Mittwoch, 15. Januar 2020 22:26 Uhr

Harry, Meghan, Archie – und Kanada: Noch viele Fragen offen

Harry mit Meghan und Sohn Archie 2019 in Kapstadt. Foto: Toby Melville/PA Wire/dpa

Prinz Harry und seine Ehefrau Herzogin Meghan sind große Kanada-Fans. Schon als Kind ging er dort Skifahren, sie wohnte mehrere Jahre in der Hauptstadt von Ontario, Toronto. Nun will das Paar nach dem sogenannten ‚Megxit‘ mit Söhnchen Archie wohl sogar zeitweise dort leben. Wie gut ist ihr Netzwerk dort wirklich und wie finden das die Kanadier?

Die Begrüßung in dem Land, dass im Norden sogar schon an den Polarkreis grenzt, war äußerst freundlich. Noch dazu kam sie von ganz oben, nämlich von Premierminister Justin Trudeau höchstpersönlich.

Harry, Meghan, Archie - und Kanada: Noch viele Fragen offen

Justin Trudeau bei einer Privataudienz mit Elizabeth II. im Buckingham Palast. Foto: Yui Mok/PA Wire/dpa

Queen segnete „Megxit“ ab

„Prinz Harry, Meghan und Archie, wir alle wünschen euch einen ruhigen und gesegneten Aufenthalt in Kanada“, schrieb dieser kurz vor Weihnachten per Twitter. „Ihr seid hier unter Freunden und ihr seid hier immer willkommen.“ Das Herzogenpaar von Sussex war eigentlich nur für einen verlängerten Weihnachtsurlaub in dem nordamerikanischen Land, unter anderem an der Westküste dessen, in der Stadt Victoria auf Vancouver Island.

Das Ehepaar hatte sich eine mehrwöchige Auszeit von ihren royalen Aufgaben genommen und verzichteten für diese sogar auf das traditionelle Weihnachtsfest mit der Queen. Kaum zurückgekehrt kündigten sie überraschend an, künftig viele der royalen Verpflichtungen aufzugeben, sowie abwechselnd in Großbritannien und Kanada leben zu wollen. Inzwischen hat Königin Elizabeth II. die Pläne zum ‚Megxit‘ grundsätzlich abgesegnet.

„Das ist nicht das erste Mal, dass ich von Menschen gehört habe, die in Victoria Urlaub gemacht haben, dann wieder nach Hause kommen und sofort einen Weg suchen, hierher zu ziehen“, witzelte der frühere Chef der Interessensvertretung ‚Monarchist League of Canada‘, Bruce Hallsor, im Interview mit dem kanadischen TV-Sender ‚Global News‘. Bei dem Rotschopf und seiner Frau war dieser Schritt jedoch keine spontane Eingebung, sondern ein wohldurchdachter und lange gereifter Plan.

Harry, Meghan, Archie - und Kanada: Noch viele Fragen offen

Harry (l) mit Justin Trudeau 2018. Foto: Matt Dunham/PA Wire/dpa

Noch viele Fragen offen

Die beiden fühlten sich in Großbritannien nicht mehr wohl und das kam wohl nicht von ungefähr. Häufig stand das Paar bei den Briten in der Kritik, Gründe dafür waren lapidar, wie beispielsweise weil sie auf ihre Privatsphäre pochten, Privatjets nutzten oder Meghan nach Ansicht einiger Einwohner unangemessen angezogen war. Der große Showdown kam dann, als die 38-jährige wegen ihrer afroamerikanischen Wurzeln im Königreich sogar beschimpft wurde – bis Harry öffentlich ein Machtwort sprach. Das Maß schien endgültig voll, als sich auch noch die einst unzertrennlichen Prinzen-Brüder Harry und William nicht mehr so gut verstanden.

Daraufhin gab es schon erste Spekulationen, dass sich die dreiköpfige Familie nach Afrika absetzen wollte – schließlich lieben sowohl der 35-jährige als auch seine Ehefrau den Kontinent über alles. Nun soll es aber Kanada werden. Wo genau sie in dem Commonwealth-Land mit ihrem acht Monate alten Baby leben wollen, ist nicht bekannt – und auch sonst sind nach Ansicht von Premier Trudeau noch viele Fragen offen. „Wie das aussieht und welche Art von Kosten das beinhaltet, darüber gibt es noch viele Diskussionen zu führen“, so der 48-jährige. Zu den offene Fragen zählt beispielsweise auch noch, womit das Paar Geld verdienen darf und wer für seine Sicherheit aufkommt.

Klar ist aber: Sowohl Harry als auch Meghan sind erklärte Fans des nordamerikanischen Landes, dessen offizielles Staatsoberhaupt Harrys Großmutter ist. Schon als kleiner Junge war der Sohn von Lady Diana und Prinz Charles zum Skifahren an Kanadas Westküste. Bevor die heutige Herzogin von Sussex zu ihrem liebsten nach England zog, lebte die gebürtig aus Los Angeles stammende Ex-Schauspielerin mehrere Jahre in der Metropole Toronto im Osten Kanadas. Schon 2016 hatte sie in einem Interview gesagt, dass sie die Stadt liebe. „Die Menschen sind so nett, ich liebe das Essen und ich liebe es, mit meinen zwei Hunden kleine Ecken in der Stadt auszukundschaften.“

Lohnende Angebote aus Kanada

Besonders Meghan hat bis heute enge Verbindungen nach Kanada aus dieser Zeit. Hier schaffte sie ab 2011 als Anwaltsgehilfin Rachel Zane in der Serie ‚Suits‘ ihren Durchbruch als Schauspielerin, begann sich auch im Auftrag der Vereinten Nationen für Frauenrechte einzusetzen und veröffentlichte einen erfolgreichen Lifestyle-Blog. Aus dieser Zeit soll Meghan ein Vermögen von mehreren Millionen Dollar angespart haben. Als „Schauspielerin, Autorin und Herausgeberin meines Lifestyle-Labels ‚The Tig'“, beschrieb sie sich noch 2016 selbst. Das alles musste sie für die Hochzeit mit Harry vorerst aufgeben, aber die Freunde und Verbindungen in die Branche hat sie sich erhalten.

Die Mode-Stylistin Jessica Mulroney, die in Toronto lebt und mit dem einflussreichen Sohn eines früheren Premierministers verheiratet ist, gilt als die beste Freundin der Herzogin. Außerdem lebt Meghans Mutter Doria Ragland, mit der sie ein sehr enges Verhältnis hat, lebt in Kalifornien – das wäre von Kanada aus immerhin deutlich näher. Die Kanadier brächten Harry und Meghan ein „Gefühl von Wertschätzung“ entgegen, sagt Premierminister Trudeau. „Ich denke, die meisten Kanadier stehen der Idee, Royals hier zu haben, sehr unterstützend gegenüber.“ Einige Menschen kommentierten in den sozialen Medien allerdings, dass bitte kein kanadisches Steuergeld für den Lebensunterhalt des royalen Paares ausgegeben werden solle.

Die meisten Stimmen sind aber positiv – und manche sogar regelrecht begeistert. „Von allen Ländern der Welt mögen sie uns am liebsten“, witzelte die Autorin Anne Donahue in der Zeitung ‚Globe and Mail‘. „Dass Meghan und Harry nach Kanada kommen, ist das märchenhafte Ende der Geschichte, das wir uns alle verdient haben.“ Die beliebte Kaffee-Kette Tim Hortons machte dem royalen Paar per Twitter gleich ein Angebot: „Wir wollen keinen Druck machen, Meghan und Harry, aber wenn ihr euch entscheidet, nach Kanada zu ziehen, dann bekommt ihr euer Leben lang umsonst Kaffee. Denkt darüber nach.“ (Christina Horsten und Silvia Kusidlo, dpa/KT)

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