Dienstag, 30. Juni 2020 20:04 Uhr

„Golden State Killer“: Der echte Hannibal Lecter gesteht 45 Jahre später 13 Morde

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Jahrelang terrorisierte er als Mörder und Vergewaltiger Kalifornien. Jetzt – 45 Jahre nach dem ersten Mord – hat der so genannte "Golden State Killer" seine Taten vor Gericht gestanden. Eine Staatsanwältin verglich den 74-Jährigen mit dem Kino-Serienkiller Hannibal Lecter aus „Das Schweigen der Lämmer“.

Joseph James DeAngelo wirkt wie ein alter schwacher Mann. Der 74-Jährige muss im Rollstuhl in den Gerichtssaal im kalifornischen Sacramento geschoben werden. Doch hinter der gebrechlichen Fassade steckt ein kaltblütiger Killer: DeAngelo ist der berühmt berüchtigte „Golden State Killer“.

"Golden State Killer": Der echte Hannibal Lecter gesteht 45 Jahre später 13 Morde

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Killer konnte erst 2018 gefasst werden

Und der gesteht rund vier Jahrzehnte nach Beginn seiner Mord- und Vergewaltigungsserie in Kalifornien endlich seine grausamen Taten. „Schuldig“ antwortet DeAngelo immer wieder mit schwacher, krächzender Stimme auf jeden der 13 Mordvorwürfe, die gegen ihn vorgebracht werden.

Auch in der 13-fachen Anklage wegen Entführungen im Rahmen seiner Gewalttaten räumt er immer wieder seine Schuld ein. Hinzu kommen offenbar über 160 Verbrechen, von Vergewaltigung bis Raub und Einbruch, die schon verjährt sind. Damit folgte er einer Prozessabsprache, die ihm die Todesstrafe erspart.

Ist er schizophren?

Dabei wäre ihm die normalerweise sicher gewesen. Bezirks-Staatsanwältin Anne Marie Schubert nennt DeAngelo „die reale lebendige Version von Hannibal Lecter“ aus dem Film-Klassiker „Das Schweigen der Lämmer“ mit Anthony Hopkins von 1991. DeAngelo hat zwar nie Körperteile seiner Opfer verspeist, trotzdem sei er genau wie die Kinofigur „ein grausamer, intelligenter, sadistischer Serienmörder“.

DeAngelo selbst hatte bei seiner Verhaftung 2018 von einer inneren Persönlichkeit namens „Jerry“ gesprochen, die ihn zu seinen Taten gezwungen habe. „Jerry“ sei ein Teil von ihm gewesen, den er lange nicht losgeworden sei. Schließlich sei es ihm doch gelungen und er habe dann ein glückliches Leben geführt. „Ich habe alle ihre Leben zerstört. Deshalb muss ich jetzt den Preis bezahlen.“

"Golden State Killer": Der echte Hannibal Lecter gesteht 45 Jahre später 13 Morde

Joseph James DeAngelo 2018. imago images / ZUMA Press

Mit seiner kaltblütigen Grausamkeit hatte der „Golden State Killer“ den Sunshine-State an der amerikanischen Westküste über zehn Jahre in Angst und Schrecken versetzt. Zwischen 1975 und 1986 soll er mindestens 13 Menschen ermordet und etwa 50 Frauen vergewaltigt haben.

Dem ersten Mord 1975 folgten Dutzende Vergewaltigungen in Nordkalifornien, dann bis 1986 eine brutale Mordserie im Süden des Staates. Seine Tatorte: ruhige Vororte. Seine Opfer: Frauen. Seine Waffen: Messer, Pistolen, Seile und Schnürsenkel. Oft trug er DeAngelo Skimaske und schreckte seine Opfer mit einer grellen Taschenlampe auf.

Seine DNA wurde ihm zum Verhängnis

Häufig fesselte er die Ehemänner, vergewaltigte die Frauen und tötete beide nach langen Quälereien. Meist verweilte er an den Tatorten, bediente sich am Kühlschrank und ließ Gegenstände aus den Häusern mitgehen.

Dabei hinterließ der Täter wertvolle DNA-Spuren, die ihm aber erst viel später zum Verhängnis werden sollten. Die Ermittler wurden bei ihrer langen Suche nach dem flüchtigen Serienmörder schließlich auf Plattformen für Ahnenforschung fündig, die genetische Informationen eines Verwandten enthielten. Endlich eine heiße Spur – und die führte mehr als drei Jahrzehnte nach dem letzten Mord zu James DeAngelo.

Im April 2018 wurde „Golden State Killer“ in einem Vorort von Sacramento festgenommen. Dort soll der Ex-Polizist 1978 auch ein junges Paar ermordet haben. Zum Zeitpunkt der Verhaftung war DeAngelo ein völlig unauffälliger Mann. Bereits auf einen Rollstuhl angewiesen, lebte er zurückgezogen bei einer seiner
drei Töchter.

Ein Polizist als Serienkiller

Besonders pikant: DeAngelo war zu Beginn seiner Mordserie selbst noch Polizist. Erst 1979 wurde er wegen eines Ladendiebstahls 1979 aus dem Polizeidienst entlassen. Sein Insiderwissen verhalf ihm zuvor die Tatorte so zu präparieren, dass kein Verdacht auf ihn fallen sollte. Sein spätes Geständnis erspart ihm die jetzt Todesstrafe.

Im August soll er zu lebenslanger Haft ohne Möglichkeit auf Begnadigung verurteilt werden. Den überlebenden Opfern und den Angehörigen der Ermordeten bleibt damit ein langwieriger Prozess mit schmerzlichen Zeugenaussagen erspart.

Doch bereits die Anhörung lieferte schockierende Details zu den Taten des „Golden State Killers“. Die Staatsanwälte aus sechs Bezirken schilderten die grausamen Umstände, teils mit Tränen in den Augen.

Das jüngste Opfer des „Golden State Killers“ war 13 Jahre alt. Ein junges Paar hatte erst Monate zuvor geheiratet. Unter den Toten war auch eine gebürtige Frankfurterin, die 1981 im südkalifornischen Irvine erschlagen in ihrem Bett aufgefunden wurde. Das letzte dem „Golden State Killer“ zugeschriebene Opfer war eine 18-Jährige, die 1986 vergewaltigt und ermordet wurde.

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