Sonntag, 17. November 2013 11:21 Uhr

Gurlitt will die Bilder nicht rausrücken

Der Münchner Kunstkrimi geht nun in eine eher unerwartete Richtung. Der 80-jährige Cornelius Gurlitt, der Besitzer des Kunstschatzes, der aus weit über 1000 verschollen geglaubten Gemälden und Grafiken besteht, will offenbar keines der Bilder an die womöglich rechtmäßigen Besitzer rausrücken. Dem Hamburger Magazin ‚Der Spiegel‘ erklärte er: „Freiwillig gebe ich nichts zurück.

Gurlitt will die Bilder nicht rausrücken

Gurlitt hatte sich in dem Blatt erstmals selbst zu dem Fall geäußert. Sein Vater habe die Kunstwerke „rechtmäßig erworben“.

Entsetzt zeigte sich Gurlitt über den Medienhype: „Ich bin doch nicht Boris Becker, was wollen diese Menschen nur von mir? Ich habe doch nur mit meinen Bildern leben wollen.“

Die Beschlagnahmung der Bilder kommentierte der 80-Jährige mit den Worten: „Die hätten doch warten können mit den Bildern, bis ich tot bin.“ Jetzt seien die Bilder in irgendeinem Keller aufbewahrt. „Warum haben sie die Bilder nicht dagelassen und nur immer die abgeholt, die sie prüfen wollen?“ Die Familiensammlung, die ihm per Erbe zugefallen war, sei sein Lebensinhalt gewesen: „Mehr als meine Bilder habe ich nichts geliebt“, sagte Gurlitt dem Nachrichtenmagazin. Er habe noch nie eine Straftat begangen, „und selbst wenn, wäre das verjährt“.

Der Münchner Bilderfund verursacht unterdessen reichlich Verwicklungen. Juristisch, weil man dem Kunsthändlersohn Gurlitt wohl kein Steuervergehen anlasten kann. Und politisch, weil der Fall 20 Monate unter Verschluss blieb. Jeden Tag kommen nun neue Details ans Licht.

Nach dem spektakulären Bilderfund muss die Justiz ihre Steuerermittlungen gegen Cornelius Gurlitt möglicherweise einstellen. Wie die ‚Süddeutsche Zeitung‘ gestern aus bayerischen Behörden erfuhr, soll der Sohn des Nazi-Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt in Österreich für „bescheidene Einkünfte“ Steuern gezahlt haben. Das österreichische Melderegister führe ihn mit Hauptwohnsitz in Salzburg. Damit wäre der deutsche Fiskus für Cornelius Gurlitt gar nicht zuständig. Die Augsburger Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen Steuerhinterziehung und Unterschlagung.

Die Behörden streiten sich unterdessen über die Verantwortung dafür, dass die bei Gurlitt beschlagnahmten 1400 Werke 20 Monate unter Verschluss blieben. Nach Darstellung des Justizministeriums in München soll mit dem Fall schon seit langem auch das Berliner Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen befasst sein, das zum Geschäftsbereich von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) gehört. Dieses Amt kümmert sich um die Rückgabe von Kulturgütern, die während der NS-Zeit ihren Besitzern abgepresst worden sein könnten. (KT/dpa)

Beispielfoto: Fotolia

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