Mittwoch, 25. Oktober 2017 11:43 Uhr

Hape Kerkeling: „Ich war mal dünn und ziemlich lustig“

Der Deutsche Comedypreis steht nicht gerade im Ruf, viel Neues zu bieten. Oft überreichen sich Jahr für Jahr die selben Leute gegenseitig die Auszeichnungen. In diesem Jahr probiert sich die von RTL organisierte Verleihung an einer Verjüngung. Den Überraschungsmoment schafft aber ein Altbekannter: Hape Kerkeling.

Hape Kerkeling: "Ich war mal dünn und ziemlich lustig"

Carolin Kebekus erhält den Preis als „Beste Komikerin“. Foto: MG RTL D / Willi Weber

Carolin Kebekus kennt das alles. 2016, 2015, 2014, 2013 – Jahr für Jahr hielt sie den Deutsche Comedypreis als „Beste Komikerin“ in der Hand. Das ist doch nicht mehr witzig. 2017 ist es nicht anders. Wobei: Eines ist dann doch anders. In diesem Jahr ist es der komplette Triumph. Sie sei jetzt „nicht nur für eine Frau lustig“, stellt Kebekus in ihrer Dankesrede bei der Preisverleihung in Köln fest. „Sondern auch lustiger als die Typen“.

Die Angela Merkel der deutschen Comedy

Weil es beim Deutschen Comedypreis 2017 keine getrennten Kategorien für Frauen und Männer mehr gibt, war Kebekus zusammen mit vier Männern in der gemeinsamen Kategorie „Beste Komikerin/Bester Komiker“ nominiert worden: Luke Mockridge, Bauchredner Sascha Grammel, Olaf Schubert und Torsten Sträter.

Hape Kerkeling: "Ich war mal dünn und ziemlich lustig"

Laudator Max Giermann als Karl Dall.Foto: MG RTL D / Willi Weber

Da vor allem dem ziemlich omnipräsenten Mockridge gewisse Chancen eingeräumt wurden, gab es wenigstens einen Hauch von Spannung. Am Ende ziehen aber alle Männer gegen Kebekus den Kürzeren. Die 37-jährige, nur 1,64m kleine Kmkerin ist so etwas wie die Angela Merkel der deutschen Comedy.

Die Siegesserie von Kebekus spiegelt, wofür der Comedypreis in den vergangenen Jahren stand: eher wenig Überraschung. Nominierte, Gewinner, Juroren – oft sind es die selben Protagonisten, die auf die Bühne steigen. Die Generation Rüdiger Hoffmann, Piet Klocke und Hans Werner Olm ist – abgesehen von Ingo Appelt – in der Versenkung verschwunden. Und Cindy aus Marzahn ist auch schon tot.

Hape Kerkeling: "Ich war mal dünn und ziemlich lustig"

Moderator Chris Tall. Foto: MG RTL D / Willi Weber

Immer dieselben Shows

Bei der Preisverleihung am Dienstagabend, die am Freitag ab 20.15 Uhr bei RTL ausgestrahlt wird, ist das nur bedingt anders. Wieder gewinnt zum Beispiel die „heute show“ des ZDF als „Beste Satire-Show“, als „Beste Comedyserie“ geht im zweiten Jahr in Folge „Der Tatortreiniger“ (NDR) durch das Ziel.

Aber ganz so monoton ist es dann doch nicht. Die weiteren Gewinner im Schnelldurchlauf: „Sascha Grammel live! Ich find’s lustig“ (Bestes TV-Soloprogramm), „Sketch History“ (Beste Sketch-Show), „Luke! Die Woche und ich“ (Beste Comedy-Show, startet am kommenden Sonntag wieder), „jerks.“ (Beste Innovation), Hazel Brugger (Bester Newcomer), „Willkommen bei den Hartmanns“ (Erfolgreichste Kino-Komödie), Luke Mockridge (Erfolgreichster Live-Act).

Hape Kerkeling: "Ich war mal dünn und ziemlich lustig"

Sexy Luke Mockridge gewinnt zweimal. „Beste Comedy-Show“. Foto: MG RTL D / Willi Weber

Ein seit Jahren Bekannter gewinnt in der Kategorie „Beste Schauspielerin/Bester Schauspieler“: Olli Dittrich (60). „Vielleicht haben Ihnen ihre Großeltern von mir erzählt“, sagt er.

Ottfried Fischer kommt im Rollstuhl

Luke Mockridge, 28 Jahre alt, gewinnt aber immerhin in zwei Kategorien (wir berichteten). In seiner Altersklasse gibt es wohl keinen anderen, der gerade mit ähnlicher Macht in das Rampenlicht der Comedy-Szene geschoben wird. Abgesehen von Chris Tall, 26 Jahre alt. Der moderiert daher den Abend.

Hape Kerkeling: "Ich war mal dünn und ziemlich lustig"

Zwei Tonnen Lebensglück: Ehrenpreisträger Ottfried Fischer (r.) mit Laudator Hape Kerkeling. Foto: MG RTL D / Willi Weber

Den Ehrenpreis erhält in diesem Jahr Kabarettist und Schauspieler Ottfried Fischer (63), bekannt aus „Der Bulle von Tölz“ und „Ottis Schlachthof“. Er kommt im Rollstuhl auf die Bühne und fordert von den versammelten Kollegen im Saal „Haltung“ ein. „Macht denen, die euch lieben, deutlich, dass diejenigen, die eine „Alternative für Deutschland“ anbieten, die falsche Alternative haben“, sagt er. „Das ist die Alternative, die endet im Krieg“.

Hape Kerkeling lacht über sich

Die größte Überraschung des Abends war dann mal der Mann, der die Laudatio auf Fischer hält: Hape Kerkeling, den man lange nicht mehr auf einer Bühne gesehen hat. Drei Jahre, wie er selbst feststellt. „Für diejenigen, die mich nicht kennen, oder die sich partout nicht erinnern wollen: Mein Name ist Kerkeling. Ich war mal dünn, ziemlich lustig“, sagt er. „Vor allem aber weg.“

Hape Kerkeling: "Ich war mal dünn und ziemlich lustig"

Laudator Hape Kerkeling: „Ich war mal dünn“. Foto: MG RTL D / Willi Weber

Es gab Standing Ovations für den Meister, der sich aus dem Showbiz gänzlich zurückgezogen hat. Der ‚Stern‘ adelte den 53-Jährigen mit dieser Zeile: „Kerkeling, das wurde an diesem Abend klar, ist nach dem Tod von Loriot die deutsche Instanz in Sachen Humor.“ Kann sein. (dpa)

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