25.10.2020 17:30 Uhr

Lisha & Lou: Haben sie ihren Fame nur gekauft?

Sie kamen, sahen und pöbelten: So könnte man die Teilnahme von Lisha und Lou im diesjährigen „Sommerhaus der Stars“ beschreiben. Die beiden Influencer mischen die Sendung seit ihrem Einzug mit ihrer „Gossen-Art“ gewaltig auf und polarisieren dabei, wie kaum ein anderes Paar. 

Foto: TVNOW / © Stefan Gregorowius

Vor dem diesjährigen „Sommerhaus der Stars“ waren Lisha und Lou einer breiteren Öffentlichkeit nicht unbedingt ein Begriff. Durch die neu hinzugewonnene Reichweite hat es das Berliner Youtube-Proll-Pärchen nun wohl auch in den Mainstream geschafft.

So sollte die schöne Lisha sogar im kommenden Jahr bei der geplanten „Dschungelcamp“-Staffel dabei sein, was einem Ritterschlag am Trash-Himmel gleichkommt. Doch nach der Absage der Show von Wales steht auch ihre Teilnahme in Frage.

Alles nur gekauft?

Tatsächlich kann man sagen, dass es Lisha und Lou in recht kurzer Zeit weit gebracht haben – was ihre Bekanntheit betrifft. Sie arbeiten mit großen Marken zusammen und die Sterne für eine lange Karriere stehen günstig.

Bei Youtube haben sie ihre Karriere begonnen. Dort folgen ihnen bislang 410.000 Interessierte. Auch beim Fotodienst Instagram folgen dem Paar nun über 449.000 Fans. Das sind Follower-Zahlen von denen andere nur träumen können … Dabei soll das Paar aber nicht immer fair gespielt haben. So sollen die 33-Jährige und ihr zwei Jahre jüngerer Gefährte angeblich einen Großteil ihrer Fans bei Instagram gekauft haben. Das behauptet jedenfalls eine Expertin mit den entsprechenden Messinstrumenten. Doch mehr dazu später.

Sich mit gekauften Followern beliebter und vor allem bekannter zu schummeln, ist eine fragwürdige Methode, die zwar bei Influencern nach außen hin total verpönt, aber hinter hervorgehaltener Hand, recht gängig ist.

Der digitale Applaus

Ganz nach dem Motto „Fake it till you make it“ tricksen sich häufig noch eher unbekannte Influencer nach oben. Der Grund: Erst ab einer gewissen Reichweite beißen Unternehmen und Auftraggeber bei Influencern an. Dann werden Follower, Likes und Kommentare zu barem Geld. Davor fliegt man unter dem Radar und wird oft nicht wahrgenommen.

Im Umkehrschluss heißt das: Mit dem Fame kommt auch das Geld und deshalb wird gerne mal nachgeholfen. Allerdings wird diese Trickserei von den Auftraggebern nicht gern gesehen, da die manipulierte Reichweite den Wettbewerb verzerrt und auf Dauer den Influencer-Markt kaputtmacht. Auf lange Sicht schadet das auch der Glaubhaftigkeit aller Beteiligter.

Mehr Schein als Sein?

Um diesen fragwürdigen Trend bestmöglich entgegenzuwirken, ist mittlerweile eine ganz neue Branche entstanden, die solchen Betrügereien den Kampf angesagt hat. Immerhin geht es meist nicht nur um Prestige, sondern auch oft um jede Menge Geld. Deshalb gibt es Agenturen, die Tools entwickelt haben, um die tatsächliche Reichweite von Influencern und Leuten, die das gerne wären, zu messen und zu analysieren.

Dabei werden von den Experten Follower analysiert und auf Echtheit überprüft. Häufig kommen dabei schockierende Details zum Vorschein. So gibt es viele bekannte Influencer und Selbstdarsteller, die sich große Teile ihres Followings gekauft haben. Dahinter stecken oft noch nicht mal echte Menschen, sondern sogenannte Bots.

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„Die Influencer-Branche hat ein Problem“

Darunter versteht man Software-Roboter, die den Anschein vermitteln sollen, echte Personen zu sein. Die Bots sollen dabei helfen, Influencer und deren Postings beliebter und erfolgreicher zu mogeln. Je nach Programmierung können diese Bots auch automatisiert Textbausteine posten. Häufig sind das Beiträge mit allgemeinsten Aussagen, die für so ziemlich alles zutreffen können, wie beispielsweise „Wow! This is so amazing!“. Und daran erkennt man die Bots dann auch. Häufig sind es aber auch anzügliche Dinge, mit denen andere User auf das Profil oder weiterführende Seiten gelockt werden sollen.

Eine, die derartige Betrügereien in den sozialen Netzwerken verfolgt, ist Jana Hartung, Geschäftsführerin bei BookaBrain, einer Agentur für Online-Marketing. „Ein Teil meines beruflichen Leistungsspektrums umfasst die Analyse von Influencer-Profilen, um sicher zu stellen, dass meine Kunden nicht für eine gefakte Reichweite bezahlen, wenn sie Influencer buchen. Denn die Influencer-Branche hat ein Problem: ‚Fake Follower‘.“

Sind mehr als die Hälfte der Follower fake?

Lisha und Lou brüsten sich ja regelmäßig mit eigenen Followerzahlen und bedanken sich in emotionalen Postings bei ihrer umwerfenden „BossCommunity“. Erst im September hieß es auf ihrem Instagram: „300.000 mal DANKE ! Für 300.000 Follower (…) ihr seid UNGLAUBLICH !!! So viele neue Follower.“

Jana Hartung sei bei den extrem steigenden Zahlen von Lisha und Lou stutzig geworden und habe daraufhin ihr Profil mit verschiedenen Analyse-Tools geprüft. „Diese zeigen Anomalien in den Follower-Charts auf. So liegt die ‚Audience Credibility‘, also die Authentizität der Zielgruppe, laut einem Analyse-Tool bei nur 35.47%. Das lässt vermutlich darauf schließen, dass ca. 65% ‚Fake Follower‘ sind.“

Es wird getrickst, was das Zeug hält

Jana Hartungs Aufschlüsselung zeigt weitere spannende Punkte auf: „Ein anderes Tool hat darüber hinaus 8.4% Massen-Follower (37.4k) und 21.7% verdächtige Konten (96.8k) identifiziert. Außerdem kommt es zu dem Schluss, dass ein ‚bedeutender Teil der 12227 letzten Kommentare‘ nicht authentisch wirkt. Bei den Likes schaut es besser aus, aber ca. 38% scheinen nicht authentisch zu sein.“

Allerdings müsse man die Aussage wohl auch etwas relativieren, sagt Hartung: „Geschätzt sind die Hälfte aller Instagram-Follower über alle Profile hinweg Bots, Massen-Follower oder inaktive Accounts. Ähnlich schaut es bei den Likes aus. Vermutlich gibt es keinen einzigen Creator mit 100% echten Followern, überall tummeln sich Fakes, die alle gängigen Handlung vornehmen:
Folgen, Liken, Kommentieren, Stories anschauen.“

Ihr Fazit fällt dennoch kritisch aus: „Auch wenn Influencer die Werbung im positiven Sinne verändert haben, dürfte die gefälschte Reichweite den Werbetreibenden einiges kosten.“