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Freitag, 28. Juni 2019 18:15 Uhr

Heidi Klum: Proteststürme gegen ihre neue Drag-Queen-Show

Foto: Apega/WENN.com

In den USA werden seit nun mehr als zehn Jahren bei „RuPauls Drag Race“ – ähnlich wie bei „Germany’s Next Topmodel“ – Amerikas nächste Top Drag Queens gesucht. Dabei sucht Travestie-Legende RuPaul (58) mit einer ständig wechselnden Jury nach neuen Stars, die mit ihrer Kunst und ihrer Persönlichkeit die Szene verzaubern oder zumindest unterhalten.

Heidi Klum: Proteststürme gegen ihre neue Dragqueen-Show

Foto: Apega/WENN.com

Dies läuft mittlerweile so erfolgreich, dass die Sendung ein internationales Publikum gefunden hat und die Queens der Show regelrecht um den ganzen Erdball für Auftritte und Fan-Events gekarrt werden. So schön, so gut.

Nun staunten die deutschen Fans nicht schlecht, als diese Woche verkündet wurde, dass es nun eine ähnliche Show für den deutschen Markt bei ProSieben geben wird: Zwar nicht mit RuPaul aber dafür mit Heidi Klum, Bill Kaulitz und Conchita Wurst und dem wenig schmissigen Namen „Queen of Drags“.

Im Vorfeld der Sendung, die noch in diesem Winter anlaufen soll, zeigte sich Model-Mutti Klum äußerst begeistert: „Ich liebe und bewundere die Drag-Kunst seit Jahren. Deswegen freue ich mich, dieser Kunst und ihren eindrucksvollen Protagonisten in einer neuen ProSieben-Show zum ersten Mal im deutschen Fernsehen eine Bühne zu geben.“Weiter erklärt sie: „In ‚Queen of Drags‘ werden wir die kreativen Facetten der Drag-Welt zeigen.“

Menschenzoo für Heteros

Diese Vorfreude teilen aber nicht alle: Denn viele der LGBTQ-Community befürchten bei der Show keine liebevolle Hommage an die Drag-Kultur, sondern vielmehr einen schrillen Ausverkauf, der das Ganze viel mehr ins Lächerliche zieht. Auch das Schwulen-Magazin „Blu“ äußerte große Bedenken zu diesem neuen Format: „Das Format kann ohne die Verwurzelung in die Community auch zu einem queeren Menschenzoo für die Belustigung des heteronormierten Nachmittagsfernsepublikums verkommen.“

So gab es bereits schon wenige Stunden nach der Showankündigung durch ProSieben eine Petition im Netz, welcher der Show „Kulturellen Missbrauch“ vorwirft und die Frage in den Raum stellt, warum diese eigentlich von einer „heteronormativen weißen Frau“ moderiert werden sollte.

Heidi Klum: Proteststürme gegen ihre neue Dragqueen-Show

Fixie Fate. Foto: Chipi

So heißt es in der Petition, die von den Berliner Drag-Aktivistinnen Margot Schlönzke und Ryan Stecken ins Leben gerufen wurde: „Heidi Klum hat von Drag, der dazugehörigen Historie, der Lebenseinstellung, der Identität, der Drag-Kultur, der Szene und der gesamten Branche absolut keine Ahnung.“

Die Reaktionen von einigen der berühmtesten Drag Queens Berlins waren auch entsprechend.

Nur auf Quote bedacht

Drag-Djane Fixie Fate steht dem Format ebenfalls eher kritisch gegenüber: „Leider ist ein Unternehmen wie ProSieben/Sat.1 auf Quoten bedacht und hat deswegen Heidi Klum als Jurypräsidentin genommen. Mit GNTM hat sie ja schon bewiesen, dass sie aus einer Sendung eine herrliche Selbstinszenierung machen kann. Ich hoffe, das dass mit ‚Queen of Drags‘ nicht den selben Verlauf nimmt.“

Heidi Klum: Proteststürme gegen ihre neue Dragqueen-Show

Kaey. Foto: Alexander Heigl

Auch Drag Queen und Trans* Aktivistin Kaey hat so ihre Bedenken, was Heidis neustes Projekt betrifft: „Heidi Klum ist nicht die richtige Wahl als Moderatorin, weil Drag eine Kunstform ist, die aus der queeren Subkultur kommt. In Amerika hat das Format solch einen Erfolg, weil RuPaul selbst schwul und eine Dragqueen ist und somit um einiges authentischer ist. Bei ProSieben wirkt es so, als ob jetzt eine marginalisierte Gruppe als Paradiesvogel einem Mainstreampublikum vorgeführt werden soll.“  Zudem sei ihrer Meinung nach Klum dafür bekannt mit starken Klischees zu arbeiten.

Das sagt Olivia Jones

Von den Initiatoren der Petition ist in sozialen Netzwerken weiter zu lesen, dass es viele Alternativen zu Heidi Klum geben würde, etwa Promis wie Guido Maria Kretschmer, Ralph Morgenstern, Lilo Wanders, Hella von Sinnen, Desirée Nick, Harald Glööckler oder selbst der legendäre „Mary“ Georg Preuße.

Heidi Klum: Proteststürme gegen ihre neue Drag-Queen-Show

Olivia Jones. Foto: WENN.com

Unterstützung für Klum kommt derweil von Olivia Jones, einer der seit Jahren bekanntesten Drag Queens Deutschlands, die nach eigenen Angaben auch selber in dem Format auftauchen wird.

Auf ihrer Website schrieb Jones: „Damit bekommen Drag Queens in Deutschland erstmals bei einem großen deutschen TV-Sender eine eigene Prime Time Show.“ Den Durchbruch habe am Ende Heidi Klum gebracht, in dem sie bei „Germany’s Next Topmodel“ den Mut gehabt habe, Dragqueens eine Plattform zu geben und in dem sie sich danach für ein eigenes Dragqueen-Format stark gemacht habe. „Endlich können auch deutsche Drags mal allen zeigen, dass sie sich hinter ihren amerikanischen Kolleginnen nicht verstecken müssen und wir eine unglaublich vielfältige Szene haben.“ (KT/dpa)

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