Samstag, 23. August 2014 13:19 Uhr

Goodbye Deutschland: Katja Kessler über ihre lange Reise mit Herrn Kessler

Katja Kessler hat wieder ein höchst amüsantes Buch geschrieben. Ihr siebtes, wenn man die beiden Bohlen-Bestseller dazuzählen will.

In ‚Silicon Wahnsinn‘ erzählt die Ehefrau von ‚Bild‘-Chefredakteur Kai Diekmann über ihre eigentlich ungeplante Auswanderung auf Zeit – ins sonnige Kalifornien. Wie immer höchst kurzweilig und amüsant. Während sich der Göttergatte („Schatzi“) nämlich intensiv der digitalen Weiterbildung widmete, probierte sich die selbstbewußte Journalistin, Autorin und äußerst humorvolle Zeitgenossin mit den vier kleinen Kindern und sieben großen Koffern in einem Mini-Apartment aus…

klatsch-tratsch.de plauderte mit Katja Kessler über genau dieses Buch, die Westküsten-Alltagsdramen – und verlost zudem drei Exemplare!

Goodbye Deutschland: Katja Kessler über ihre lange Reise mit Herrn Kessler

Liebe Frau Kessler, wollen wir zuerst über ihren Mann oder ihr neues Buch ‚Silicon Wahnsinn‘ reden?
Hilfe, was für eine Retro-Tussi-Frage. Aus der Abteilung: ’Und was macht Dein Mann beruflich?’ Aber wenn’s Sie glücklich macht: Lassen Sie uns über Herrn Kessler sprechen!

Warum haben Sie Adé zum Heiligen See gesagt und sind “Schatzi“ ins Silicon Valley gefolgt? Er wollte doch nur ein paar Monate bleiben.
Genau so hat er’s mir auch verkauft: „Duhu, ich muss dann mal kurz weg …“ Und ’kurz’ entpuppte sich plötzlich als ein Jahr. Typisch Mann. Ich hab dann entschieden: Wir haben vier kleine Kinder, 4, 6, 8 und 10 Jahre alt. Wir gehen zusammen. Nicht dass die kleinen Racker irgendwann auf ein Poster von Sponge Bob zeigen und fragen: „Ist das Papa?“

Beschreiben Sie doch bitte mal so einen Moment, bei dem Sie entschieden, daraus muß jetzt unbedingt ein Buch werden!
Sie haben ja eine lustige Vorstellung! Sie stellen sich das bestimmt so erleuchtungsmäßig mit Feuerzungen überm Kopf vor, nicht wahr? Aber es war eher ein Prozess. Gerade in den ersten Wochen in Amerika hatte ich oft das Gefühl, ich platze. In jeder Hinsicht. Ich habe dann angefangen, Tagebuch zu schreiben. Das war mein Outlet.

Silicon Valley heißt doch fast 12 Monate Sommer, Sonne, und ja, Sandburgenbauen am Pazifik.
Das habe ich mir auch so vorgestellt. Und dann schnell gemerkt, dass zwischen mir und meinem kalifornischen Traum ganz viel kalifornischer Alltag wartet. Ich musste den Führerschein nachmachen. Diesen ganzen Behördenkram auf die Reihe kriegen. Haushalt, Kinder, mich organisieren. Wir sind ja nur mit sieben Koffern rübergeflogen. Die ersten Wochen waren taff, zumal Herr Kessler noch in Deutschland weilte.

Die drei schlimmsten Erlebnisse?
Gleich am ersten Schultag hat sich unser achtjähriger Sohn den Arm gebrochen. Ich saß dann nachts mit ihm und seinen Geschwistern im Stanford Emergency Room zwischen lauter Alkies und Junkies und dachte nur: ’Au weia! Was hab ich hier bloß losgetreten?’ Dann dieses skurrile Erlebnis mit meinen Umzugshilfen: Die sollten unsere Koffer vom Hotel-Apartment ins Haus schaffen – und stehen plötzlich da mit Couch und Fernseher und Stehlampe. Die hatten nämlich gleich mal das ganze Hotelzimmer aufgeladen. Und dann natürlich auch unser schräges Flughafen-Erlebnis in Arizona, wo plötzlich beim Security Check alles zum Stillstand kam, die Cops zusammenliefen, Hände am Colt. Bis sich rausstellte: Lilly hatte ihre rosa Spielzeugpistole ins Handgepäck geschmuggelt.

Goodbye Deutschland: Katja Kessler über ihre lange Reise mit Herrn Kessler

Das saukomischste Erlebnis?
Ich schreibe unserer Vermieterin per SMS: „Sorry, bin leider, leider nicht da! You have to come later!“ Drehe mich im Bett auf die andere Seite. In der Sekunde geht die Schlafzimmertür auf – wer steht im Rahmen? Die Vermieterin. Wobei ich sagen muss: Jetzt kann ich drüber lachen, in der Sekunde wollte ich eigentlich nur sterben

Was ist schiefgelaufen für die Fast-alleinerziehende Mama Kessler in der Ferne?
Gar nichts. Ich würde eher sagen: Die Dinge sind einfach nur nicht so gelaufen, wie ich es erwartet habe. Im Nachhinein würde ich sogar sagen: Frust ist gut. Du änderst erst was in Deinem Leben, wenn’s dich volle Kante nervt.

Ihre Bücher haben ja mit der sehr ironischen, aber bildhaften Sprache nicht nur einen hohen Unterhaltungswert, sondern sie reflektieren ja quasi Erlebtes und Sie ziehen daraus gerne persönliche, aber auch allgemeingültige Erkenntnisse wie „Menschen ändern sich. Männer nicht“. Vielleicht haben Sie uns Männer einfach noch immer nicht verstanden.
Ich fürchte, meine Antwort fällt deutlich kürzer aus als Ihre Frage … Stimmt. Ich behaupte nicht, dass ich Männer verstehe. Mein Mann ist da das beste Beispiel. Aber ich finde ihn trotzdem super.

Der Mann von Heute ist für Sie also das geborene Weichei?
Das sage ich nicht. Aber ich glaube, dazusitzen und zu warten auf den Prinzen mit dem weißen Pferd – da wirst du alt und schwarz. Selbst ist die Frau, in jeder Hinsicht.

Wir vermissen die Gründe, warum ihr Mann, einer der erfolgreichsten Journalisten hierzulande, ins Exil mußte. Das kann ihnen als gestandene Frau doch nicht egal sein.
Häh? Hab ich da was nicht mitgekriegt? Exil? Silicon Valley? Ich glaub, Sie müssen da mal selber hinfahren.

Ach, wir hätten Sie gern mit Ihrer Geschichte voller Alltagsdramen bei ‚Goodbye Deutschland‘ gesehen. Sie doch auch, seien sie ehrlich?
Nee, nee. Ich guck das lieber, als dass ich Akteur bin. Ich bin immer wieder beeindruckt, wie da Leute auf den Molukken aus dem Flugzeug klettern und erst dann merken: „Huch! Hier spricht ja überhaut niemand Deutsch!“

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