, heimste der französische Schwarzweiß-Film drei Preise ein: ‚The Artist‘ wurde als bester Film in der Kategorie Musical oder Komödie ausgezeichnet, Dujardin (kam mit Gattin Alexandra Lamy) wurde als bester Schauspieler in einem Musical oder Komödie gehrt und der französische Komponist Ludovic Bource bekam einen Golden Globe für die Filmmusik.

Bejubelt wurde nach der Gala beim obligatorischen Fotocall mit den Gewinnern auch Uggie, der Hund des Hauptdarstellers.

Regisseur Michel Hazanavicius, Buch und Regie, sagte auf die Frage, ob Jean Dujardin und Co-Star Bérénice Bejo auch Dialog hatten, auch wenn man den gar nicht hört: „Manchmal ja, manchmal nein. Während der Vorbereitungen fragten beide  dauernd nach Dialog. Aber ich wollte ihnen keinen geben. Ich sagte mir: ‚Als Schauspieler werden sie natürlich anfangen, an den Texten zu arbeiten, und das ist genau das, was ich bei diesem Projekt auf keinen Fall will.‘ Schließlich arbeiteten sie an anderen Sachen, und sei es am Stepptanz. Wir hatten natürlich keine klassischen Leseproben, aber wir haben viel gesprochen über die Rollen, die Situationen, die Plansequenzen, den Stil des Schauspiels usw. Vor allem habe ich versucht, sie zu beruhigen, dass sie nicht auf ’stumm‘ spielen müssten, sondern, wenn mein Drehbuch funktioniert, ganz natürlich. Für Bérénice, die vom ersten Tag an dabei war, gab es da vermutlich mehr Anknüpfungspunkte, aber in jedem Fall war es für beide sicherlich eine ganz besondere Erfahrung.“

Hauptdarsteller Jean Dujardin sagte über die Dreharbeiten: „Ich landete in Los Angeles, war in der Maske, probierte die Kostüme und sah mal, wie  sich alles entwickelt. Und dann war da noch die andere Bildgeschwindigkeit von 22 Bildern pro Sekunde. Bei der kann man nicht ganz in der Art arbeiten, mit demselben Rhythmus wie normalerweise. Deshalb haben wir manchmal überlegt, ob man nicht etwas verlangsamter spielen müsste. All das spielte eine wichtige Rolle als Vorbereitung, aber im Grunde musste ich bis zum allerletzten Augenblick warten, um zu wissen, wohin es geht – und das hat mir Angst gemacht. Andererseits muss man nicht übertreiben, es gibt schlimmere Ängste, es gibt Schlimmeres als für drei Monate nach L.A. geholt zu werden, um einen französischen Film in den echten Warner- und Paramount Studios zu drehen. Also, keine Beschwerden.“

Alles über Jean Dujardin, der den George Valentin spielt:

Der 1972 in einem kleinen Ort bei Paris geborene Schauspieler, Komiker, Autor und Produzent Jean Edmond Dujardin entdeckte nach seinem Schulabschluss in Philosophie und Kunst sehr bald sein Talent als Kabarettist und Comedian. In den frühen 90er Jahren tingelt er in den Bars und Café-Theatern von Paris, gründet mit Freunden „La Bande du Carré Blanc“ und produziert mit ihnen unter dem Namen „Nous C Nous“ (Wir sind wir) diverse Auftritte, insbesondere mit Parodien auf die damals sehr populären Boy Groups. Bald entdeckt ihn das Fernsehen, wo er mit seinen Sketchen regelmäßig in der Sendung „Fiesta“ in France 2 auftritt. Zwischen 1997 und 1998 gewinnt er dreimal hintereinander den renommierten Preis „Graines de star“ des Senders M6 als bester Komiker. Währenddessen dreht er Sketche für die Reihe „Farce Attaque“ auf France 2.

Der große Durchbruch gelingt ihm zusammen mit Alexandra Lamy, als sie in der Serie „Un gars, une fille“ auf France 2 ein gleichnamiges Paar, alias Chochou (sie) und Loulou (er) spielen. Vier Jahre lang, zwischen Oktober 1999 und Juni 2003, bringen sie in 486 siebenminütigen Episoden durchgehend 5 Millionen TV-Zuschauer zum Lachen.

Jean Dujardins erster größerer Kinoerfolg ist „Mariages“ (2004), gefolgt von „Brice de Nice“ (2005), in dem er eine Rolle aus seiner Sketch-Serie „Nous C Nous“ wieder aufnimmt. Dessen Sprüche grassieren umgehend in Video-Spielen und als Klingeltöne unter den Jugendlichen.
Seine Rolle in Michel Hazanavicius’ parodistischem Kinoerfolg „OSS 117. Le Caire, nid d’espions“ bringt ihm 2007 eine César-Nominierung als bester Hauptdarsteller ein. Anderthalb Jahre später kann das Gespann Hazanavicius-Dujardin mit dem Nachfolger „OSS 117. Er ist sich selbst genug“ einen noch größeren Kinoerfolg einfahren (2,5 Millionen Besucher).

Während er bei aller Komik zunehmend auch für seine differenzierten und anrührenden Verkörperungen geschätzt wird, übernimmt er immer öfter Rollen, die sich nicht mit seiner Popularität als Comedian decken. So als Polizist, der im Fall des Sexualmordes an seiner zehnjährigen Tochter ermittelt („Contre-enqu´ète“), oder als desillusionierter und depressiver Werbefachmann in „99 Francs“, einer Adaptation des gleichnamigen Romans von Fréderic Beigbeder in der Regie von Jan Kounen.

Zugleich produziert er 2007 mit großem Erfolg „Palizzi“ für den Sender „13th Street“, eine Serie von Kurzfilmen, in denen er die Hauptrolle des Arséne Mosca spielt und von der eine Kinoverfilmung geplant ist. An der Seite von Jean-Paul Belmondo, mit dem er häufig verglichen wird, tritt er 2008 in Francis Husters Kinofilm „Un homme et son chien“ auf, um 2009 wiederum als Parodist in der Rolle des Lucky Luke in der Adaptation des gleichnamigen Comics unter der Regie von James Huth aufzutreten. Neben Jean Reno spielt er in dem Actionflm „Cash“, um anschließend mit Betrand Bliers “Le bruit des glacions“ und Nicole Garcias „Un balcon sur la mer“ erneut ins psychologische Fach zu wechseln. In Deutschland war er in diesem Sommer in einem kurzen, aber die gesamte weitere Intrige einfädelnden Auftritt in Guillaume Canets „Kleine wahre Lügen“ zu entdecken.

Spätestens mit seinem Darstellerpreis für THE ARTIST bei den diesjährigen 64. Filmfestspielen von Cannes und dem sensationellen Kinostart des Films in Frankreich (in der Starwoche auf Platz 1 der Kinocharts mit 440.000 Besuchern) hat sich Jean Dujardin in seiner Heimat als einer der vielseitigsten, glaubwürdigsten und beliebtesten Darsteller etabliert.

Zur Zeit stellt er seinen Film „Les infidèles“, zum ersten Mal in eigener Regie, fertig.

Seit 2009 engagiert Jean Dujardin sich ehrenamtlich für die „Fondation Mouvement pour les Villages d’Enfants“, eine Organisation, die sich für die Betreuung misshandelter und schwer vernachlässigter Kinder in eigens dafür geschaffenen Einrichtungen einsetzt.
Der Schauspieler, Autor, Produzent und Regisseur hat zwei Söhne, Simon (geb. 2000) und Jules (geb. 2001), aus einer früheren Beziehung. Seit 2003 lebt er mit Alexandra Lamy, seiner Partnerin aus „Un gars, une fille“, zusammen. Sie haben 2009 geheiratet.

Fotos: Golden Globes (1), wenn.com

OK

Hinweis: Durch Nutzung von klatsch-tratsch.de stimmen Sie der Verwendung von Cookies für Analysezwecke, personalisierte Inhalte und Werbung zu. Mehr erfahren